Kunst
Auf die Schildkröte gekommen – Zug feilt an seinem neusten Wahrzeichen

Ein riesiger, begehbarer Schildkrötenpanzer am See soll neue Formen der Begegnung ermöglichen.

Haymo Empl
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Coni Altherr präsentiert seine Vision einer 3D-gedruckten Riesenschildkröte als Eventhalle.

Coni Altherr präsentiert seine Vision einer 3D-gedruckten Riesenschildkröte als Eventhalle.

Bild: Mathias Blattmann (Zug, 3. März 2022)

Es klingt avantgardistisch: Eine mittels 3D-Drucker erstellte Schildkröte soll zu einer multifunktionalen Eventhalle werden und zudem auch neues Wahrzeichen von Zug darstellen. Der Panzer der Schildkröte soll quasi das Gerüst bilden, dazwischen werden als Wind- und Wetterschutz energieerzeugende Folien angebracht. So wird die Schildkröten-Eventhalle idealerweise auch gerade eigener Stromlieferant für mögliche Events. Und damit sich wirklich alle angesprochen fühlen, würden neue Gastronomiekonzepte dafür sorgen, dass die Zuger-Event-Energie-Schildkröte Sogwirkung bis weit über die Kantonsgrenze ausübt.

Und weil Wahrzeichen: Ein Teil der Schildkröte würde in den See hinausragen und wer möchte, kann auch im integrierten Unterwasserrestaurant speisen. Weil die Stadt Zug kulturell bereits jetzt schon in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle ausübt, wird Zug dadurch nicht nur zum endgültigen Kulturmekka, sondern auch zur innovativsten Stadt der Schweiz.

Eine Eventhalle aus dem Drucker

Kopf dieser Idee ist der Zuger Künstler Coni Altherr und seine Vision der 3D-gedruckten Eventhalle in Form des Schildkrötenpanzers präsentierte er am Donnerstag im Stadthaus Zug einem ausgewählten, kleinen Personenkreis. Mit den Worten:

«Ich bitte euch, in der folgenden Stunde nicht ‹können wir das überhaupt› zu denken, sondern denkt ‹was wäre, wenn wir diese Schildkröte hätten›»

eröffnete der Künstler seine Präsentation. Eine Denkart, die während Coni Altherrs Präsentation – gespickt mit vielen Details rund um das Leben der Schildkröten – erstaunlich gut gelang.

So absurd die Idee im ersten Moment wirkte: Von Minute zu Minute wurde die Vorstellung, eine solche Halle mit Foren, Seminaren und Erlebnisgastronomie zu haben, realer und man wünschte sich bereits nach der ersten Viertelstunde der Präsentation, dass irgendjemand von den Anwesenden das «Go» für die Entwicklung des Schildkrötenpanzers geben würde. Denn: Rein technisch wäre der Bau mittels 3D-Druck-Roboter möglich. In Amsterdam existiert bereits eine «gedruckte» Fussgängerbrücke aus Stahl, die im ältesten Quartier der Stadt steht und den Oudezijds Achterburgwal überbrückt.

Der Künstler als Visionär

Coni Altherr war 1994 Initiant und Erfinder des «Swiss Indoor Cups». Darauf folgten aufgrund des grossen Erfolgs der «German Indoor Cup» und notabene auch der «World Indoor Cup». Schon damals ging es um die Verbindung von Sport und Lifestyle, ums aktive «dabei» zu sein und darum «mitmachen» zu wollen. So soll es auch bei der Eventhalle sein, die im Prinzip für alles und alle offen stehen soll.

Coni Altherr war und ist ein Visionär, weiss aber auch wo seine Grenzen sind. «Wir müssten selbstverständlich Arbeitsgruppen und Interessengemeinschaften bilden», erklärte er an der Präsentation. Die richtigen Leute ins Boot holen, eine weitere Stärke von Coni Altherr. Die Idee zur Schildkröten-Halle kam ihm bei seinem künstlerischen Schaffen: Er malt unter anderem seit Dekaden – wer hätte es gedacht – Schildkröten.

Die Schildkröte als Symbol

Warum aber ausgerechnet eine Schildkröte? «Sie hat grossen Symbolcharakter. Denn seit über 200 Millionen Jahren besiedelt sie beinahe unverändert unseren Planeten. Sie steht in vielen Kulturen für Mutter Erde, Gesundheit und Langlebigkeit», so Conni Altherr. Das neue Wahrzeichen der Stadt Zug wäre ein optisches Spektakel. Vor allem aber auch eine «einmalige Begegnungsstätte für modern denkende Menschen», so der Visionär. Nachhaltig, konzipiert für alle und weltweit einzigartig. Stadt und Kanton Zug waren bereits in vielen Dingen Vorreiter, warum nicht auch hier? Schliesslich wurden viele Ideen als «absurd» abgetan, um dann doch realisiert zu werden und die Welt ein kleines Stück voranzubringen. Ohne Visionäre wie Coni Altherr gäbe es heute weder Antibiotika noch das Automobil und schon gar keine Mondlandung. Und letztendlich wurden auch Niklaus Riggenbach mit seiner Idee der Zahnradbahn als «Spinner» abgetan. Dieser eröffnete 1871 die Rigibahn. Und plötzlich wurde aus dem seltsamen Kauz ein Visionär. So schnell kann es gehen.