leserbrief
Gerechtigkeit in Zeiten der Pandemie

Zum Umgang des Staats mit den Geschädigten der Covid-19-Pandemie

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Unser aller Leben endet früher oder später mit dem Tod. Das Leben ist eine tödliche Krankheit. Ich verstehe deshalb den zurzeit viel gehörten, zwar gut gemeinten, aber in seiner Absolutheit nicht durchdachten Satz nicht: «Jeder Todesfall ist einer zu viel.»

In seiner Konsequenz würde er bedeuten: Es darf keinen Tod mehr geben, die Wissenschaft muss den Menschen unsterblich machen. Es wäre aber grausam, unerträglich, müssten wir unendlich leben. Nebst dem unvermeidlichen biologischen Tod gibt es aber auch einen vermeidbaren existenziellen Tod. Das grassierende Sars-CoV-2-Virus bringt biologischen Tod schicksalhaft, einem Losentscheid zu vergleichen, nicht durch die Gesellschaft bestimmbar.

Existenzieller Tod durch das Virus aber wird in mehr oder weniger demokratischem Verfahren gezielt einer bestimmten Menschengruppe zugemutet. Ihnen wird finanzielle Not und gar Ruin abverlangt zum Nutzen des Lebens von uns allen.

Im Sinne von Gerechtigkeit – bereits bei den alten Griechen höchste Tugend sozialen Zusammenlebens –, weil das Leben der gesamten Gemeinschaft durch die verordneten Massnahmen geschützt wird, soll auch diese, also der Staat, für die verursachten Kosten aufkommen. Ich erwarte deshalb, dass allen Geschädigten unbesehen des bürokratischen Aufwandes vollumfänglich und vor allem schnell geholfen wird.

Wie hat doch Bundesrätin Simonetta Sommaruga zu Beginn der Pandemie versprochen: «Wir lassen keinen von Euch im Stich!»

Heinz Sennrich, Steinhausen