Schwyz
Verfahren eingeleitet: Ärztin spritzt in Ibach abgelaufene Impfdosen

In einer Praxis in Ibach wurden bei über 100 Personen mutmasslich abgelaufene Moderna-Impfdosen verimpft.

Jürg Auf der Maur, Petra Imsand
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Susanne Niemann ist die Berufsausübung als Ärztin vorläufig untersagt, die Praxis ist geschlossen.

Susanne Niemann ist die Berufsausübung als Ärztin vorläufig untersagt, die Praxis ist geschlossen.

Bild: Petra Imsand (Ibach, 23. Dezember 2021)

In der Arztpraxis von Susanne Niemann in Ibach wurden mutmasslich über mehrere Monate Covid-19-Impfdosen des Herstellers Moderna verabreicht, die das Verfallsdatum bereits überschritten hatten. Wie lange der Impfstoff abgelaufen ist und ob er richtig gelagert wurde oder nicht, kann Kantonsapothekerin Regula Willi auf Anfrage des «Boten» nicht beantworten. «Diese Fragen sind Gegenstand der laufenden Abklärungen», sagt sie.

Kommt hinzu, dass wegen unzureichender Dokumentation der Impfungen in der Arztpraxis derzeit nicht alle potenziell betroffenen Personen identifiziert und direkt kontaktiert werden können.

Hotline für Betroffene, Praxis geschlossen

Über 100 Personen sollen betroffen sein. «Für die Betroffenen ist keine Gesundheitsgefährdung durch die Verimpfung des abgelaufenen Impfstoffs zu erwarten», heisst es seitens des Kantons. «Allerdings können derzeit keine verlässlichen Aussagen zur Wirksamkeit und damit zum Impfschutz gemacht werden.» Entsprechende Abklärungen seien im Gange.

Alle Personen, die im laufenden Jahr eine Covid-19-Impfung in der Arztpraxis von Susanne Niemann erhalten haben, werden aufgefordert, ihr Verhalten an den möglicherweise fehlenden Impfschutz anzupassen und besondere Vorsicht walten zu lassen. «Dazu zählen das konsequente Tragen einer Schutzmaske, das Vermeiden von Menschenansammlungen und das Einhalten der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln.»

Das Amt für Gesundheit und Soziales klärt derzeit in Abstimmung mit dem Bundesamt für Gesundheit, Swissmedic und dem Impfstoffhersteller ab, welche Massnahmen zur Sicherstellung eines vollen Impfschutzes angezeigt sind. Für die Betroffenen steht eine Hotline zur Verfügung.

Im Zusammenhang mit einem bereits laufenden Aufsichtsverfahren gegen Susanne Niemann erlangte das Amt für Gesundheit und Soziales Kenntnis über Unregelmässigkeiten beim Impfen. Ihr ist die Berufsausübung als Ärztin vorläufig untersagt worden, die Praxis ist geschlossen. Im Medizinalberufsregister des Bundesamts für Gesundheit ist ersichtlich, dass die Berufsausübungsbewilligung von Susanne Niemann für den Kanton Schwyz, welche ursprünglich 2020 erteilt worden ist, aktuell inaktiv ist.

Mögliche Tatbestände werden abgeklärt

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz hat ein Strafverfahren gegen Niemann eröffnet. «Die möglichen Tatbestände werden nun abgeklärt», sagt Florian Grossmann, Kommunikationschef der Kantonspolizei Schwyz, auf Anfrage. Das Verfahren sei von Amtes wegen aufgenommen worden. «Welche Straftatbestände verfolgt werden, ist im Moment noch nicht abschliessend bekannt. Im Zentrum des Verfahrens stehen Verstösse gegen das Heilmittelgesetz und mutmasslich Urkundenfälschung», so Grossmann.

Für eine Stellungnahme war Susanne Niemann nicht erreichbar. Gemäss Ansage auf dem Anrufbeantworter der Praxis bleibt diese bis nach Weihnachten geschlossen.

Video: Tele 1

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