Nidwalden
Neue «Brattig» erzählt Geschichten aus dem Leben

Nun ist er wieder erhältlich: der Nidwaldner Kalender. Darin geht’s unter anderem um die Grenzen des Bikens.

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Die Ausgabe 2022 ist der 163. Jahrgang des Nidwaldner Kalenders, den es nun wieder zu kaufen gibt. Und einmal mehr wird das literarische und historische Kleinod vom Stanser Martin von Matt herausgegeben, der zusammen mit einem eingespielten Team für die Redaktion verantwortlich ist und als Verleger das finanzielle Risiko trägt.

Treue Leserinnen und Leser des Kalenders dürften wissen, dass es in ihrer «Brattig» Gefässe gibt, die seit Jahren mit den gleichen oder ähnlichen Themen gefüllt werden. Dazu gehört das Kalendarium mit der gregorianischen Zeitrechnung und den astronomischen Erscheinungen im kommenden Jahr. Einen grossen Teil der rund 300 Seiten des Kalenders beanspruchen unter dem Begriff «Nidwalden» die Kalendergeschichten und fünf bis sechs Artikel, welche aktuelle und somit meist neue Themen aus dem Kanton aufgreifen.

Den zweiten Schwerpunkt der Ausgabe bildet die Jahreschronik. Dann folgen etwa zehn Seiten Informationen zu Behörden und zur ärztlichen Versorgung im Kanton und im letzten Teil bekommen fünf Personen die Möglichkeit, ihre Vorschläge für eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit in Nidwalden zu präsentieren.

«Obsi – nidsi» – dieses Wortpaar kann eine Gefühlslage ausdrücken oder ein Auf und Ab im Raum beschreiben. Beim Nidwaldner Kalender scheint die Lage klar zu sein: Auf dem Titelblatt sieht man einen Biker eine Alpweide hinunterfahren. Daneben steht «obsi / nidsi. Biken boomt». Tatsächlich? Manuela Gili Sidler zeigt in ihrem Artikel «Freiheit auf zwei Rädern», dass die Biker-Freiheit in Nidwalden nicht grenzenlos ist und dass sich weite Kreise der Bevölkerung noch immer damit schwer tun, dieser Sportart mehr Raum zu gewähren. Dass man diesen Sport im Kanton trotzdem ausüben kann, belegt die U23-Weltmeisterin Alessandra Keller, die bei den Freizeit-Tipps fünf Touren beschreibt, die Biker zurücklegen können.

Dritte Coronachronik soll es nicht geben

Auch bei den Emotionen geht es hinauf und hinunter. Ein besonders dramatisches Auf und Ab beschreibt Rolf Scheuber in der Coronachronik, die er neben der Jahreschronik zum zweiten Mal zusammengetragen hat. Die ursprüngliche Solidarität in der Gesellschaft wurde durch verhärtete Fronten abgelöst, die Zahlen stiegen und fielen in raschem Rhythmus, Hoffnung und Enttäuschung lösen sich regelmässig ab. An Rolf Scheuber geht dieses Wechselbad der Gefühle nicht spurlos vorbei: Eine dritte Coronachronik soll es in der nächsten Nummer nicht mehr geben.

Die Kombination «vo innä / vo ussä» wird im Kalender zwar nicht explizit genannt, könnte aber bei einigen Texten gut verwendet werden. Das beginnt mit der Kalendergeschichte, die zum vierten Mal von Tony Ettlin geschrieben wurde. Der Autor hat beim Inhalt zwar weitgehende Freiheit, aber die Erzählung muss einen Bezug zu Nidwalden und eine Liebesgeschichte enthalten. Tony Ettlin schildert in der Geschichte «Nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt» die Verhältnisse in einer Beckenrieder Familie. Dabei gelingt es ihm ausgezeichnet, durch häufige Perspektivwechsel die Gedankenwelt der verschiedenen Protagonisten zu beschreiben und die Spannung über den Ausgang der Geschichte bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.

Nina Christens Auf und Ab

Die Innen- und Aussensicht wird auch vom Wolfenschiesser Beat Christen im Artikel über Olympiasiegerin Nina Christen eingesetzt. Auf der einen Seite wird der Leser in die Position des Zuschauers zurückversetzt, der am 31. Juli vor dem Bildschirm mitfieberte. Auf der anderen Seite erfährt er aus Sicht der Schützin, was sie beim Wettkampf fühlte und welches Auf und Ab sie nach dem Sieg durchlebte.

Ein weiteres Beispiel, wie man mit guten Fragen von aussen und Erklärungen von innen auch komplexe Zusammenhänge plausibel erklären kann, gelingt Christian Hug mit dem Artikel «Software One. Lizenz zum Handeln». Nach der Lektüre hat auch der IT-Laie das Gefühl, endlich zu verstehen, was die Stanser Firma Software One macht und wie sie ihr Geld verdient. (pd/lur)