Emmen
Beim Sonnenplatz wird neu gebaut – doch im Einwohnerrat hagelt es Kritik gegen die Investorin

Das frühere Gemeindehaus an der Gerliswilstrasse 87 soll abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Dabei sollen nicht dieselben Fehler gemacht werden wie auf der anderen Strassenseite, warnt der Einwohnerrat.

Robert Knobel
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Das ehemalige Gemeindehaus an der Gerliswilstrasse 87 in Emmen.

Das ehemalige Gemeindehaus an der Gerliswilstrasse 87 in Emmen.

Bild: Manuela Jans-Koch

Man kann es sich heute kaum noch vorstellen – doch das kleine blaue Haus beim Sonnenplatz in Emmenbrücke war früher einmal der Sitz der Gemeindeverwaltung Emmen. Erst ab 1970 bezog diese ein zeitgemässeres Zuhause im Gersag, den «Schoggiturm», der heute noch in Betrieb ist.

Nun soll die «Alte Kanzlei» an der Gerliswilstrasse 87 einem grösseren Neubau weichen. Der Emmer Einwohnerrat hat den dafür nötigen Bebauungsplan am Dienstag bewilligt. Es liegt auch bereits ein Bauprojekt vor: Es sieht zwei Gebäude mit vier respektive sieben Geschossen vor. Geplant sind 13 Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen.

Ein Modell der geplanten Überbauung.

Ein Modell der geplanten Überbauung.

Visualisierung: buan architekten

Als Investorin tritt die Firma Romano & Christen auf, der das Areal auch gehört. Und genau dies sorgte im Einwohnerrat für Kritik. Denn Romano & Christen hat der Gerliswilstrasse bereits mit einem anderen Projekt den Stempel aufgedrückt: der Überbauung Stadtgarten gleich auf der anderen Strassenseite. Und damit sind die Emmer Parteien alles andere als glücklich. Christian Blunschi (Mitte) sagte:

«Bei der Umgebungsgestaltung wurde geschlampt. Die vielen Asphaltflächen bieten ein schäbiges Bild.»

Blunschi fügt hinzu: «Nun kommt der gleiche Investor mit einem neuen Bebauungsplan. Wir müssen verhindern, dass die Umgebung noch mehr verschandelt wird.»

Grüne wollen Investorin zum Handeln zwingen

Auch Patrick Graf (Grüne) ärgert sich über die «Betonwüste». Zwar habe die Gemeinde Verbesserungen gefordert, doch es gehe nicht vorwärts. Die Grünen hätten sich sogar überlegt, das aktuelle Projekt zurückzuweisen, um den Investor beim Stadtgarten endlich zum Handeln zu bewegen. Davon sah die Mehrheit der Fraktion dann aber ab.

Auch Gemeinderat Josef Schmidli (Mitte) räumte ein, dass die Umgebungsgestaltung bei der Überbauung «Stadtgarten» ungenügend sei. Man sei aber mit Romano & Christen in Kontakt, erste Verbesserungen würden demnächst umgesetzt. Für das aktuelle Projekt «Alte Kanzlei» habe man zudem Lehren gezogen – etwa, indem man einen Kostenvorschuss für die Umgebungsgestaltung einfordere.

Grosse Bäume und freie Sicht auf die Kirche

Konkret sieht der Bebauungsplan «Alte Kanzlei» Baumpflanzungen vor, aber auch Fassadenbegrünungen sowie einen kleinen Platz mit Grünanlage und Sitzmöglichkeiten. Aus dem Parlament kamen weitere Forderungen: Die Bäume müssen gross genug sein, und die asphaltierten Flächen sollen mit sickerfähigem Belag ausgestattet werden. Reklame am Gebäude soll nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden und dürfe die Sicht auf die Kirche Gerliswil nicht stören.