BRAUEN: Ein Männertraum wird wahr

Welcher Mann trinkt schon nicht gerne Bier? Vor allem im Sommer ist das Getränk äusserst beliebt. Unser Reporter weiss nun, wie man es herstellt – und dass die Arbeit anstrengend ist.

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Das Bier will verdient sein: Reporter Matthias Stadler (vorne) lernt von Braumeister Udo Remagen, (Bild Nadia Schärli)

Das Bier will verdient sein: Reporter Matthias Stadler (vorne) lernt von Braumeister Udo Remagen, (Bild Nadia Schärli)

Gehört hatte ich ja schon einiges über das Bierbrauen. Ein guter Freund von mir ist Brauer, und er erzählt immer wieder gerne von seiner Leidenschaft. Und ich höre immer wieder gerne zu. Denn Bier ist gemäss verschiedenen Umfragen des Mannes Lieblingsgetränk – und auch ich bin dem Gerstensaft alles andere als abgeneigt, wohlverstanden in gesundem Masse. Mein Traum, selber einmal Bier zu brauen, hatte sich bis anhin aber noch nicht erfüllt.

Deswegen stellte für mich die Sommerjob-Serie unserer Zeitung die perfekte Gelegenheit dar, endlich einmal einem Braumeister über die Schulter zu schauen und selber Hand anzulegen. Mein Männertraum sollte also wahr werden. Die Wahl fiel auf das Luzerner Bier, welches seit 2010 in der Stadt Luzern produziert wird. Geschäftsführer ist David Schurtenberger. Gekauft werden kann das Bier an der Rampe der Brauerei sowie bei regionalen Getränkehändlern. Auch in diversen Gastronomiebetrieben in der Region Luzern wird das Bier ausgeschenkt.

1800 Hektoliter Bier pro Jahr

Letztes Jahr wurden 1800 Hektoliter Luzerner Bier verkauft – Tendenz steigend. Die Brauerei ist somit ein kleiner Spieler auf dem Markt. Zum Vergleich: Die Brauerei Baar, welche das Baarer Bier produziert, verkauft pro Jahr rund 18 000 Hektoliter Bier. Die grösste Schweizer Brauerei Feldschlösschen gibt keine Angaben bekannt, in Fachkreisen wird von 1,8 Millionen Hektoliter Bier pro Jahr gesprochen. Auch Eichhof teilt gemäss dem Inhaber und Grosskonzern Heineken keine Zahlen mit. Experten schätzen die verkaufte Menge Bier auf rund 200 000 Hektoliter.

Die goldene Regel des Brauers

Anzutreten habe ich an diesem bewölkten Morgen bereits um 6.45 Uhr. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sich die Qual des kurzen Schlafes lohnen würde.

Die Brauerei ist ohne Schnickschnack eingerichtet und kleiner als jede Brauerei, die ich bis anhin gesehen habe. Aber schliesslich ist sie auch noch nicht lange im Geschäft. Braumeister Udo Remagen empfängt mich energiegeladen. Er ist der einzige Braumeister der kleinen Brauerei und fast von Anfang an mit dabei. Der 46-Jährige fackelt nicht lange und stellt mich sogleich zum Malzsäcke-Leeren an. Als erste Aufgabe muss ich also mit halb leerem Magen in den frühen Morgenstunden 25-Kilo-Säcke in eine Mühle leeren. 350 Kilo buckle ich meinem Computerarbeit gewohnten Rücken insgesamt auf. Ziemlich streng, so ein Bier zu brauen, denke ich mir.

Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Aufgabe erklärt mir Braumeister Udo die Prozesse des Brauens. Für jemanden wie mich, dessen Biologie- und Chemiekenntnisse schon während der Schulzeit unterirdisch waren, sind diese Prozesse nicht immer ganz einfach zu verstehen. Aber Udo ist geduldig und erklärt mir seine goldene Regel: «Das Bier muss immer gut sein, und es muss immer genügend Bier vorhanden sein.» Das verstehe sogar ich, aber ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob mir das beim Bierbrauen hilft. Aber wo Udo Recht hat, hat er nun einmal Recht.

Kurze Zeit später ist dank der Vorbereitung Udos der erste Sud fertig. So nennt man in der Brauersprache die Flüssigkeit, welche mit Hopfen und Malz vermischt und bei einer Temperatur zwischen 60 und 80 Grad erhitzt wird. Dieser Vorgang dauert einige Stunden und geschieht vollautomatisch. Danach wird die rund 18 Hektoliter umfassende Brühe in einen etwa fünf Meter hohen Tank gespült. Dieser steht zusammen mit 13 anderen Tanks in einem angenehm kühlen Raum, 19 Grad misst das Thermometer. Wir fügen mit einem Behälter sogleich die Hefe hinzu, welche über die Zeit den Malzzucker zu Alkohol transformiert und so das Bier entstehen lässt. Ab jetzt gärt das Bier sechs bis acht Wochen lang. Bei grossen Brauereien sei auch dieser Schritt vollautomatisch, lässt mich Udo wissen. «Bei uns wird aber noch vieles mit Handarbeit und Liebe gemacht.»

Eine Bier-Qualitätsprüfung

In einem anderen Tank hat das Bier lange genug gegärt, es ist für den Verkauf bereit. Doch bevor wir das Bier in Fässer abfüllen, müssen wir es testen. Und das macht man beim Bier nun einmal mit Anzapfen und Trinken – dass es immer noch Vormittag ist, ist zweitrangig, denn: «Wir wollen dem Kunden ja kein schlechtes Bier verkaufen», meint Udo. Und noch einmal gilt: Wo er Recht hat, hat er Recht. Das Bier schmeckt vorzüglich, trinken wir es doch direkt ab Quelle. «Frischer geht es nicht», meint der Braumeister.

Meine erste Nahrung an diesem Tag ist also flüssiger Natur. Mir soll es recht sein. Mit dieser Stärkung im Blut nehmen wir die Abfüllanlage ins Visier. Das Bier gelangt schliesslich nicht von alleine in die Fässer. Heute füllen wir nur Fässer ab, Flaschen für den Einzelverkauf werden an einem anderen Tag abgefüllt. Auch hier ist viel Handarbeit angesagt. Die Fässer müssen an den «Bierschlauch» angeschlossen werden. Dabei gilt es, den Druck abzulassen, welcher im Fass ist. Die Verschlüsse der 5-Liter-Partyfässer schliessen wir danach von Hand und mit Plastikhammer.

Das Bier ist nun fertig zur Auslieferung, 50 Fässer à 20 Liter und einige kleinere Partyfässer haben wir abgefüllt. Die Arbeit ist somit getan für heute. Es war ein sehr interessanter Einblick in einen spannenden Beruf – das frühe Aufstehen hat sich definitiv gelohnt. Udo ist zudem ein äusserst kompetenter Lehrer. Und auch ein klein wenig stolz bin ich: Bierfreunde werden schon bald von mir mitgebrauten und abgefüllten Gerstensaft geniessen. Apropos geniessen: Nach getaner und teilweise schwerer Arbeit zapft Udo nochmals die Quelle an – diese Stange haben wir uns redlich verdient.

So wird man Bierbrauer

In der Schweiz existiert eine Lehre für angehende Bierbrauer. Mit dieser Lehre wird man zum Lebensmitteltechnologen Fachrichtung Bier. Nach mehreren Jahren Berufserfahrung kann man sich zum Braumeister ausbilden lassen. Das ist allerdings nur im Ausland möglich, wo es sogenannte Meisterschulen für das Brauwesen gibt. Vor allem Deutschland bietet für Schweizer Brauer gute Ausbildungsmöglichkeiten. Als Braumeister ist man verantwortlich für die Abwicklung und Kontrolle der gesamten Herstellung von Bierprodukten.

HINWEIS

In dieser Serie berichtet unsere Zeitung in lockerer Folge über «Sommerjobs». Bereits erschienen: Beatrice Vogel als Matrosin, Evelyne Fischer als Camping-Betreiberin, Ernesto Piazza bei der Kartoffelernte und Julia Stephan als Maurerin.

Sommerjobs: Alle bisherigen Artikel gibts

auf www.luzernerzeitung.ch/sommerjobs