Serie Bibliotheken (1)
Als Lesetipp gibt es in der Gemeindebibliothek Wohlen eine geheimnisvolle Familiengeschichte

In einer monatlich erscheinenden Serie stellt die AZ Freiamt Bibliotheken aus der Region vor. Jede Bibliothekarin zeigt ihr momentanes Lieblingsbuch. Den Anfang macht Christine Freudenthaler, seit 2014 Leiterin der Gemeindebibliothek Wohlen. Sie mag besonders den Kontakt zur Leserschaft.

Verena Schmidtke
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Die Wohler Bibliotheksleiterin Christine Freudenthaler empfiehlt das Buch «Tage mit Ida» von Hiltrud Baier.

Die Wohler Bibliotheksleiterin Christine Freudenthaler empfiehlt das Buch «Tage mit Ida» von Hiltrud Baier.

Bild: Verena Schmidtke

Am Freitagmorgen ist die Bibliothek geschlossen, dennoch sind die Leiterin und eine Mitarbeiterin schon dort und bereiten die nächsten Ausleihen vor. «Im Dezember war nicht sehr viel los, anscheinend wussten viele nicht, dass die Bibliotheken trotz der strengeren Coronamassnahmen geöffnet bleiben dürfen», berichtet Christine Freudenthaler. «Aber jetzt läuft es wieder sehr gut.» Damit sich die Leser nur kurz in der Bibliothek aufhalten, seien nur Ausleihe und Rückgabe möglich.

«Ich mag den Kontakt zu den Lesern», erzählt Freudenthaler aus ihrem Berufsalltag, hinter der Maske ist ihr Lächeln zu erahnen. An ihrer Tätigkeit gefalle ihr die Vielfalt: «Da sind der Einkauf der Medien, die Ausleihe, dazu gibt es Veranstaltungen und die Leseförderung.» Schön sei auch, dass die Leserschaft bunt gemischt sei:

«Es gibt viele ältere Kunden, aber auch Kinder, erst letzte Woche war eine junge Mutter mit ihrem kleinen Baby hier.»

In ihrer Freizeit liest Christine Freudenthaler auch selber gern. Aber nicht nur das. «Ich bin gern draussen in der Natur. In meinem Garten gibt es immer etwas zu tun.» Ausserdem seien ihre Familie und sie Fans von Gesellschaftsspielen. «Einen Favoriten habe ich nicht direkt, das Brettspiel <Dog> gefällt uns allen recht gut. Ansonsten lasse ich mich immer gern überraschen. Aktuell mögen wir Kartenspiele.»

Die Fremde mit dem Akzent ist die unbekannte Tante Ida

Seit 2008 arbeite sie in der Wohler Gemeindebibliothek, davor sei sie in der Ludothek tätig gewesen. Lachend erinnert sie sich: «Eine Kollegin hat mich dann in die Bibliothek geholt.» Im Jahr 2014 habe sie die Leitung übernommen.

Das Buch, das sie empfehlen möchte, heisst «Tage mit Ida», geschrieben von Hiltrud Baier. «Das habe ich ganz spontan ausgewählt. Es ist ein Familien- oder Generationenroman, die lese ich gern. Das Cover mit den Schneeglöckchen hat mich gleich angesprochen. Und der Zopf – leider ist er nicht weiss wie der der Hauptperson Ida.»

Im Buch gehe es um ein Familiengeheimnis und Vergangenheitsbewältigung. «In der Beschreibung steht, dass es drei Frauen sind, von denen die Geschichte handelt, aber hauptsächlich befinden sich Ida und Susanne im Mittelpunkt.» Susanne sei eine Frau in mittleren Jahren. «Nachdem ihre Kinder ausgezogen sind, ist sie in einer Lebenskrise.»

Im Café ihres Bruders, wo sie als Aushilfe arbeite, «fällt ihr eine ältere Frau auf, die – ganz altmodisch – ein Kännchen Kaffee bestellt». Sie habe einen ungewöhnlichen Akzent. «Die beiden sind sich gleich sympathisch, sie kommen ins Gespräch, dabei stellt sich heraus: Die Fremde ist Susannes unbekannte Tante Ida.»

Zwei Zeitebenen – glaubwürdig, spannend, nicht kitschig

Diese Tante wurde von ihrer inzwischen dementen Schwester nie erwähnt. «Ida lebt seit vielen Jahren in Lappland, daher der Akzent. Im Verlauf des Romans versuchen die Frauen zu ergründen, wieso Ida in der Familie nie präsent war, dabei lüften sie ein Familiengeheimnis.» Freudenthaler findet:

«Sehr interessant sind die zwei Zeitebenen des Romans. Susanne berichtet von ihrem Leben 1999, während Ida auf die bewegten Jahre zwischen 1928 bis 1939 zurückblickt.»

Weiter erzählt die Bibliotheksleiterin: «Mir hat gefallen, dass <Tage mit Ida> nicht kitschig ist. Die Geschichte ist gut und glaubwürdig erzählt, spannend, ohne übertrieben dramatisch zu sein. Ausserdem ist die Handlung nicht vorhersehbar.»

Auch das vorherige Buch der Autorin Hiltrud Baier, «Helle Tage, dunkle Nächte», gefiel Freudenthaler sehr gut.

Gemeindebibliothek Wohlen

Auf 180 Quadratmetern Fläche kümmern sich sechs Bibliothekarinnen und ein Bibliothekar am Bankweg 2 um die Leser. Schülerhilfen unterstützen das Team beim Versorgen der Medien – wegen Corona kommen sie im Moment aber nicht zum Einsatz.

2020 wurden 75'000 Medien ausgeliehen (2019 waren es 90'000). In der Bibliothek stehen 16'000 Medien (Bücher, Hörbücher, Bilderbücher, Comics, englischsprachige Medien, Musik-CDs, Filme und Zeitschriften) zur Verfügung. Auch E-Books sind erhältlich. Ausserdem gibt es verschiedene Angebote zur Leseförderung. Infos unter www.wohlen.ch/bibliotheken.