Lieferservice

Zu viele Bestellungen: Migros und Coop kommen mit der Lieferung von Lebensmitteln kaum mehr nach

Die Lieferdienste Leshop und coop@home haben seit dem Lockdown stetig an Neukunden gewonnen. Das Bild aus dem Jahr 2016 zeigt eine Familie in Thalwil ZH, die eine Leshop-Lieferung entgegennimmt.

Die Lieferdienste Leshop und coop@home haben seit dem Lockdown stetig an Neukunden gewonnen. Das Bild aus dem Jahr 2016 zeigt eine Familie in Thalwil ZH, die eine Leshop-Lieferung entgegennimmt.

Weil zahlreiche Schweizer in Quarantäne sind und ihre Lebensmittel online bestellen wollen, gibt es lange Wartelisten. Coop schafft es dabei, die erhöhte Nachfrage besser abzuwickeln.

Anfangs Woche waren es noch ein paar Tage. Inzwischen muss, wer sich seine Lebensmittel nach Hause liefern lassen will, bis zu zwei Wochen warten. Obwohl Migros und Coop die Kapazitäten ihrer Lieferdienste (Leshop und coop@home) seit der ersten Corona-Welle stark erhöht haben, kommen sie bei der aktuell riesigen Nachfrage kaum nach.

«Bis vor kurzem konnte das erhöhte Volumen sehr gut aufgefangen werden, nun sind die Bestellungen aber noch einmal überproportional angestiegen», bestätigt ein Migros-Sprecher auf Anfrage. «Das Wachstum ging seit dem Lockdown im Frühjahr kaum runter und derzeit sehen wir uns mit einem erneuten Peak an Bestellungen konfrontiert.» Parallel zu den steigenden Infektions- und Quarantänezahlen dürfte die Nachfrage von Tag zu Tag noch grösser werden.

So lang sind die Wartezeiten bei Leshop

Bei Leshop sind die Wartezeiten länger: Nach offiziellen Angaben der Migros betragen sie drei bis zehn Tage. Gemäss einem Check dieser Zeitung gibt es in den meisten Regionen der Deutschschweiz aber erst ab Donnerstag, 12. November wieder freie Lieferfenster (Stand Freitagmorgen). In der Westschweiz ist der Lieferdienst noch etwas weniger ausgebucht, dort können Kundinnen und Kunden ab dem Donnerstag, 6. November Waren bestellen. Die Migros füge nun laufend neue Lieferfenster hinzu, wie der Sprecher sagt.

Ein bisschen, aber nicht viel besser fährt man bei der Migros, wenn man die Lebensmittel selber abholt («PickMup»). In manchen Regionen und Filialen gibt es ab Donnerstag, 6. November freie Abholtermine (etwa Bern), in manchen aber auch erst ab 12. November (etwa Emmen). Abholen lässt sich die Ware bei einigen Filialen von Migros, Denner, Migrolino und Migros-Partnern. Anders als der Lieferservice ist der Abholservice kostenlos. Gegenüber dem normalen Einkaufen muss man den Laden dabei zudem nur kurz betreten – aus virologischer Sicht ein Vorteil.

Blick in das Leshop-Verteilzentrum in Bremgarten AG.

Blick in das Leshop-Verteilzentrum in Bremgarten AG.

So lang sind die Wartezeiten bei Coop.ch

Im Vergleich mit Leshop sind die Wartezeiten bei coop@home etwas kürzer. In den meisten Regionen in der Deutschschweiz können ab kommenden Dienstag, 3. November (etwa Bern, Zürich, Luzern) oder Mittwoch, 4. November (etwa St. Gallen) Waren bestellt werden (Stand Freitagmorgen) und somit über eine Woche früher als bei Leshop. Um in der aktuellen Lage möglichst viele Kunden beliefern zu können, hat Coop seine Lieferfenster temporär auf vier Stunden vergrössert, wie es auf der Homepage des Detailhändlers heisst.

Anders als bei der Migros ist der Abholservice bei Coop meist nicht schneller als der Lieferservice. Wie ein Kurz-Check dieser Zeitung zeigt, gibt es in mehreren Abholfilialen in Basel, Bern, Zürich und Luzern erst am Donnerstag, 5. November wieder ein freies Pick-up-Fenster.

Wo soll ich nun am besten einkaufen?

Dramatisch ist die Situation nicht, für viele Schweizerinnen und Schweizer könnten die ausgebuchten Lieferfristen aber ein Problem darstellen. Wer sich mit dem Coronavirus angesteckt hat oder Kontakt mit einer infizierten Person hatte, darf schliesslich nicht in einen Supermarkt reinspazieren. Laut dem BAG befinden sich Stand Freitag 31410 Personen in (freiwilliger) Isolation, 26333 in Quarantäne und 7438 in Reisequarantäne – total verharren derzeit also 75'181 Leute in ihren eigenen vier Wänden.

Wie während der ersten Welle im Frühling gilt es jetzt also wieder, einander zu helfen. Den Lebensmitteleinkauf können Freunde, Familie oder Nachbarn erledigen. In manchen Gemeinden wurden laut Medienberichten wieder Nachbarschaftshilfen aktiviert. Die Migros empfiehlt Risikogruppen ausserdem die Nachbarschaftshilfe-Plattform amigos.ch, nicht selten würden dort Waren noch am selben Tag ausgeliefert. Darüber hinaus gibt es natürlich auch die Möglichkeit, Gerichte über Lieferplattformen wie eat.ch oder Uber Eats zu bestellen – schliesslich versuchen etliche Restaurants, auf diese Weise ihr Geschäft zu retten.

Das sind die Gründe für die Unterschiede zwischen Coop und Migros

Weshalb schafft es Coop, die vielen Bestellungen schneller abzuwickeln als die Migros? Dass die Nachfrage bei der Migros ungleich stärker zugenommen hat, ist unwahrscheinlich. Die Marktanteile von Leshop und coop@home sind ungefähr gleich hoch, laut Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK erzielte Leshop 2019 einen Umsatz von 190 Millionen Franken, coop@home einen Umsatz von 159 Millionen Franken.

Der Unterschied könnte teils an der Logistik liegen: Coop liefert fast sämtliche Waren mit eigenen Chauffeuren und eigenen Fahrzeugen aus. Nur vereinzelt wird Coop bei der Auslieferung von der Post unterstützt. Bei der Migros hingegen erfolgt die Zustellung ausschliesslich über die Post. Da die Post nach eigenen Angaben derzeit aber noch nicht an ihre Kapazitätsgrenzen kommt, ist es möglich, dass auch weitere Faktoren wie Lagerkapazitäten eine Rolle spielen.

Wie der Migros-Sprecher schreibt, hat die Migros stark an ihren Kapazitäten gearbeitet, die vollen Massnahmen würden aber erst ab Ende November oder Anfang Dezember mit der Inbetriebnahme eines weiteren Verteilzentrums greifen. Seit Beginn der Pandemie habe die Migros rund 300 Personen eingestellt, bereits seit September laufe eine weitere Rekrutierungswelle. Neue Stellen hat auch Coop geschaffen: In den Bereichen Transport und Logistik nahm die Zahl der Mitarbeitenden laut einer Sprecherin um rund einen Fünftel zu.

Gibt es bald Lieferdienste von Aldi und Lidl?

Weder Lidl noch Aldi Suisse betreiben einen Onlineshop. Planen die Discounter angesichts des grossen Potenzials in den Markt einzusteigen? Im stationären Handel haben sie den zwei Detailhandelsriesen – Coop und Migros – in vergangenen Jahrzehnt schliesslich einiges an Marktanteilen streitig gemacht.

Aktuell scheint in dieser Richtung noch nichts geplant zu sein: «Selbstverständlich beobachten wir den Markt kontinuierlich und verfolgen neue Entwicklungen mit grossem Interesse. Eine Entscheidung hinsichtlich des weiteren Vorgehens für die Schweiz wurde noch nicht getroffen», heisst es bei Lidl. «Wir haben den Trend hin zum Onlinegeschäft erkannt und prüfen laufend den Ausbau unserer Onlineservices. Momentan ist jedoch noch keine Einführung eines Lebensmittelonlinehandels geplant», schreibt Aldi Suisse.

Autor

Gabriela Jordan

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