Wirtschaft

Zentralschweizer Autozulieferer mit grossen Kursverlusten

Blick in die Produktion des Dierikoner Kabelverarbeitungsmaschinenherstellers Komax.

Blick in die Produktion des Dierikoner Kabelverarbeitungsmaschinenherstellers Komax.

Die Automobilindustrie macht schwierige Zeiten durch. Das bekommen ihre Zulieferer stark zu spüren.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China, neue Abgas- und Verbrauchsprüfungsverfahren in Europa und eine nur zögerlich kaufende Kundschaft machen der Automobilindustrie zu schaffen. Viele Autofahrer wissen nicht recht, welche Antriebsart sich durchsetzen wird: Benzin, Diesel oder Elektro? Das alles sorgt für Unklarheiten, und Verunsicherung ist Gift für das Geschäft. Die Folge: Im ersten halben Jahr gingen gemäss Statista die Neuzulassungen von Personenwagen in den EU- und Efta-Ländern um 7,9 Prozent zurück. In der Schweiz sank die Zahl im Vorjahresvergleich um 7 Prozent auf 28'391.

Die Flaute im Autogeschäft ist bei den Zulieferern der Autohersteller vollumfänglich angekommen. So belasten die stark rückläufigen Produktionszahlen etwa das Halbjahresergebnis des grossen Players Georg Fischer aus Schaffhausen. Und auch die Zentralschweizer Zulieferfirmen spüren die Baisse: «Komax erzielt über 80 Prozent des Umsatzes in der Automobilindustrie. Sinkt die Nachfrage nach Autos, produzieren unsere Kunden weniger ‹Kabelbäume› und ihr Bedarf nach neuen Maschinen sinkt», sagt zum Beispiel Komax-Sprecher Roger Müller. Die Dierikoner Firma ist Weltmarktführerin bei Kabelverarbeitungsmaschinen und hat ein stürmisches Wachstum hinter sich, das im vergangenen Jahr in einem Rekordgewinn gipfelte.

Deutliche Zeichen
 aus dem Markt

Doch schon im Herbst begannen die wenig verheissungsvollen Aussichten der Automobilbranche ihren Niederschlag im Aktienkurs vom Komax zu finden. Seit Jahresbeginn steht ein Wertzerfall von rund 20 Prozent zu Buche. Seit dem Höchststand Ende September 2018 verlor die Aktie sogar 45 Prozent.

© CH Media

Komax steht nicht alleine da. Auch andere mit der Automobilindustrie stark verbandelte Unternehmen in der Zentralschweiz mussten Haare lassen. Der Aktienwert des Emmer Stahlherstellers Schmolz + Bickenbach etwa hat sich seit dem August 2018 mehr als halbiert. Auch der Zuger Schraubenhandels- und Logistikspezialist Bossard musste im gleichen Zeitraum einen Rückschlag von 37 Prozent hinnehmen. Bossard beliefert die E-Automarke Tesla und John Deere, einen US-Hersteller von Landwirtschafts­maschinen. Die Zuger haben bereits erste Zahlen zum Halbjahresergebnis veröffentlicht. Der Umsatz ist zwar gestiegen, der Gewinn jedoch rückläufig. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Preisdruck in der Branche zunimmt. Schmolz + Bickenbach senkte kürzlich sogar die Gewinnprognose.

Komax baut für die Zeit
nach der Autoflaute

Komax-Verwaltungsratspräsident Beat Kälin warnte schon im vergangenen März. «In den ersten zwei Monaten dieses Jahres mussten wir einen unerwartet hohen Bestellungsrückgang hinnehmen», sagte er. Wie sich das auf die Zahlen des international tätigen Nischenplayers auswirkt, wird sich am 20. August weisen, wenn die Dierikoner ihr Semesterergebnis vorlegen.

Komax-Sprecher Müller ist indes überzeugt, dass die Kabelkonfektionierungsspezialisten in der Lage sind, die Delle der Branchenkonjunktur zu meistern. «Wir sind Markt- und Technologieführer, verfügen weltweit über das grösste Vertriebs-, Engineering- und Servicenetzwerk und sind sehr solide finanziert.» Mit dem hohen Etat für Forschung und Entwicklung von mehr als 40 Millionen Franken (8 bis 9 Prozent des Unternehmensumsatzes) mache sich Komax daran, die Chancen zu nutzen, welche die kabelintensive Elektromobilität und das autonome Fahren bieten.

Die gegenwärtigen Schwierigkeiten haben denn auch keinen Einfluss auf das 70-Millionen-Ausbauprojekt in Dierikon. Anfang des kommenden Jahres wird die 20'000 Quadratmeter grosse Produktions- und Entwicklungsstätte neben dem heutigen Hauptbau bezugsbereit sein. Müller: «Die momentane Situation hat keinen Einfluss auf das Bauprojekt.»

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