Kommentar
Staatliche Investitionsfonds im Vormarsch: Die Credit Suisse und das böse Omen für die Marktwirtschaft

Die Saudi National Bank ist nun die grösste Aktionärin der Credit Suisse. Die Alfred-Escher-Bank, die eigentlich ein Denkmal einer liberalen Marktwirtschaft sein sollte, ist nun ein teilverstaatlichter Finanzkonzern mit Eigentümern im Nahen Osten.

Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
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Die Zukunft der Credit Suisse ist ungewiss.

Die Zukunft der Credit Suisse ist ungewiss.

Steffen Schmidt/Keystone

Die grösste Aktionärin der Credit Suisse ist mit einem Anteil von 9,9 Prozent neuerdings die Saudi National Bank. Sie gehört indirekt dem saudischen Königshaus. Daran kann man sich aus guten Gründen stören. Die in Saudi-Arabien geltenden gesellschaftlichen und politischen Werte haben mit dem hiesigen, demokratischen Wertesystem wenig gemein.

Doch diese Moralkritik ist heuchlerisch. Die Petrodollars der Saudis stecken in zahlreichen renommierten Firmen fast aller westlichen Industrieländer drin. Saudi-Arabien betreibt einen der grössten staatlichen Investitionsfonds der Welt. Geld stinkt zwar nicht. Doch auch abgebrühte Kapitalisten haben Grund, das Saudi-Investment kritisch zu bewerten.

Denn im Prinzip ist die Credit Suisse eine teilverstaatlichte Bank. Rund 15 Prozent der Aktien gehören den Scheichs von Saudi-Arabien und Katar. Hätte sich die Schweizer Regierung mit einem solchen Anteil an der Bank beteiligt, wäre es zu einem nationalen Aufschrei im linken wie im rechten politischen Lager gekommen – zu Recht.

Der Erfolg einer freien Marktwirtschaft beruht nicht auf einem zentralen Plan, sondern auf der eigennützigen Initiative vieler einzelner Akteure. Die Erfahrung lehrt uns, dass dieses scheinbar chaotische System die besten Ergebnisse für den allgemeinen Wohlstand bringt. Es sollte uns daher allen zu denken geben, dass die Staatsfonds dieser Welt inzwischen zu den grössten Investoren in vielen westlichen Volkswirtschaften aufgestiegen sind. Das verheisst nichts Gutes für uns und für die Credit Suisse.