Wirtschaft

Wer zahlt für die Energiewende? So viel kostet die CO2-Abgabe die Mieter und Eigenheim-Besitzer

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Noch ehe das Parmalent über eine Erhöhung der Abgabe für Kohlenstoffdioxide entschieden hat, ist Verteilungskampf schon in vollem Gange: Wer solls bezahlen? Eine neue Studie präsentiert für jeden Kanton einzeln die Rechnung.

Der Verteilungskampf um die Energiewende ist in vollem Gange. Wer muss beispielsweise dafür zahlen, wenn das neue Parlament tatsächlich beschliesst, die Abgabe auf Kohlenstoffdioxide zu erhöhen. In Diskussion ist, die CO2-Abgabe zu verdoppeln: von heute 96 Franken auf neu 210 Franken pro Tonne.

Die neue Politik trifft Autofahrer. Der öffentliche Verkehr verursacht knapp ein Drittel aller Emissionen von Treibhausgas. Doch es wird auch Folgen haben für Mieter, Vermieter und die Besitzer von Eigenheimen. Denn etwas mehr als einen Viertel der Emissionen entsteht, um den gesamten Gebäudepark der Schweiz zu heizen.

1400 Millionen Franken. So viele Mehrkosten entstehen pro Jahr durch die höhere CO2-Abgabe, und zwar auf alle Eigenheime und auf alle Mietwohnungen. Das hat eine neue Studie ergeben, die das Beratungsbüro Iazi erstellt hat. Wer wird von diesem Total von 1,4 Milliarden wie viel tragen müssen?

Genfer und Basel-Städter Mieter kommen am besten weg

Mieter in den Kantonen Basel-Stadt und Genf zahlen einen einmaligen Mietaufschlag von vergleichsweise geringen 182 bzw. 200 Franken. In Prozent der typischen Mieten in diesen Kantonen wären es bloss 1,3 Prozent. Damit kommen Genfer und Basel-Städter am besten weg. Am teuersten zu stehen käme die Abgabe hingegen die Mieter Graubünden und Tessin und Jura zu stehen. Für sie ergeben sich die höchsten Aufschläge: 518 Franken (ein Plus von 3,8 Prozent) und 536 Franken (4,4 Prozent).

Irgendwo zwischen diesen Extremen finden sich die Mieter in Kantonen wie Zug (313 Franken) und Luzern (323 Franken). In Aargau muss nochmals mehr bezahlt werden (386 Franken), ebenso in St. Gallen (396 Franken). Und nochmals mehr Geld auslegen müssen die Mieter im Kanton Solothurn (472 Franken).

Doch die Zahlen vom Iazi zeigen nur Grössenordnungen. Im Einzelfall wird für Mieter auch viel davon abhängen, ob sie für die Mehrkosten aufkommen müssen – oder der Vermieter. Dazu sagt Iazi-Chef Donato Scognamiglio: «In der Theorie müsste via die Nebenkosten stets der Mieter zahlen.» In der Praxis entscheide der Markt.

In Regionen mit vielen leer stehenden Wohnungen haben die Mieter mehr Verhandlungsmacht. Scognamiglio: «Sie werden teilweise die Mehrkosten auf die Vermieter abwälzen.» In den Zentren mit knappem Angebot sieht es anders aus. «In Zürich oder Basel-Stadt werden die Mehrkosten an den Mietern hängen bleiben.» 

Darum zahlen Mieter mehr

So oder so: Mieter und Vermieter tragen nicht die vollen 1,4 Milliarden. Auf sie entfallen rund 870 Millionen. Den restlichen Betrag schultern die Eigenheimbesitzer. So unterteilt sich laut Iazi die Summe zwischen Eigenheimen und Mietwohnungen. Auf höhere Kosten kommen Mietwohnungen, weil sie mehr sind an der Zahl – und daher mehr CO2 absondern. Etwa 3 Millionen Mietwohnungen kommen auf 8 Millionen Tonnen. Dagegen gibt es rund 1 Million Einfamilienhäuser, die verantwortlich sind für 6 Millionen Tonnen an Emissionen.

Das Heim verliert an Wert

Wie viel kostet die höhere CO2-Abgabe die Eigenheimbesitzer in den einzelnen Kantonen? In Graubünden müssen sie total rund 22 Millionen Franken abliefern. Umgerechnet auf den Preis eines typischen Eigenheims ergibt das einen Wertverlust von 3,2 Prozent. Das kommt zu Stande, weil ein Eigenheimbesitzer künftig jährlich höhere CO2-Abgaben zahlt. Um all diese Abgaben ist sein Heim dann weniger Wert. 

In anderen Kantonen fallen diese Wertverluste jedoch geringer aus als in Graubünden. In Basel-Stadt sind es etwa 0,8 Prozent. In Zürich, Luzern oder Basel-Land sind es knapp über 1 Prozent. In den Kantonen Aargau und Solothurn ist gemäss Iazi mit Verlusten um die 1,5 Prozent zu rechnen. Bern ist wiederum vergleichsweise stark betroffen. Etwa 2,7 Prozent wäre dort die Wertminderung.

Die Verluste sind tendenziell in ländlicheren Regionen grösser. Der Grund ist simpel: die Preise für Eigenheime sind tiefer. Der gleiche absolute Verlust wiegt so schwerer im Vergleich mit dem Wert eines Eigenheims. Ansonsten ist klar, was einen Eigenheim-Besitzer zum Verlierer einer CO2-Abgabe macht. Scognamiglio: «Wer eine Wärmepumpe hat, gewinnt; wer mit Öl oder Gas heizt, der verliert.»

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