Konjunktur

Welthandel gerät ins Stocken – Schuld sind die protektionistischen Massnahmen

Die OECD spricht von einer Stagnation im Welthandel. (Archiv)

Die Konflikte zwischen den Wirtschaftsmächten bleiben nicht ohne Folgen für den Welthandel. Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) spricht von einer Stagnation.

Das garstige Klima im Welthandel wird zunehmend auch in der Statistik sichtbar. Im dritten Quartal des laufenden Jahres erreichten die Warenexporte der 20 wirtschaftlich wichtigsten Länder der Welt ein Volumen von 3557 Milliarden Dollar. Verglichen mit dem zweiten Quartal entspricht dies zwar einer Zunahme um 0,3 Prozent. Dennoch spricht die Pariser Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) von einer Stagnation.

«Die jüngsten protektionistischen Massnahmen beginnen zu beissen», schreibt die Organisation. Leicht stärker als die Ausfuhren haben im Berichtsquartal die Importe zugenommen (+0,7 Prozent). Das Wachstum ist allerdings hauptsächlich dem gestiegenen Ölpreis zuzuschreiben. Unter Ausklammerung grosser Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien sei der Welthandel im Herbstquartal nicht vom Fleck gekommen, stellt die OECD fest. Die Entwicklung bestätigt den scharfen Einbruch des Handels im zweiten Quartal des Jahres. In den Sommermonaten sind die Exporte der G-20-Länder um 0,7 Prozent und die Importe um 0,3 Prozent geschrumpft. Auch die Schweiz hatte im Oktober zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ein rückläufiges Aussenhandelsvolumen in einem Quartal vermeldet.

Einen markanten Rückgang auf der Exportseite verzeichnen Deutschland, Australien, Japan, Italien und die USA. Alle 28 EU-Staaten zusammengenommen müssen ein Minus von 0,8 Prozent hinnehmen. China vermochte den starken Einbruch aus dem Sommerquartal (–4,7 Prozent) in den Herbstmonaten zwar teilweise zu kompensieren (+2,4 Prozent), doch die Zunahme ist gemäss OECD mindestens teilweise einem Sondereffekt zuzuschreiben. Die Statistik enthält die Lieferung einer besonders grossen Erdölplattform nach Brasilien, die für den sprunghaften Anstieg des Importvolumens im südamerikanischen Land verantwortlich gewesen sei. In der Schweiz fielen im Herbstquartal die Exporte um 2,9 Prozent und die Importe um 1,5 Prozent.

Auch Schweiz betroffen

Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Das Münchner IFO-Institut für Wirtschaftsprognosen meldete gestern eine «merklich verschlechterte Stimmung unter deutschen Exporteuren». Der Maschinenbau, der unter anderem aufgrund der langen Vorlaufszeiten in der Produktion bislang relativ gut über die Runden gekommen war, habe jetzt einen deutlichen Stimmungsdämpfer zu verkraften. Das sind keine guten Nachrichten für die Schweizer Industrie, die nicht nur mit den wachsenden Unsicherheiten im Handel, sondern zunehmend mit der Gefahr einer kräftigeren Aufwertung des Frankens leben muss.

Deutlich mehr Zölle

Die medienwirksamen Schutzzölle Amerikas auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus verschiedenen Ländern bilden nur die Spitze eines grösser werdenden Eisberges von Handelsschranken. Der Ende November veröffentlichte Jahresbericht der Welthandelsorganisation WTO spricht eine klare Sprache. Zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 haben die WTO-Staaten insgesamt 137 neue Massnahmen wie Zölle oder Quoten eingeführt. Diese betreffen ein Handelsvolumen von 588 Milliarden Dollar. Das von solchen Beschränkungen betroffene Volumen ist gemäss WTO siebenmal grösser als im Vorjahr.

Zu den grossen Verlierern einer globalen Abschottungspolitik gehört auch die Schweiz mit ihrer stark exportorientierten Wirtschaft. Im Bestreben, die aus den Fugen geratende Welthandelsordnung wieder herzustellen, hat die Schweiz bei der WTO gegen die US-Schutzzölle auf Stahl und Aluminium Klage eingereicht.

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