Textilindustrie

Vier Schweizer Firmen machen vor wie es geht

Eine Arbeiterin von Mammut.

Eine Arbeiterin von Mammut.

Switcher, Odlo, Mammut und Remei sind spitze in Bezug auf soziale Standards. Sie zahlen ihren Produzenten in Asien mehr als nur minimale Löhne. Das besagt eine Studie der Organsisation Erklärung von Bern.

Über 30000 Schweizer Konsumenten haben in den letzten Wochen gegen schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Asien protestiert. Sie taten dies in Form von elektronischen «Protestnoten» an Modefirmen. Dazu aufgerufen hatte sie die Erklärung von Bern (EvB). Die Non-Profit-Organisation setzt sich im Rahmen der europaweiten Clean-Clothes-Campaign für existenzsichernde Löhne bei den Kleiderproduzenten ein. Laut EvB zahlten die Firmen in Asien zwar die gesetzlichen Mindestlöhne, diese deckten in der Regel aber nur 20 bis 60 Prozent der täglichen Auslagen.

Nun hat die EvB die Einhaltung sozialer Standards bei 77 Modefirmen selbst unter die Lupe genommen – mittels einer Umfrage und Internetrecherchen. «Wir haben Firmen ausgewählt, denen die Schweizer Konsumentin begegnet und die eine Produktionsverantwortung haben», sagt Christa Luginbühl von der EvB gegenüber der az. Die Resultate dieser Studie sind gestern in der «SonntagsZeitung» veröffentlicht worden.

Benetton gilt als «nachlässig»

Nur vier Firmen gelten dabei als «Fortgeschrittene», was die Arbeitsbedingungen in ihrer Produktionskette anbelangt: Es sind alles Schweizer Unternehmen. Switcher, Mammut, Odlo und Remei (produziert Textilien für Coop-Naturaline) zeigen auf, wer ihre Lieferanten sind, haben strenge Richtlinien bezüglich der Arbeitsbedingungen und lassen die Einhaltung dieser Richtlinien von unabhängiger Stelle kontrollieren. Am unteren Ende der Skala, bei den «Nachlässigen», finden sich unter anderen das niederländische Label O’Neill, die deutschen Firmen Schöffel und Orsay sowie die italienische Kette Benetton.

Es gab auch Firmen, die keine Auskunft geben wollten, darunter die Schweizer Kleiderketten Chicorée und Y. Yendi, der Steinhauser Hersteller Mountain Force sowie die Schweizer Niederlassung des finnischen Produzenten Rukka. Auf Anfrage der «SonntagsZeitung» sagte die Firma Chicorée, die meisten ihrer Partner seien BSCI-zertifiziert. BSCI bedeutet Business Social Compliance Initiatives und ist eine der beiden globalen Non-Profit-Organisationen (NGO), die sich um eine Einhaltung bestimmter sozialer Standards in der Textilindustrie bemühen. Die zweite heisst Fair Wear Foundation (FWF) und wird in der Branche als die strengere angesehen. Zur FWF gehören beispielsweise Switcher, Odlo, Mammut, Jack Wolfskin und Blackout.

Ein dritter wichtiger Player im Bemühen um faire Löhne ist die Asia Floor Wage Campaign (AFW), eine NGO, die in Asien beheimatet ist. Sie hat existenzsichernde Löhne für verschiedene asiatische Länder ausgerechnet. Sie liegen zwischen 130 und 260 Franken pro Monat. Aktuell verdient zum Beispiel eine Näherin in Bangladesch 60 Franken pro Monat. Wer sich als Konsument für faire Arbeitsbedingungen einsetzen will, kann sich ab heute am Shopping Guide der EvB orientieren. Unter www.evb.ch/fairfashion sind alle Studienresultate einzusehen. In papierner Form gibt es den Shopping Guide ab Ende November.

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