Umweltsünder verurschen Schäden von 2700 Milliarden
Umweltsünder verursachen Schäden von 2700 Milliarden

«Der Raubbau an der Natur durch die Wirtschaft setzt sich ungebremst fort», kritisiert der oberste UNO-Umweltschützer. Jetzt fordert Achim Steiner: Die Nutzung der Umwelt muss einen Preis bekommen.

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"Strand geschlossen" heisst es wegen der Ölpest in Louisiana

"Strand geschlossen" heisst es wegen der Ölpest in Louisiana

Keystone

Marcel Speiser

BP verschmutzt den Golf von Mexiko, für Schokolade von Nestlé wurden bis vor kurzem in Indonesien Urwälder abgeholzt, die UBS soll in den USA eine besonders umweltschädliche Form von Bergbau mitfinanziert haben. Die Liste der Umweltsünden grosser Firmen ist lang.

Eine am Dienstag in London vorgestellte Untersuchung der UNO-Umweltorganisation Unep hat nun beziffert, wie gross der wirtschaftliche Schaden ist, den der Raubbau an der Natur anrichtet. Demnach verursacht er jährlich Schäden in der Höhe von 2700 Milliarden Franken. Das entspricht ungefähr dem Fünffachen der Schweizer Wirtschaftsleistung. Kommentar des obersten UNO-Umweltschützers Achim Steiner in der «Süddeutschen Zeitung»: «Das natürliche Kapital der Welt wird im grossen Stil vernichtet.»

Die Kosten trägt die Allgemeinheit

Die jüngste Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko steht laut der UNO für weit mehr als die Probleme eines einzelnen Konzerns. Noch immer würden die weltweit operierenden Konzerne dem Natur- und Artenschutz kaum Beachtung schenken. Wildnis, Arten, Lebensräume und Ökosysteme verschwänden in nie erlebtem Tempo. Steiner: «Für kaum einen Unternehmensführer spielt die Natur eine Rolle im Geschäftsgebaren.» Nur 2 der 100 grössten Konzerne hätten sich den Erhalt der Ökosysteme als strategisches Ziel auf die Fahnen geschrieben. In vielen Konzernen gelte noch immer die Devise: Natürliche Ressourcen sind unerschöpflich. «Dabei müssen wir längst schmerzhaft spüren, dass das nicht mehr stimmt», sagt Steiner.

Den Grund für die Ignoranz der Multis sieht Steiner darin, dass die Zerstörung der Natur keine Folgen in der Bilanz hat. «Die Kosten tragen Versicherer, die Bevölkerung und die Steuerzahler», sagt Steiner. Das müsse sich ändern. Die Nutzung von Boden, Luft und Wasser müsse einen Preis bekommen - ähnlich wie bei den CO-Verschmutzungsrechten.