Frau Frick, Kleidergeschäfte leiden, Onlineshops boomen. Täuscht der Eindruck?

Karin Frick: Das Modegeschäft befindet sich im Wandel. Die Digitalisierung verändert den Modehandel grundlegend. Der Markt wird immer mehr von internationalen Anbietern dominiert, die schnell und unabhängig vom Kanal – online oder stationär – flexibel auf Kundenwünsche reagieren können. Viele traditionelle, stationäre Anbieter haben noch nicht verstanden, dass sich heute nicht nur die Bedürfnisse schneller ändern, sondern auch die Geschäftsmodelle.

Ist online die Zukunft?

Das Modegeschäft wird digital. Im Zuge der Digitalisierung werden alle herkömmlichen Wertschöpfungsnetze dekonstruiert und neu kombiniert. Der stationäre Laden wird zur Peripherie und kann jede beliebige Gestalt annehmen, ob Edel-Boutique, Pop-up-Store oder Robot-Store. Dadurch kann es für kreative Händler und Produzenten auch wieder rentabel werden, kleine Mengen nach Mass zu produzieren und kleinste Flächen zu bewirtschaften.

Wie schaffen es die Bekleidungsgeschäfte, wieder ihre Umsätze zu steigern?

Indem sie sich als Informations- und Kommunikationsunternehmen neu erfinden. Es gibt im Online-Geschäft eine ganze Reihe von Nischen, die für kleine und mittlere Unternehmen interessant sind. Dabei sollten Chancen über die ganze Wertschöpfungskette beachtet werden: Es gibt zum Beispiel immer noch grosse Marktlücken im Bereich Öko-Mode – also ökologisch und sozial nachhaltige, faire Mode für Modeliebhaber, die das Auge überzeugt und nicht nur das Gewissen.

Was wollen die Kunden?

Wir kaufen heute beispielsweise einen neuen Mantel, nicht weil der alte kaputt ist, sondern weil er uns nicht mehr gefällt. Neben dem viel diskutierten Food Waste ist auch Mode-Waste ein ungelöstes Problem. Es geht also primär um das Erlebnis, das Spiel mit verschieden Identitäten und die Lust an der Selbstinszenierung. Wie Food-Fotos explodieren auch die ModeSelfies. Man probiert verschiedene Outfits, macht ein Foto von sich selbst und holt Feedbacks bei Freundinnen ein. Gerade bei der jüngsten Generation von Käuferinnen bilden sich hier ganz neue Rituale aus.