MH-17-Absturz
Swiss-Piloten fordern strengere Regeln für Flüge über Krisengebiete

Nach dem Absturz des Passagierflugzeuges in der Ukraine verlangen verschiedene Seiten, Konfliktzonen generell zu umfliegen. Die Gewerkschaft der Swiss-Piloten Aeropers fordert neue internationale Richtlinien für die Luftfahrt.

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Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Swiss auf dem Flughafen Kloten

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Swiss auf dem Flughafen Kloten

Keystone

"Bisher ist man davon ausgegangen, dass auf Reiseflughöhe die Sicherheit gewährleistet ist. Es braucht nun sicher eine Diskussion darüber, welche Kriterien herangezogen werden müssen, um ein Krisengebiet zu definieren", sagte Tobias Mattle von der Pilotenvereinigung Aeropers am Dienstag dem Radio SRF.

Laut Mattle sollte deshalb die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) Überflüge über Krisengebiete verbieten können. Eine Arbeitsgruppe der ICAO habe sich seines Wissens dem Thema Flüge über Konfliktzonen bereits angenommen, sagte Mattle. Er gehe davon aus, dass in Kürze schon erste Empfehlungen herausgegeben würden.

Der internationale Luftfahrtverband IATA forderte am Dienstag die Regierungen auf, die Risikobeurteilung von Lufträumen zu überprüfen. "Es muss alles unternommen, um sicherzustellen, dass eine solche Katastrophe sich nicht wieder ereignet", sagte IATA-Generaldirektor Tony Tyler in einer Erklärung.

Die in der IATA zusammengeschlossenen Luftfahrtgesellschaften würden in Zusammenarbeit mit der ICAO alles tun, um die Regierungen bei dieser schwierigen Arbeit zu unterstützen, sagte Tyler. Die IATA mit Sitz in Genf vertritt die Interessen von rund 200 Fluggesellschaften.

Bereits am Montag hatte die arabische Fluggesellschaft Emirates Konsequenzen für die zivile Luftfahrt gefordert. Nach dem Absturz von Flug MH17 müsse neu definiert werden, wie die Airlines mit dem Überflug von Krisengebieten umgehen sollten, sagte Emirates-Präsident Tim Clark der Nachrichtenagentur Reuters.

Swiss unterstützt Aviatik-Gipfel

Die Lufthansa und ihre Schweizer Tochtergesellschaft Swiss halten eine Koordination über internationale Gremien für sinnvoll. "Wir unterstützen einen möglichen Gipfel, wie ihn verschiedene Airlines vorgeschlagen haben, weil der Abschuss von Malaysia Airlines eine ganz neue Grössenordnung für die zivile Luftfahrt darstellt", sagte Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann am Dienstag dem Radio SRF.

Bundesamt für Zivilluftfahrt: Verschärfung wahrscheinlich»

Wie die «Nordwestchweiz» in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, sieht auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) Handlungsbedarf. «Die zentrale Frage lautet, wie man künftig mit Kriegsgebieten umgeht», erklärt Kommunikationschef Urs Holderegger. Bis jetzt seien die Airlines davon ausgegangen, dass Passagierflieger ab einer gewissen Höhe sicher seien. Diese Annahme sei nun infrage gestellt. «Eine Verschärfung der internationalen Bestimmungen ist wahrscheinlich. Luftraumbeschränkungen bis zu einer gewissen Höhe dürften bei bestimmten Kriegsgebieten nicht mehr ausreichen.» Die neuen Sicherheitsempfehlungen sollen in der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ausgearbeitet werden. Die Schweiz ist laut Holderegger an mehreren Panels der ICAO beteiligt.

Sofortmassnahmen auf nationaler Ebene lehnt das Bundesamt jedoch ab. Holderegger: «Es macht keinen Sinn, wenn jedes Land auf eigene Faust versucht, etwas zu unternehmen. Es braucht eine internationale Koordination.»

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