Elektronik

Südkoreaner gewinnen, Japaner und Schweizer verlieren

Logitech stellt Computerzubehör her

Logitech stellt Computerzubehör her

Computer- und Fernsehmärkte verschmelzen. Etliche Geschäftsmodelle kommen dadurch unter Druck. Auch dem Schweizer Computerzubehör-Hersteller Logitech geht viel Umsatzpotenzial verloren.

Zwar wächst die Unterhaltungselektronikindustrie nach ihrem Einbruch von 2009 wieder und für dieses Jahr rechnet Gary Shapiro, Präsident des US-Branchenverbandes CEA mit einem Herstellerumsatz von 210 Milliarden Dollar.

Das entspricht einem Plus von knapp drei Prozent gegenüber 2012. Aber nicht alle Bereiche sind gleich stark gefragt. So ist der Umsatz mit Videogeräten seit 2008 um ein Drittel gefallen. Ähnlich sieht es mit Audio-Produkten wie CD-Playern und Stereoanlagen aus. Bemerkenswerterweise ist auch der Umsatz bei Computerspielen um ein Viertel zurück gegangen. Und selbst bei Auto-Technologie und Zubehör, zwei eigentlich zukunftsträchtigen Bereichen, sind die Umsätze lediglich stabil geblieben.

Zu den grossen Gewinnern zählen die Hersteller von Kommunikationsprodukten (Smartphones) und mobilen (Notebook- und Tablet-)Computern. Beide Bereiche vereinigten noch vor sechs Jahren nur ein Drittel des Branchenumsatzes auf sich. Inzwischen ist es mehr als die Hälfte.

Ähnlich ist die Entwicklung in der Schweiz. Die Mobilkommunikation mit ihren Smartphones und Tablets wächst mit einer Rate von 8,6 Prozent besonders stark. Laut dem Branchenverband Swico stieg der Umsatz für Informations- und Kommunikationstechnologien im letzten Jahr um 1,6 Prozent auf 28,8 Milliarden Franken. Für dieses Jahr erwartet der Verband einen weiteren Zuwachs um 1,7 Prozent auf 29,3 Milliarden Franken.

Geschaut wird immer

Analysten haben denn ihre Markt- und Firmenprognosen nach den Präsentationen an der CES angepasst. Die Experten von Goldman Sachs, einer US-Investmentbank, rechnen für die von vielen Herstellern vorgestellten Tablet-Computer mit einem Umsatzplus in diesem Jahr von gleich 42 Prozent. Marktführer Apple alleine dürfte gemäss Konsensschätzungen weltweit mehr als 100 Millionen iPads absetzen. Für Samsung rechnet die gewöhnlich gut informierte südkoreanische Wirtschaftszeitung Maeil mit 40 bis 50 Millionen verkaufte «Galaxies». Und die chinesischen Hersteller wie ZTE, Lenovo oder Huawei dürften noch einmal 100 Millionen Tablets beisteuern.

Optische Blickfänger auf praktisch jedem Messestand an der CES waren die grossen Fernseher. Laut den Marktforschern von DisplySearch werden die LCD-Flachbildschirme in diesem Jahr mit einem weltweiten Absatz von 217 Millionen Einheiten ihren Verkaufshöhepunkt erleben. Mit nominell 263000 Stück sind die Verkäufe von OLED-Fernsehern mit «organischen», sehr hoch auflösenden lichtemittierenden Dioden mit extrem hohen Auflösungen in diesem Jahr noch vernachlässigbar klein. Die Marktforscher erwarten aber steile Zuwächse für die nächsten Jahre und im Jahr 2020 könnten die OLED-Modelle bereits zwei Drittel des Volumens der LED-Geräte erreichen.

Es fehlen smarte Applikationen

Umstritten ist der Einfluss der «smarten» Fernseher. Diese orientieren sich hinsichtlich der Bedienung und Benutzerführung an den kleinen Vorbildern, den Tablet-Computern. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen nicht mit einem grossen Ersatzzyklus. Es fehle einfach an Anwendungen, zumal auch «gewöhnliche» LED-TV-Geräte immer mehr Zusatzfunktionen wie Internet-Verbindung, Facebook-Zugang, Synchronisierung mit anderen Geräten im gleichen Haushalt) haben, die sie ebenfalls laufend «smarter» machen. Und weil Menschen oft gemeinsam mit anderen fernsehen, ist bei diesen Geräte die Personalisierung, welche die Smartphones und Tablets attraktiv macht, ungleich schwieriger.

So oder so - als Gewinner gelten bei den Analysten die beiden südkoreanischen Konzerne Samsung und LG. Beide bespielen die ganze Produktepalette von kleinen Smartphones bis zu den grossen Zweimeter-Kolossen. Das bringt ihnen kumuliert knapp die Hälfte des Gesamtmarktes, obwohl sie nach Stückzahlen zusammen nur rund 40 Prozent Marktanteil halten. Grund ist die gute Marktposition im Hochpreissegment.

Massiv an Marktanteilen verloren haben die beiden japanischen Konzerne Sony und Sharp. Toshiba und Panasonic halten sich leidlich, ohne aber auf die Skalen- und Volumenvorteile der beiden südkoreanischen Konzerne zu kommen. Und mit Haier steht ein weiterer chinesischer Konzern bereit, um den Massenmarkt von Asien aus aufzurollen.

Verlierer: Zubehör und Settopboxen

Es gibt noch weitere Verlierer der Umwälzungen im Fernsehgeschäft. Weil die neuen Geräte immer mehr können und beispielsweise immer mehr Spiele auf Tablet-Computern gespielt werden, verlagert sich der Umsatz weg von Nintendo, Sony und Microsoft, den drei etablierten Herstellern von Spielkonsolen.

Auch die PC-Hersteller wie HP oder Dell spüren in ihren Umsatzzahlen mit Privatkunden, dass PCs seltener gekauft werden. Damit geht für Logitech, dem Schweizer Hersteller von Computerzubehör, viel Umsatzpotenzial verloren. Die kleinen Netbooks, die vor vier Jahren noch Umsatzbooster waren, stehen vor dem Aus. Auch die verbliebenen Hersteller Asus und Acer denken laut Aussagen von Firmenvertretern in Las Vegas über die Einstellung der Produktion nach.

Und auch Settopboxenhersteller stehen unter Druck. Ericsson, der schwedische Mobilkommunikationsausrüster, demonstrierte an der CES eine Lösung für Kabelnetzbetreiber, bei denen die Endkunden lediglich noch eine App auf ihre neuen Fernseher herunterladen müssen, um Zugriff auf die Programme und die Verwaltung der Lieblingssendungen (inklusive Aufzeichungen) zu haben. Grosse Anbieter wie Ericsson bündeln dafür ihre Cloud-Service-Angebote und machen die bisher verwendeten Settopboxen, wie sie das Genfer Unternehmen Advanced Digital Broadcast hestellt und die Verschlüsselungs- und Zugangstechnologien des Lausanner Unternehmens Kudelski obsolet.

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