Analyse

Spekulationen um eine Megafusion zwischen UBS und Credit Suisse: Webers Superbank ist «old economy»

Will er sich ein Denkmal setzen? UBS-Präsident Axel Weber

Will er sich ein Denkmal setzen? UBS-Präsident Axel Weber

Die Fusion zwischen UBS und Credit Suisse ist keine neue Idee – warum es heute neue Ansätze braucht. Eine Analyse.

«Strategisch betrachtet, sind rechtzeitige Kooperationen beziehungsweise Fusionen zwischen Starken einem defensiven Zusammengehen ‹spät im Spiel› ohne Zweifel vorzuziehen.» Dieser Satz stammt nicht vom aktuellen UBS-Präsidenten Axel Weber, der seine Bank offenbar à tout prix mit dem ewigen Konkurrenten Credit Suisse verheiraten will.

Zu lesen ist er in einem Brief vom 11. April 1996, den der damalige Credit-Suisse-Präsident Rainer E. Gut an seinen seinerzeitigen Gegenspieler Nikolaus Senn von der Schweizerischen Bankgesellschaft (französisch «Union de Banques Suisses» oder UBS) übersandt hatte.

Damals wie heute vermögen Grossfusionen die Fantasie von Verwaltungsratspräsidenten zu wecken - aus gutem Grund: «Der Konsolidierungstrend in der globalen Finanzindustrie» von dem bereits in Guts Brief die Rede war, hat sich seit der Finanzkrise weiter akzentuiert.

Der schon vom früheren CS-Präsidenten beobachtete «Restrukturierungsprozess» hat sich, wie von ihm erwartet, bis heute fortgesetzt und der internationale Wettbewerb ist, wie von Gut vorausgesagt, «in erheblichem Mass» härter geworden.

Grösse kann tatsächlich eine Antwort sein, wenn es für eine Unternehmen darum geht in einem Markt von immer grösser werdenden Mitbewerbern nicht unterzugehen. Grösse kann auch helfen effizienter zu werden, in dem ein Unternehmen mehr Menge zu gleichen Kosten produzieren kann. Und schliesslich kann Grösse im Extremfall auch Preis- bzw. Marktmacht bedeuten, wenn die Konsumenten nicht ausweichen können.

Die Planspiele von Rainer E. Gut

Rainer Gut hatte bei seinen Fusionsprojektionen eine Steigerung der Nettoerträge um 50 Prozent vor Augen. Er rechnete mit Kostensenkungen von zwei Milliarden Franken pro Jahr, erwartete eine Verdoppelung der Eigenkapitalrendite und prophezeite 20 Milliarden Franken Mehrwert für die Aktionäre.

Würden die Investoren den Nutzen einer solchen Fusion heute ähnlich einschätzen würden, hätten die Aktien der beiden Banken am Montag ein Kursfeuerwerk vollführt. Stattdessen stiegen sie um ein paar laue Prozente, die gestern Dienstag schon wieder verloren gingen.

Fusionen können heutzutage nicht mehr die gleiche Wirkung entfalten wie vor 25 Jahren. Der Markt und die Geschäftsbedingungen haben sich grundlegend verändert. Selbst wenn sich UBS und CS zu einer Hochzeit entschliessen würden, kämen sie auf der Liste der weltgrössten Banken noch immer nicht unter die Top ten, wo sie zu Rainer Guts Zeiten noch einen festen Platz hatten.

Von Preismacht kann im Finanzsektor nicht mehr die Rede sein. Die Konkurrenz von neuen, branchenfremden Anbietern führt dazu, dass Banken viele Dienstleistungen heutzutage gratis oder billiger anbieten müssen.

In einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft sind Grössenvorteil oder «Skaleneffekte» zwar matchentscheidend. Doch die Gewinner in diesem Wettlauf sind nicht die oft schwerfälligen Platzhirsche von einst, sondern agile, oft junge und gertenschlanke IT-Firmen.

Sicherheitsversprechen muss glaubwürdig sein

Das grösste Kapital der Banken ist ihr Sicherheitsversprechen. Je glaubwürdiger dieses ist, desto treuer sind die Kunden. Doch ein solches Sicherheitsversprechen muss glaubwürdig sein. Eine fusionierte UBS und Credit Suisse wäre so gross, dass sie im Krisenfall von den Schweizer Steuerzahlern kaum mehr zu retten wäre.

Deshalb müsste die Grossbank mehr Eigenkapital beibringen, worauf die Aktionäre selbstredend eine angemessene Verzinsung verlangen würden. In der Hoffnung, dass das Ausland hier ein bisschen weniger strenge Massstäbe anlegen würde, droht Axel Weber offenbar mit einer Verlagerung des Hauptsitzes der fusionierten Bank ins Ausland.

Wie es scheint, will der Deutsche seinen Plan nötigenfalls mit der Brechstange umsetzen. Dass er dabei den potenziellen Widerstand nur vergrössert spricht nicht für seinen politischen Feinsinn. Dass die Schweizer Grossbanken Kooperationsfelder ausloten müssen, um sich in dem harten Umfeld längerfristig behaupten zu können, ist mehr als offensichtlich.

Doch eine Fusion, wie sie Axel Weber vorschwebt ist der falsche Weg dazu. Gefragt sind neue Geschäftsmodelle allenfalls in Kombination mit Kooperationen mit Konkurrenten. Freilich sind Grossfusionen immer noch ein beliebtes Mittel für Manager der «old economy» sich selbst ein Denkmal zu schaffen. Weber scheint einer von ihnen zu sein.

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