Die Reaktion ist menschlich, sie ist aber auch entlarvend. Nachdem am Wochenende hunderte Passagiere wegen annullierten Flügen am Flughafen ausharren mussten, waren die gehässigen Reaktionen in den sozialen Medien so sicher wie das Schöggeli auf jedem Swiss-Flug. Der Flughafen wurde von verspäteten Ferienreisenden scharf kritisiert, die Lufthansa-Tochter sowieso.

Krankgeschriebene Fluglotsen und Gewitterzellen führten zur Überlastung in Kloten: Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, noch mehr waren verspätet. Dabei wird es nicht bleiben, weitere Chaos-Tagen werden folgen, so wie schon im Vorjahr.

Die Kritik fällt in eine Zeit, in der die Aviatik am Pranger steht. Viele Kritiker stimmen in den Kanon der Flugscham ein und opponieren praktisch gegen alles, was Flügel hat: Flugsteuer ja, Kapazitätsausbau auf keinen Fall. Doch sobald die eigene Sommerferien-Planung ansteht, wird das grüne Gewissen rasch über Bord geworfen. «My holiday» statt «My climate».

Insofern braucht es von der Politik klare Vorgaben: Welchen Luftverkehr will die Schweiz in Zukunft? Wie viele Direktverbindungen zu internationalen Metropolen sind nötig? Und wie viel teurer sollen Flugtickets werden, um einen Lenkungseffekt in der Klimadebatte zu erzielen?

Es könnte der Sommer der Wahrheit werden.