KMU-Barometer

So geht es den kleinen und mittleren Firmen in der Nordwestschweiz

Die Geschäftslage in der Nordwestschweiz gilt als schlechter als in der übrigen Schweiz.

Die Geschäftslage in der Nordwestschweiz gilt als schlechter als in der übrigen Schweiz.

Die aktuelle Lage der Nordwestschweizer KMU ist nicht rosig. Dennoch sind sie optimistischer, als es man vermuten könnte.

Noch jubeln kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht. Die Wunden der Euro-Mindestkursaufhebung vom Januar 2015 sind noch nicht ganz verheilt. Doch sie blicken zuversichtlicher in die Zukunft, wie der Unternehmensbarometer des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY zeigte. Das vom ihm gemessene Geschäftsklima verbesserte sich erstmals seit drei Jahren.

..

Insbesondere der Gross- und Detailhandel hatte der Aufwertung des Frankens in der Nordwestschweiz wegen der Nähe zur Grenze wenig entgegenzusetzen. Ausländische Konkurrenten drangen immer weiter in den hiesigen Markt vor. Bekannte Namen sind Aldi, Lidl oder der Drogeriemarkt Müller. Klassische Ladenketten haben den Trend verpasst. Ein Onlineanbieter wie Zalando konnte sich innert weniger Jahre als ein wesentlicher Player in der Bekleidungsbranche etablieren.

Kaspar Streiff, der für EY von Aarau aus den Markt Nordwestschweiz betreut, erläuterte der «Nordwestschweiz» exklusiv die Ergebnisse: Der harte Franken sei sicher Grund für grosse Schwierigkeiten gewesen in den letzten zwei Jahren. Dennoch dürfe man nicht einfach alles dem Franken in die Schuhe schieben. Einige Unternehmen hätten ihr Geschäftsmodell auch unabhängig davon umgestellt, indem sie Trends früh entdeckt haben. Jene, die bereits vor fünf bis zehn Jahren auf die Digitalisierung gesetzt haben, zählen heute zu den erfolgreichen Unternehmen in der Region. Das zeigt etwa Brack.ch, einer der führenden Schweizer Onlinehändler.

Schlechte Presse drückte Moral

Es fällt auf, dass die aktuelle Geschäftslage in der Nordwestschweiz als schlechter gilt als in anderen Regionen. Auf sechs Monate hinaus dagegen wird die Zukunft nur in der Ostschweiz und in Zürich/Schaffhausen rosiger gesehen. Das Mittelland, zu dem in der Umfrage die Kantone Bern und Solothurn zählen, zeigt ein umgekehrtes Bild: Die Gegenwart wird als recht gut bewertet, die Zukunftserwartungen dagegen sind noch schlechter als im Tessin.

«Das Klima in der Nordwestschweiz war in den letzten Jahren geprägt von Firmenschliessungen, vor allem kleinerer KMU», weiss Streiff. Das lag nicht nur am Franken, sondern auch an nicht mehr konkurrenzfähigen Geschäftsmodellen. Auch Pressemeldungen zum Stellenabbau bei Alstom oder einer möglichen Abspaltung der ABB-Stromsparte hätten bei regionalen Zulieferern auf die Stimmung gedrückt.

Lang lebe Life Science!

Nur ein Gefühl? «Nein, die schlechte Lage war messbar», entgegnet Streiff. Die Auftragslage habe sich kontinuierlich eingetrübt, ausser im Bereich Life Science. Dieser Sektor hat in der Nordwestschweiz mit acht Prozent bereits ein grosses Gewicht in der Wirtschaftsstruktur, weit mehr als in anderen Regionen. Auf dem zweiten Platz folgt die Ostschweiz mit fünf Prozent. Es sei nicht zuletzt dank diesem Sektor, dass die Investitionsbereitschaft im Aargau und in Basel am höchsten ist. Auf Rang zwei folgen Bern und Solothurn.

Beim Beschäftigungsausbau liegen die Regionen Aargau und Basel besser da, als es die Rangliste auf den ersten Blick anzeigt. Denn berechnet man den Saldo aus «steigen» und «sinken», liegt die Region auf dem dritten Platz. «Das ist erfreulich», sagt Streiff. Denn wenn man mit einzelnen Unternehmen rede, bekomme man eher den Eindruck, dass Stellen abgebaut, respektive verlagert würden. Auch hier sei es dem Sektor Biotech-Life-Science zu verdanken und nicht der Industrie, wenn sich insgesamt Aufbruchsstimmung bemerkbar mache.

Was hat zum Stimmungsumschwung geführt? Die Auftragslage dürfte in den letzten zwei Jahren den Tiefpunkt erreicht haben, schätzt EY. Viele Unternehmen hätten gelernt, mit dem Franken zu leben. Streiff: «Die Unternehmen haben ihre Kostenstruktur bereinigt und die Strategie teilweise überdacht. Mittelgrosse Unternehmen ab 1000 Angestellten haben auch Aktivitäten wie IT oder Finanzen ins Ausland verlagert.» Wer jetzt noch dabei sei, verfolge eine Vorwärtsstrategie.

Doch wo ist die Franken-Schmerzgrenze der KMU? Sie sei je nach Unternehmen und Exportorientierung anders, erklärt Streiff und sagt: «Die meisten scheinen sich mit einer relativ schmalen Bandbreite um den Kurs von 1.10 arrangiert zu haben.» Gegenwärtig laviert der Euro an der Marke von 1.07 Franken, er ist so schwach wie seit mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr. Und eines zeigt die Umfrage auch: Landesweit wird der harte Franken noch immer als das Risiko Nr. 1 für das eigene Unternehmen genannt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1