Herr Maier, wie stark hat Sie persönlich als Konzernleitungsmitglied beim Volkswagen-Konzern die ganze Diesel-Affäre belastet?

Bernhard Maier: Mir persönlich hätten die Herausforderungen, die wir zurzeit im Markt erleben, gereicht. Das Diesel-Thema hätten wir natürlich nicht gebraucht und können uns nur immer wieder dafür entschuldigen, auch im Namen von Skoda. Auf der anderen Seite, so misslich die Lage auch ist: Das Wichtige ist, dass wir aus den Fehlern lernen. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Es gilt, die die Prozesse zuverlässig in den Griff zu bekommen und die Kunden gleichzeitig für die neuen Produkte zu begeistern.

Schneller Bugatti, Drohnenlandeplatz und ein selbstfahrender Nissan: Das sind die auffälligsten Neuheiten am Genfer Autosalon 2016

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Was erstaunt ist, dass die Marke Skoda komplett geschützt wurde. An den Verkaufszahlen ist die Krise bei VW kaum abzulesen.

Wir konnten das vergangene Jahr tatsächlich mit einem neuen Rekord abschliessen. Inwiefern sich die Zahlen ohne Diesel-Thematik noch weiter hätten steigern lassen, das ist nicht zu sagen. Für uns kommt es darauf an, dass wir in diesem Jahr mit Schwung weitermachen.

Schneller Bugatti, Drohnenlandeplatz und ein selbstfahrender Nissan: Das sind die auffälligsten Neuheiten am Genfer Autosalon 2016

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Zufrieden auch mit der Schweiz? Immerhin gilt Skoda als eine der stärksten Automarken.

Auf jeden Fall. Die Schweiz ist ein wichtiger Markt für Skoda. Ich hatte hier am Autosalon in Genf ein Treffen mit dem Importeur Amag. Die ersten beiden Monate des neuen Jahres sind sehr gut verlaufen.

Sie präsentieren am Autosalon in Genf zum ersten Mal einen SUV. Das ist ein völlig neuer Markt für Sie. Was waren die Beweggründe für diesen Schritt?

Wir haben ja schon den Yeti in unserer Modellpalette. Dazu kommt jetzt ein grösseres SUV. Das SUV-Segment ist in den letzten Jahren das am stärksten wachsende Segment in der gesamten Automobilindustrie, und das fast flächendeckend in der ganzen Welt. Daher wollen wir auch unser Angebot in diesem Bereich konsequent ausbauen.

Wird da der US-Markt zum Thema?

Wir arbeiten gerade an unserer Strategie 2025. Dabei betrachten wir alle Geschäftsopportunitäten. Sowohl was neue Segmente in den Märkten anbelangt oder neue Dienstleistungen und Technologien. Dies vor dem Hintergrund des Paradigmenwechsels, in dem sich die ganze Industrie derzeit befindet. Und wir betrachten natürlich auch neue Märkte. Wir bedienen heute 102 Märkte weltweit. Den US-Markt mit einem Anteil von 25 Prozent am weltweiten Kuchen werden wir hier sicher auch prüfen. Es gibt aber noch andere spannende Märkte: So werden wir Ende dieses Jahres in Südkorea präsent sein und haben andere Märkte auf dem Plan.

SUV, das geht in Richtung «Traumauto» – eine sehr emotionale Schiene. Bisher stand Skoda für Solidität und Nüchternheit. Ist das ein Weg, den Sie künftig noch mehr gehen wollen?

Design ist in unserer Branche der wichtigste Kaufgrund. Skoda seht heute vor allem für eine hohe Funktionalität oder ein sehr überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und für den Erfindergeist, der die Märkte seit über 100 Jahren trägt. Das soll so bleiben. Zusätzlichen werden wir zu diesen rationalen Aspekten jetzt die emotionale Stärke der Marke zum Ausdruck bringen. Und zwar vor allem über ein ausdrucksstarkes, emotionales Design, das die Identität unserer Marke hervorhebt. Unser Ziel ist es, auch neue Kundenschichten anzusprechen. Dies kommt jetzt zum Beispiel beim SUV zum Ausdruck.

Wie sieht es mit der Technologie aus? Hier waren Sie sogar innerhalb des VW-Konzerns einer der Ersten, die mit Apple etwa kooperiert haben.

Ja, wir haben bereits früh das Internet ins Auto geholt. Damit treffen wir den Geist unserer Kunden. Wir glauben, dass der Welt der Information in den Innenräumen unserer Autos eine immer grössere Bedeutung zukommen wird.

Wie frei sind sie innerhalb des Volkswagen-Konzerns, was Sie benutzen dürfen?

Es ist die Grundlage des Konzernerfolgs, dass die innovative Volkswagen- Technik von den einzelnen Marken genutzt werden kann. Skoda wird sich aber nicht damit profilieren, dass wir unbedingt die Ersten sind, die jede neue Technologie einsetzen. Unser Ziel ist es, sehr genau zu überlegen, welche Technologie reif für unsere Kunden ist. Es geht darum, dass wir zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Technologie passend für unsere Kunden vor Ort sind. Die Technologie muss für sie auch finanziell erreichbar und zuverlässig sein.

Was heisst das für die Antriebe? Gehen Sie auch stärker in Richtung Hybrid oder Erdgas, wie der Konzern? Was hat sich hier geändert innerhalb der letzten Monate, als der Diesel immer stärker in die Kritik geraten ist?

Wir müssen in verschiedenen Ländern unterschiedliche Umweltauflagen befolgen, ganz unabhängig von den Entwicklungen der letzten Monate. Für uns bedeutet das im Produktmix immer mehr immissionsärmere Fahrzeuge. An der Elektrifizierung der Mobilität führt daher kein Weg vorbei. Das ist für uns ein klarer Weg.

Den Roomster haben Sie entwickelt und fast produziert. Auf den Markt gekommen ist er aber nicht. Hat Sie hier der Konzern ausgebremst?

Wir haben uns im Rahmen der neuen Strategie die Wachstumschancen auf den Märkten angeschaut. Dabei ist eine klare Prioritätenliste entstanden, auf der die SUVs ganz oben stehen. Auch im Hinblick auf unsere Kapazitäten müssen wir uns fokussieren. Unter dem Strich wollen wir im dynamisch wachsenden SUV Segment unser Angebot ausbauen und haben deshalb beschlossen, für den Roomster keinen Nachfolger auf den Markt zu bringen. Die Entwicklung war insofern nicht umsonst, als dass sie innerhalb des Konzerns in die Weiterentwicklung des VW-Caddys geflossen sind.

Sie sprechen von der Elektrifizierung der Mobilität. Wie sehen Sie die neue Rolle der Automobil-
hersteller?

Ich denke, dass wir mehr und mehr zu einem Mobilitätsanbieter werden. Dabei müssen wir die unterschiedlichen Trends, die Urbanisierung, die Digitalisierung oder die Forderungen der Umwelt aufgreifen. Wichtig ist jedoch auch, dass wir die Hand immer genau am Puls des Geschehens haben müssen und vor allem aufnehmen, was unsere Kunden tatsächlich erwarten. Wir glauben, dass nicht jede neue Technologie, die verfügbar ist, sofort umgesetzt werden muss. Das gilt insbesondere auch für Skoda. Natürlich werden wir uns mit allen Trends intensiv beschäftigen und Schritt halten mit der Dynamik, die in unserer Branche derzeit herrscht.

Nun steigen ja verschiedene Technologiehersteller wie Google und Apple in den Markt ein. Inwiefern ist das für Sie ein Problem?

Das sind zusätzliche branchenfremde Wettbewerber. Sie versuchen, mit interessanter Technologie in unser angestammtes Gebiet einzudringen. Es gilt der alte Grundsatz: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir werden auf keinen Fall anderen das Geschäft überlassen, sondern für das Auto sicher die bessere Lösung anbieten. Da haben wir einen entscheidenden Vorteil: Wir wissen, wie mit Hardware umzugehen ist. Und natürlich haben auch wir uns bisher schon intensiv mit Software beschäftigt, das werden wir intensivieren und beschleunigen müssen.