Coronavirus

Shoppingcenter-Krise: Das Standbein des Schweizer Detailhandels schwächelt in Zeiten von Corona besonders

Auch das Emmen Center in Emmen LU bekommt die Coronakrise zu spüren.

Auch das Emmen Center in Emmen LU bekommt die Coronakrise zu spüren.

Der Schweizer Detailhandel hat sich weiter erholt. Der Umsatz ist per Juli um 6 Prozent gewachsen. Anders sieht es bei den Shoppingcentern aus.

Wer hätte das während des Lockdowns gedacht: Der Schweizer Detailhandel liegt gegenüber dem Vorjahr im Plus. Und das nicht zu knapp: Per Juli beträgt das Umsatzwachstum 6,1 Prozent. «So spannend wie dieses Jahr war es im Detailhandel noch nie», kommentierte Sandra Wöhlert am Shopping Center Forum die Entwicklung. Sie ist Commercial Director beim Marktforschungsinstitut GfK und präsentierte gleich zu Beginn des Forums vom heutigen Donnerstag die neusten Zahlen.

Wöhlert bestätigt damit die provisorischen Zahlen des Bundesamts für Statistik, das bereits vor wenigen Tagen von einer weiteren Erholung im Detailhandel gesprochen hatte. Dass der Detailhandel im ersten Halbjahr trotz Corona gut abgeschnitten hat, war schon bekannt: Nach Zahlen der GfK stieg der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 5,5 Prozent.

In der Heimat einkaufen statt ins Ausland fliegen

Seit Aufhebung des Lockdowns im Mai kommt also wieder Leben in die Geschäfte. Besonders stark war der Anstieg in den Lebensmittelläden: Der Bereich Food verzeichnet per Juli ein Plus von 12,1 Prozent. Dies dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass mehr Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien im eigenen Land verbracht haben. Der Bereich Non-Food hingegen hat um 3,3 Prozent an Umsatz verloren, allen voran wegen der kriselnden Bekleidungsbranche. Positiv schnitten dafür Kategorien wie Haushalt, Heimelektronik und Heimwerkerbedarf sowie Einrichtung ab.

Und wo stehen die Shoppingcenter in Zeiten von Covid-19? Auf die 194 Shopping-, Bahnhof- und Airport-Center wird am Forum jeweils ein besonderer Augenmerk gerichtet, machen sie doch einen Fünftel des Schweizer Detailhandels aus. «Einkaufscenter leiden unter der aktuellen Situation mehr als der restliche Detailhandel», so die Einschätzung von Sandra Wöhlert. «Erstens, weil sie einen höheren Anteil an Non-Food-Geschäften haben. Zweitens, weil sie primär auf den stationären Handel und weniger auf online setzen.»

Shopping Center dürften sich auch erholen

Mit Zahlen belegen lässt sich diese Beobachtung noch nicht, die Umsatzzahlen zu den Shoppingcentern publiziert das GfK jeweils zu einem späteren Zeitpunkt. Bekannt sind nur die Zahlen von 2019. Und schon dann war die Lage nicht gut: Knapp die Hälfte aller Einkaufscenter erlebte einen Umsatzrückgang – wie schon in den vier Jahren davor. Der Markt ist gesättigt, es findet ein Verdrängungskampf statt. Am meisten Umsatz erzielten das Glattzentrum in Wallisellen, das Centre Balexert in Genf und das Shoppi Tivoli in Spreitenbach. Unter den Top 5 sind ausserdem das Sihlcity Zürich und das Shoppyland Schönbühl.

Trotz der grossen Herausforderungen gibt sich Wöhlert zuversichtlich. Auch die Shoppingcenter dürften sich früher oder später von der aktuellen Krise erholen, glaubt die GfK-Expertin. Und hört man sich auf dem Forum um, steht sie mit ihrer Meinung nicht alleine da. Der Tenor: Die Lage im Detailhandel ist bei weitem nicht so schlimm, wie vor einigen Monaten noch befürchtet. In einigen Bereichen ist sie sogar gut.

Autor

Gabriela Jordan

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