Lantal Textiles
Schweizer Stoff für Donald Trumps neue Präsidenten-Maschine

Textilfirma Lantal buhlt um den Auftrag für die neue Air Force One – und plant neue Strategie.

Benjamin Weinmann
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Lantal konnte schon zweimal Textilien für die US-Präsidenten-Maschine liefern.

Lantal konnte schon zweimal Textilien für die US-Präsidenten-Maschine liefern.

KEYSTONE

Fast jedes Schweizer Gesäss nahm schon mal auf Stoff von Lantal Platz. Sei es im SBB-Zug, in S-Bahnen oder im Swiss-Flugzeug. Doch nur wenigen ist der Name der Textilfirma aus Langenthal BE ein Begriff. Dabei ist Lantal Textiles Weltmarktführer im Bereich der Sitzbezugstoffe, Vorhänge und Teppiche von Airlines und in Europa von Zug- und Busunternehmen. Der bekannteste Kunde ist der US-Präsident. Lantal lieferte Sitzbezüge und handgefertigte Teppiche für die beiden Präsidentenflugzeuge Air Force One von George H. Bush und Bill Clinton. Obama wechselte das Interieur der Boeing 747 in seiner Amtszeit nicht aus, bestellte aber kurz vor seinem Abschied zwei neue Maschinen bei Boeing für rund 3,2 Milliarden Dollar.

Dann kam Donald Trump. Als eine seiner ersten Amtshandlungen blockierte Trump die Order. Der Preis für die neue Maschine sei zu teuer, er werde hart nachverhandeln. «Wir rechnen damit, dass es bald wieder vorwärtsgeht und Boeing die entsprechenden Aufträge für Zulieferer ausschreibt», sagt Lantal-CEO und Mehrheitseigentümer Urs Rickenbacher. «Wir wären sehr interessiert, wieder zum Zug zu kommen.» Zum einen sei es ein Prestigeauftrag. «Aber auch finanziell wäre die Ausrüstung der Air Force One lukrativ.»

Solche VIP-Aufträge sind bei Lantal nicht selten. Zu den Kunden zählen der russische Fussballmäzen Roman Abramowitsch oder der Italiens Modepapst Giorgio Armani, die ihre Luxusjachten und Jets mit Lantals Stoffen ausrüsten.

Mit oder ohne Trump war Rickenbacher, der 2004 Lantal zusammen mit dem Management übernahm, mit dem Geschäftsverlauf zufrieden: «Wir haben Ende Jahr einige grosse Aufträge abschliessen können, unter anderem mit Qatar und Thai Airways.» Lantal liefert nebst den Sitzbezugstoffen die Vorhänge, die Teppiche und das «Pneumatische Komfortsystem» – mit Luft gefüllte Sitzkissen, die viel leichter als herkömmliche Sitze sind. Sie kommen bei der neuen Boeing-777-Flotte der Swiss zum Einsatz.

Insgesamt zählen über 300 Airlines zur Lantal-Kundschaft. Zudem stehe man kurz vor einem weiteren Grossdeal. Laut dem Branchenportal «Runway Girl Network» könnte es sich um die Lufthansa und ihre neuen A350-Maschinen handeln. Demnach sind zudem neue Verträge mit zwei asiatischen, einer Golf- und einer europäischen Airline unter Dach und Fach.

Kommende Woche gibt Lantal die Jahreszahlen bekannt. Bereits jetzt sagt Rickenbacher: «Umsatz und Rendite konnten wir steigern.» 2015 hatten die rund 370 Lantal-Mitarbeitenden 96,7 Millionen Franken umgesetzt – ein Minus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was nicht zuletzt mit dem starken Franken zu erklären war, gehen doch 96 Prozent der Produktion in Langenthal, Huttwil und Melchnau in den Export. Rund 80 Prozent werden mit Aviatik-Aufträgen umgesetzt.

Kooperation mit Etihad

Dass 2016 ein Plus resultiert, hat auch mit drei Akquisitionen zu tun, die Lantal kürzlich in Europa tätigte. Darüber gibt sich Rickenbacher verschwiegen, er verrät einzig: «Es handelt sich um Produktions- und Dienstleistungsfirmen in Europa.» Zudem gingen die Berner eine Kooperation mit der Wüsten-Airline Etihad Airways ein. Am Hauptsitz in Abu Dhabi eröffnete Lantal ein gemeinsames Brandprüflabor.

«Diese Kooperation ist für uns der Startschuss für unsere neue Strategie», sagt Rickenbacher. Man wolle in Zukunft quasi als Generalunternehmer auftreten und für die Airlines die gesamte Flugzeug-Interieur-Wartung vornehmen. «Wir haben die internationalen Branchenzertifikate erworben, um die Flugzeuge zu betreten und vor Ort Arbeiten durchzuführen, auch für Airlines, die nicht mit unseren Produkten fliegen.»

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