Das im Gebiet von Jacarepagua gelegene Werk stellt unter anderem Beruhigungs- und Schlafmittel für Lateinamerika und Europa her. Es beschäftigt derzeit 440 Mitarbeiter von Roche sowie rund 200 Auftragnehmer. Das Werk im grössten Land Lateinamerikas ist den Angaben zufolge nicht mehr rentabel.

"Angesichts des sich entwickelnden Produktportfolios und der künftig geringeren Produktionsmengen hat Roche die schwierige Entscheidung getroffen, den Ausstieg aus dem Betrieb am Produktionsstandort in Rio de Janeiro zu planen", schrieb das Basler Unternehmen.

Die Mitarbeitenden vor Ort will Roche in den kommenden Jahren "bestmöglich unterstützen". Entlassungen sollen im kommenden Jahr beginnen. Zugleich sollen Patienten bis zur Schliessung des Standorts zuverlässig mit den Produkten versorgt werden.

An den Standorten in den brasilianischen Bundesstaaten Sao Paulo und Goias will Roche festhalten. Der Konzern beschäftigt in Brasilien insgesamt gegen 1'300 Personen. Die Medikamente für den Markt im südamerikanischen Land sollen künftig importiert werden. Roche besitzt laut eigenen Angaben weltweit rund 20 Produktionsstandorte in einem Dutzend Ländern.

Weiterer Schlag für Brasiliens Wirtschaft

Roches Ankündigung ist ein weiterer Schlag für die schleppende brasilianische Wirtschaft. Mehrere Grossunternehmen äusserten sich jüngst besorgt über die Zukunftsaussichten ohne Anzeichen auf Erholung im Land, in dem Anfang Jahr der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro das Amt angetreten und eine wirtschaftliche Öffnung versprochen hat. Beobachter sind aber skeptisch, ob Bolsonaro tatsächlich Mehrheiten für tiefgreifende Reformen wie beispielsweise im Rentensystem organisieren kann.

Ebenfalls am Dienstag gab die Fluggesellschaft Avianca Brasil, die im Dezember Konkurs angemeldet hatte, die Schliessung von 21 ihrer Strecken im April und die Schliessung ihres Büros am internationalen Flughafen von Rio bekannt. Im Februar kündigte der Automobilhersteller Ford die Schliessung seines Lastwagen-Werks bei Sao Paulo mit mehr als 3'200 Mitarbeitern an. Die Behörden versuchen, einen Käufer für die Anlage zu finden, sind aber bisher gescheitert.