Huawei sei ein offenes und transparentes Unternehmen. «Wir haben nichts zu verstecken.» Mit diesen Worten verteidigt Felix Kamer, stellvertretender CEO von Huawei Schweiz, den chinesischen Smartphone-Riesen und weltgrössten Netzwerkausrüster gegen Vorwürfe aus den USA. Und er betont: «Wir sind aktuell in Gesprächen mit der schweizerischen Politik und Verwaltung.»

Das US-Justizministerium hat am Montag offiziell Anklage gegen Huawei erhoben. Der Technologiekonzern habe Sanktionen gegen den Iran umgangen und Technologie von Konkurrenz-unternehmen gestohlen. Die USA sehen Huawei schon länger kritisch. Der Konzern stehe dem chinesischen Staat zu nahe und könne sich von diesem instrumentalisieren lassen. Daher will man ihm eine bedeutende Rolle verwehren, wenn in westlichen Staaten die neue Generation von Mobilfunknetzen (5G) aufgebaut wird.

«Keine politische Aufgabe»

Kamer von Huawei Schweiz betont indessen, man sei für Gespräche jederzeit offen bei Sorgen um die Datensicherheit. «Wir arbeiten mit den Regierungen in allen Ländern zum Thema Cyber Security zusammen.» Ein sehr gutes Beispiel sei die Zusammenarbeit mit dem «Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik» (BSI) in Deutschland. «Dort sprechen wir mit technischen Spezialisten, denn Cyber Security ist eine technische Aufgabe, nicht eine politische.»

Die Kunden sollten sich ruhig Sorgen machen um die Sicherheit von Daten, sagt Kamer weiter. «Und dann soll jeder die technischen Massnahmen treffen, um die Risiken zu minimieren.» Die Kunden würden verstehen, dass Sicherheit mit technischen Lösungen erzielt wird. «Hingegen hat die Sicherheit nichts zu tun mit dem Herkunftsland eines Herstellers.»

Bislang habe die amerikanische Kritik keinerlei Auswirkungen gehabt auf den Geschäftsgang in der Schweiz. «2018 war das beste Jahr in unserer zehnjährigen Geschichte», sagt Kamer. Natürlich freue man sich nicht über diese Attacken gegen Huawei.

Denn man müsse auch festhalten: Bis heute sei kein einziger Beweis vorgelegt worden – oder auch nur ein stichhaltiger Hinweis –, dass es bei Huawei zu Problemen gekommen sei mit der Cyber Security. «Im Gegenteil, unsere Referenz für die letzten 30 Jahre ist gut. Unsere Kunden sind entsprechend sehr loyal.» Dazu zählen etwa Sunrise und Swisscom, die etwa Produkte für ihre Telekommunikationsnetze beziehen. Die SBB kaufen Smartphones für ihre Kondukteure bei Huawei ein.

Kamer zeigt sich zuversichtlich, dass die Geschäfte in der Schweiz weiterhin gut laufen werden. «Für 2019 sehen wir weiterhin ein starkes Wachstum bei unseren Smartphones.» Ähnlich gut sehe es aus für Produkte für Geschäftskunden, die beim Aufbau und Unterhalt von Mobilfunknetzen eingesetzt würden. Huawei will daher in der Schweiz in den nächsten Jahren weiter ausbauen. «Wir haben heute 20 offene Stellen, und wir planen, 2019 nochmals etwa 20 Stellen auszuschreiben.» Aktuell beschäftigt Huawei vor allem in Dübendorf ZH rund 350 Angestellte.

Auch die Investitionen wolle man hierzulande weiter erhöhen. «Die Schweiz ist für uns ein sehr wichtiges Land, weil es technologisch führend ist», begründet Kamer. So habe man gemeinsam mit Grosskunden schon neue Technologien entwickelt, neue Produkte getestet und zur Marktreife gebracht.

Boni für Industriespionage?

Die Vorwürfe sind happig, welche das US-Justizministerium erhebt. Der Konzern soll industrielle Geheimnisse gestohlen haben von T-Mobil USA, der amerikanischen Tochter der Deutschen Telekom. Dann habe man die Justiz zu behindern versucht, als T-Mobil mit rechtlichen Schritten gedroht habe. Interne E-Mails, die das FBI erhalten habe, würden zudem zeigen: Huawei habe seinen Angestellten gar Boni geboten, wenn diese von anderen Unternehmen industrielle Geheimnisse gestohlen hätten. Je grösser der Wert der gestohlenen Informationen, desto grösser der Bonus. Die chinesische Regierung schoss indessen scharf zurück. Das Industrieministerium bezeichnete die amerikanische Anklage als «unfair und unmoralisch».