Herbizid

Schluss mit Glyphosat: SBB wollen Unkraut anders vernichten

Die SBB setzen Glyphosat ein, um Unkraut in Gleisnähe zu vernichten.

Zwei Tonnen Glyphosat setzen die SBB jedes Jahr ein, um Pflanzen in Gleisnähe zu vernichten. Nun suchen sie nach einer Alternative für das Herbizid. Eine einfache Lösung ist bislang jedoch nicht in Sicht.

Nicht nur Bauern setzen den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat ein, sondern auch Bahnbetreiber wie die SBB. Sie müssen aus Sicherheitsgründen das Unkraut bei den Gleisen entfernen: Pflanzen im Schotterbett können die Stabilität der Gleise gefährden. Das einzige Mittel, das die Bahnbetreiber heute im Gleisbereich einsetzen dürfen, ist Glyphosat. Der Wirkstoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Nun suchen die SBB nach einem Ersatz: «Im Kontext der kontroversen Diskussion um Glyphosat haben sich die SBB das Ziel gesetzt, bis spätestens 2025 auf den Einsatz von Glyphosat bei der Vegetationsregulation zu verzichten», schreibt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage. Die SBB verbrauchten in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben jeweils rund zwei Tonnen Glyphosat. Das entspricht etwa einem Prozent des Schweizer Absatzes. Die SBB betonen, dass sie das Herbizid zurückhaltend einsetzen: Mit tragbaren Geräten werde es gezielt auf einzelne Pflanzen gesprüht. Zum Schutz des Grundwassers darf es zudem nicht überall eingesetzt werden. So schreibt es der Bund vor.

Grüner Teppich oder abbrennen

Die Suche nach Alternativen zu Glyphosat ist jedoch offensichtlich schwierig. Die Fachleute der SBB gehen derzeit nicht davon aus, dass ein anderes Produkt Glyphosat ersetzen kann. Die SBB prüfen daher zusammen mit anderen Bahnen verschiedenste Möglichkeiten. Eine davon wäre ein sogenannter grüner Teppich: Neben den Gleisen sollen gezielt Pflanzen wachsen, die sich nicht in die Fahrbahn oder Böschung ausbreiten und wenig Unterhalt brauchen. Noch offen ist, ob es überhaupt Pflanzen gibt, die diese Bedingungen erfüllen. In einem anderen Versuch wollen die SBB das Unkrautproblem quasi an der Wurzel anpacken – mit Baumaterialien, die den Pflanzenwuchs hemmen. In Zusammenarbeit mit europäischen Bahnen wird zudem getestet, ob das Unkraut mit Strom vernichtet werden könnte. Möglich wäre theoretisch auch, die Pflanzen abzufackeln. Die SBB haben dies aber verworfen, weil die Methode viel Energie verbraucht und eine schlechte Wirkung aufweist.

Druck, den Einsatz von Glyphosat einzudämmen, kommt auch aus der Bevölkerung. In der Schweiz sind dieses Jahr zwei Initiativen eingereicht worden, die sich gegen Glyphosat richten. Eine davon fordert, dass in der Landwirtschaft und in der Boden- und Landschaftspflege alle synthetischen Pestizide verboten werden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1