Publibike
Millionenflop: Post verkauft ihren defizitären Fahrradverleihdienst

Der Firmenchef, ein IT-Unternehmer und Velopionier Thomas Binggeli wagen mit Publibike den Neustart.

Florence Vuichard
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Die neuen Publibike-Besitzer: Thomas Binggeli, Markus Bacher und Guido Honegger (von links).

Die neuen Publibike-Besitzer: Thomas Binggeli, Markus Bacher und Guido Honegger (von links).

zvg

In jüngster Zeit sorgte die Post vor allem mit Firmenzukäufen für Schlagzeilen. Aber der Staatskonzern kann Unternehmen auch abstossen, wie der gestern verkündete Verkauf des Fahrrad-Verleihdienstes Publibike zeigt. Das 2011 – ursprünglich in Zusammenarbeit mit SBB und «Rent a Bike» – gegründete Unternehmen galt postintern lange als «Top-Chance», war in Realität aber eher ein Millionengrab.

Jedenfalls hat es Publibike nie geschafft, aus den roten Zahlen herauszufahren. Nun ist die Post das defizitäre Geschäft zu einem nicht genannten Preis losgeworden. Neue Eigentümer von Publibike sind der aktuelle Firmenchef Markus Bacher, Velo-Pionier Thomas «Thömu» Binggeli sowie der IT-Unternehmer Guido Honegger, der die Firma Green.ch gegründet und jahrelang als CEO geführt hat.

Drei gleichberechtigte Partner

Die drei besitzen als «gleichberechtigte Partner» je einen Drittel der Aktien, wie Bacher erklärt. Jeder der drei bringe ein fachspezifisches und für den Erfolg unerlässliches Wissen mit: Binggeli kenne den Velomarkt, Honegger das IT-Business und er selbst die Firma und den Mikromobilitätsmarkt. «Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam aus Publibike auch ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen machen können», sagt Firmenchef Bacher.

Die 30 Mitarbeitenden werden ihre Stelle behalten, wie die Neo-Besitzer festhalten. Klar ist aber, dass das Unternehmen einiges wird ändern müssen, wenn es profitabel werden will. Künftig dürften die Städte und Gemeinden wohl mehr für den Fahrradverleihdienst bezahlen müssen. Doch das ist Zukunftsmusik, die bestehenden Verträge würden zu den ausgehandelten Konditionen erfüllt, wie Bacher betont. Grosse Hoffnungen setzen er und seine Mitstreiter in «Partnerschaften» mit Firmen, die für ihre Angestellten Publibike-Angebote aufbauen und finanzieren wollen. Und zuletzt dürften wohl auch die Velofahrenden etwas tiefer in die Taschen greifen müssen. «Im Moment» sei jedoch keine Tariferhöhung vorgesehen, verspricht Bacher.

5300 Velos für 8 Netze in 35 Gemeinden

Heute betreibt Publibike acht Bikesharing-Netze, die wiede­rum 35 Gemeinden erschliessen und mit insgesamt 620 Velostationen und 5300 Fahrrädern ausgestattet sind. Rund 190'000 Personen haben sich beim Fahrradverleih registriert. Das grösste Netz hat die Stadt Bern. In der Bundesstadt nutzen gemäss Bucher rund 30'000 Personen regelmässig ein Publibike. Von den 2021 total 2,5 Millionen zurückgelegten Fahrten entfallen 1,4 Millionen auf die Stadt Bern. Rund 1 Million wurden in der Stadt Zürich zurückgelegt, dem zweitgrössten Publibike-Netz.

Die restlichen 100'000 Fahrten verteilen sich auf die Bikesharing-Netze von Lausanne-Morges, Nyon-La Côte , Fribourg, Sion, Sierre sowie dem Sottoceneri, also die Tessiner Region rund um Lugano.

Bis Anfang 2021 war Publibike eine Tochter von Postauto, im Rahmen der neuen Post-Strategie wurde die Firma in den Konzern «gezügelt», nun wurde sie ganz entsorgt.