Wirtschaft

Produktionsstopp macht der US-Wirtschaft zu schaffen – gegen 600 Zulieferer betroffen

Boeing hat in den vergangenen Monaten rund 400 Boeing 737 Max produziert, die auf einen Abnehmer warten.

Boeing hat in den vergangenen Monaten rund 400 Boeing 737 Max produziert, die auf einen Abnehmer warten.

Boeing wird die Unglücksmaschine 737 Max vorerst nicht mehr bauen. Darunter leiden auch zahlreiche Zulieferbetriebe.

Die Entscheidung des Flugzeugbauers Boeing, die Produktion des Problemfliegers 737 Max temporär einzustellen, ist auch ein Schlag für die amerikanische Wirtschaft. Gegen 600 Zulieferbetriebe sind direkt vom ­Baustopp betroffen, den Boeing nach einem monatelangen Hin und Her zu Wochenbeginn verkündete. Unter den Zulieferern befindet sich auch der Industriekonzern General Electric, der zusammen mit dem französischen Konzern Safran die Triebwerke des Flugzeugtyps herstellt.

Aufgrund der zentralen Rolle der Industrie in der amerikanischen Volkswirtschaft gehen Ökonomen davon aus, dass der Produktionsstopp im ersten Quartal des kommenden Jahres das Bruttoinlandprodukt landesweit um einen halben Prozentpunkt reduzieren könnte. In einzelnen Bundesstaaten, in denen Industriebetriebe zu den Stützen der lokalen Wirtschaft gehören, ist gar mit einem grösseren Einbruch zu rechnen. Sämtliche Lieferketten würden die Folgen der Entscheidung zu spüren bekommen, sagt der Ökonom Joseph Brusuelas des Wirtschaftsprüfers RSM.

Unternehmen sind weltweit betroffen

Damit leiden nicht nur die Betriebe an den Boeing-Stand­orten an der amerikanischen Westküste (Washington) und Ostküste (South Carolina). Betroffen sind auch Unternehmen in Kanada, Japan oder China. So wird das Seitenruder der Boeing 737 Max in China hergestellt, während das Höhenruder ­teilweise in Italien produziert wird.

Boeing kündigte am Montag zwar an, Verhandlungen mit den Zulieferbetrieben aufzunehmen. Aber letztlich wird es dem angeschlagenen Konzern schwerfallen, die Folgen des temporären Baustopps zu ­mindern. Schliesslich sieht sich Boeing mit dem weit grösseren Problem konfrontiert, dass in den vergangenen Monaten 400 Flugzeuge des Typus ­Boeing 737 Max produziert wurden, die auf einen Abnehmer warten.

Vollständig offen ist auch, wie die amerikanische Luftfahrtindustrie auf die erneute Hiobsbotschaft von Boeing reagieren wird. Eigentlich hatten Gesellschaften wie American Airlines oder Southwest Airlines fest damit gerechnet, dass die Boeing 737 Max spätestens Anfang 2020 wieder in Betrieb genommen werden könne.

Aufsichtsbehörde nimmt sich Zeit

Im Frühling ordnete die Aufsichtsbehörde weltweit ein Grounding der Unglücksmaschine an. Boeing ist es aber ­bisher nicht gelungen, die amerikanische Federal Aviation Administration von der Zuverlässigkeit der aufdatierten Steuerungssoftware zu überzeugen. Die US-Behörde will sich nicht erneut dem Vorwurf aussetzen, Boeing nicht ausreichend auf die Finger geschaut zu haben. Im Zusammenhang mit der ursprünglichen Inbetriebnahme der Boeing 73 Max untersucht die Behörde derzeit, ob im Rahmen des Zertifizierungsprozesses Fehler begangen und Warnsignale ignoriert wurden.

Die Software des Fliegers wird für den Absturz zweier Flugzeuge im Oktober 2018 und März 2019 verantwortlich gemacht. 346 Menschen starben. Die «Washington Post» berichtete diese Woche, Southwest sehe sich gezwungen, gegen 300 der 4000 täglichen Flüge auszusetzen, weil die Boeing 737 Max nicht zur Verfügung stehe. Der Billigflieger rechnet nun damit, dass der Flugzeugtyp frühestens im April wieder in Betrieb genommen werden kann.

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