Polit-Hickhack
Lockern die USA die Einreiseregeln nächste Woche? Die Swiss wäre froh – und würde «so rasch wie möglich» reagieren

Noch-Präsident Donald Trump will die Reisebestimmungen für Schengen-Passagiere vereinfachen. Sein Nachfolger Joe Biden widerspricht. Die Airlines wären auf jeden Fall in den Startlöchern.

Benjamin Weinmann
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Die Freiheitsstatue in New York wartet auf Touristen - kommen sie schon bald?

Die Freiheitsstatue in New York wartet auf Touristen - kommen sie schon bald?

Richard Drew / AP

Kann man oder kann man nicht? Die Frage, ob die USA schon bald wieder zum Land der unbegrenzten Reisemöglichkeiten wird, steht derzeit im Raum. Grund dafür ist eine Ankündigung der US-Regierung vom Montagabend. Demnach sollen bereits am kommenden Dienstag die Einreisebeschränkungen für Passagiere aus dem Schengen-Raum, aus Grossbritannien, Irland und Brasilien aufgehoben werden. Voraussetzung wäre bloss ein negativer Corona-Test.

Die Nachfrage für Buchungen dürfte gross sein. Schliesslich ist es seit vergangenem März für Nicht-Amerikaner beinahe unmöglich, in die USA einzureisen. Angesichts der grassierenden Pandemie, die weltweit nicht unter Kontrolle gebracht wurde, und der rund 400'000 Corona-Toten in den USA überrascht Trumps Ankündigung.

Joe Biden will Massnahmen verschärfen

Das sieht auch sein designierter Nachfolger Joe Biden so, der am Mittwoch in seinem Amt vereidigt wird. So hielt sein Team kurz nach Trumps Ankündigung dagegen und verkündete, dass man auf Anraten von Medizinern nicht vorhabe, die Beschränkungen demnächst aufzuheben. Im Gegenteil, man plane sogar die Gesundheitsmassnahmen in Bezug auf das internationale Reisen zu verschärfen, um die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen.

Die Swiss, die wirtschaftlich stark von den profitablen US-Flügen abhängt, hat das politische Hickhack mitbekommen. «Wir würden eine Lockerung natürlich begrüssen und würden so rasch wie möglich bei unserer Flottenplanung reagieren, um bereit zu sein», sagt eine Swiss-Sprecherin. Noch müsse man aber auf offizielle Informationen warten, so wie bei allen anderen Ländern auch.

Vereinfachtes Reisen ab Frühling in Europa?

Heisst: Zurzeit muss die Swiss wie alle anderen Airlines abwarten. So sagte Flughafen-Zürich-Chef Stephan Widrig letzte Woche im Interview mit dieser Zeitung im Hinblick auf eine mögliche Lockerung der USA-Einreiseregeln mit einem negativen Corona-Test: «Weltweit werden unterschiedliche und sich stetig ändernde Tests verlangt, das wird wohl auch noch einige Zeit so bleiben.» Er hofft, dass ab Frühling wenigstens in Europa wieder ein vereinfachtes Reisen möglich ist.

Bereits im November berichtete «Reuters» mit Bezug auf Regierungsinsider, dass das Weisse Haus über eine Aufhebung der Einreisesperre, des sogenannten Travel Bans nachdenke (CH Media berichtete).

Die Swissport-Tochterfirma Checkport bietet aufgrund der unübersichtlichen Situation neu einen telefonischen Info-Dienst an, der Auskunft über die aktuellen Einreiseregelungen weltweit gibt. Der gute Rat ist allerdings nicht günstig: Pro Minute kostet der Anruf 2.50 Franken.

Laut einer Sprecherin von Swissport, welche für viele Airlines den Check-in- und Boarding-Prozess übernimmt, führen die zahlreichen Regeln immer wieder zu Problemen vor der Abreise. So konnten von März bis November rund 5000 Passagiere aufgrund der Nichterfüllung von Covid-19-Einreisebestimmungen ihren Flug ab Zürich nicht antreten.