Wirtschaft

Party machen nur noch mit Lizenz: «Bravo Hits Partys» brauchen neu eine Bewilligung

Darf an keiner «Bravo Hits Party» fehlen: Die Songs von Blümchen.

Darf an keiner «Bravo Hits Party» fehlen: Die Songs von Blümchen.

«Bravo Hits Partys» steigen überall in der Schweiz. Jetzt hat eine deutsche Firma die Lizenz gekauft – mit Folgen für die Partygemeinde.

Captain Jack bringt die Menge zum Kochen, zu Blümchen wird getanzt, bei Dr. Alban singen alle mit: Einer der sicheren Werte im Schweizer Partyleben sind «Bravo Hits Partys». Oder besser waren: Sie sind nämlich merklich rarer geworden seit der Sommerpause.

Es ist aber nicht so, dass sich jetzt plötzlich guter Musikgeschmack durchgesetzt hat, sondern es geht um Abmahnungen und Lizenzgebühren. Die deutsche Firma Cartel Events hat sich die Lizenzen beim Bauer Verlag, der Besitzerin von «Bravo», besorgt und setzt diese nun auch in der Schweiz konsequent durch. «Bravo Hits Party» darf sich fortan nur noch nennen, wer eine entsprechende Lizenzgebühr nach Deutschland überweist.

Ein Club, der das tut, ist das Bierhübeli Bern, wie Geschäftsleiter Dave Naef sagt. Über die Höhe des Betrags will er keine Auskunft geben, sagt aber: «Bei einem ausverkauften Haus kompensieren wir diesen schon.» Auch im Kugl in St. Gallen und im Vegas in Luzern gibt es mittlerweile offiziell lizenzierte «Bravo Hits Partys».

In Clubkreisen spricht man von einem mittleren vierstelligen Betrag, der pro Party zu bezahlen sei. Die Lizenzgebühren seien aber abhängig von Grösse und Eintritt. Cartel Events gibt nicht preis, wie viel die Lizenzen kosten. Auch nicht, was die rechtlichen Konsequenzen sind, falls eine Party nicht lizenziert ist. Man setze auf Dialog, betont man in Bielefeld.

«Der saure Apfel, in den wir beissen müssen»

Acht der zehn Bravo Hits Partys pro Jahr in Bern seien ausverkauft, sagt Naef, rund 1000 Personen haben im Kulturhaus Platz, 20 Franken kostet der Eintritt an der Abendkasse. Partys sind der rentable Teil im Clubgeschäft – nicht selten subventionieren sie die Konzerte im gleichen Haus quer. Naef gibt zu, dass er die Gebühr nur ungern zahlt: «Wir haben diverse Abklärungen getroffen und auch die rechtliche Seite angeschaut. Schliesslich ist es wohl einfach der saure Apfel, in den wir beissen müssen, wenn wir das Label behalten wollen.»

Der Vorteil an der Marke «Bravo Hits Party» sei, dass sie nicht mehr aufgebaut und gepusht werden muss. «Es genügen ein Post auf Facebook und ein Bild auf Instagram, und der Vorverkauf läuft», sagt Naef. Im Lizenzvertrag ist geregelt, dass im direkten Umkreis keine andere «Bravo Hits Party» stattfinden darf. Lizenzen werden einmalig pro Stadt vergeben. Naef vom Bierhübeli findet dies aber keinen matchentscheidenden Punkt: «In der Clubszene spricht man miteinander. Wir schauen, dass wir nicht am gleichen Abend die gleiche Party machen und einander nicht die Logos klauen.»

Besonders ist vor allem die Tatsache, dass die Forderungen erst jetzt kommen: Die Lizenzforderer springen auf einen fahrenden Zug auf. «Bravo Hits Partys» gibt es in jedem grösseren Ort, und sie sind meistens garantierte Kassenschlager. Und zwar seit mittlerweile zehn Jahren, seither ist das Angebot stetig gewachsen.

Einer, der die «Bravo Hits Partys» in der Schweiz gross gemacht hat, ist Mario Stübi. An einer Geburtstagsfeier vor 14 Jahren ist die Idee geboren, bald war der Jugendraum in Luzern zu klein, und man wechselte in die Schüür, wo im Durchlauf über tausend Menschen pro Abend zu den Klängen der 1990er feierten. Schliesslich gab es in immer mehr Städten solche Partys, und das Ganze nahm eine Eigendynamik an.

«Flashback» statt «Bravo Hits»

Stübi legt heute noch an vielen «Bravo Hits Partys» in der Schweiz auf, oder jetzt halt an «Flashback» (Schüür, Luzern) oder «Backflash» (Kofmehl Solothurn). Jene Clubs, die keine Lust auf Lizenzgebühren haben, sind nämlich gezwungen, den Namen ihres Festes zu ändern. «Geändert hat sich eigentlich nichts – ausser eben dem Namen. Ich spiele immer noch die gleiche Musik», sagt Stübi. Auch in der Beschreibung der Anlässe auf der Homepage findet man immer noch «Bravo Hits» – einzig aus dem Titel muss es verschwinden, um vor Briefen der Lizenznehmer verschont zu bleiben.

Den Namen vorsorglich geändert haben das Kofmehl in Solothurn und auch die Luzerner Schüür. «Wir haben gehört, dass andere Clubs schon Post bekommen haben», sagt deren Leiter Marco Liembd. Ihnen war die Party aber vor allem zu stark gewachsen: «Wir hatten so viele Leute in und vor dem Haus, es war die logische Bremse, den Namen zu wechseln», sagt Liembd. Zwei Ausgaben waren unter neuem Namen nicht voll, mittlerweile ist der Anlass wieder ständig ausverkauft – ohne Gebühren.

Andere Partys, für die man Lizenzgebühren zahlt, kennt Liembd nicht. Er findet die Entwicklung aber bedenklich: «Im Prinzip ist ‹Bravo Hits› ja nur eine Beschreibung, was da für Musik läuft.»

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