Vor zwei Wochen war Thomas Bieger, Rektor der Universität St. Gallen, als Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding in Verbindung mit Marktmanipulationen gebracht worden.

Für ihn sei klar, dass solche Mandate «immer schwieriger mit der Exposition eines Rektors zu vereinbaren» seien, sagte Bieger damals. Es stelle sich die Frage, ob die künftige Rektorin oder der künftige Rektor der HSG noch Mandate wahrnehmen soll oder kann. Bieger selber bleibt noch bis 2020 im Amt.

Rektor Bieger ist keiner, der sich mit voreiligen oder gewagten Aussagen aus dem Fenster lehnt. Daher war schon damals klar: Universitätsintern dürfte der Konsens darüber, dass der künftige Rektor oder die künftige Rektorin der Universität St. Gallen keiner Nebenbeschäftigung mehr nachgehen darf, bereits weit fortgeschritten oder gar gefunden sein.

Gestern nun hat der Universitätsrat offiziell bekannt gegeben: Der künftige HSG-Rektor muss auf Nebentätigkeiten verzichten. Die Universität war zuletzt wegen Nebentätigkeiten von Rektor und Professoren wiederholt in der Kritik gestanden.

Mitte September hatte sie an ihrer Jahresmedienkonferenz bekannt gegeben, das Reglement für Nebentätigkeiten der Professoren zu überprüfen. Die nun getroffene verschärfte Regelung für den künftigen Rektor sei Teil «eines Prozesses, den wir bereits vor Monaten aufgegleist hatten», erklärt Stefan Kölliker, Präsident des Universitätsrats und St. Galler Bildungschef, auf Anfrage. Dabei seien sie von den aktuellen Fällen «eingeholt» worden. An seiner letzten Sitzung habe der Universitätsrat deshalb beschlossen, die Verbesserungen voranzutreiben.

Wiener Expertin berät HSG

Ausschlaggebend für das «Mandatsverbot» für den künftigen HSG-Rektor sei hauptsächlich dessen zeitliche Belastung gewesen. «Vor zehn Jahren war es noch machbar, dass der Rektor Nebentätigkeiten nachgeht.

Heute geht dies beim enormen Wachstum der Universität und bei der zunehmenden Komplexität der Aufgaben nicht mehr.» Wie sehr hat das mögliche Konfliktpotenzial allfälliger Nebentätigkeiten bei der neuen Regelung mitgespielt? Auch das sei eine Überlegung gewesen, räumt Kölliker ein.

Der vom Universitätsrat lancierte Prozess fokussiert nicht nur auf die Nebentätigkeiten und Spesen – «mit der Revision des Universitätsgesetzes erfolgt eine umfassende Analyse». Die HSG wird dabei von einer Expertin der Wirtschaftsuniversität Wien beraten – «diese Aussensicht ist wichtig und notwendig, um sich nicht dem Vorwurf der Befangenheit und eingeschränkter universitätsinterner Sicht auszusetzen», sagt Kölliker.

In diesem Jahr gerieten mehrere HSG-Exponenten in die Schlagzeilen. Neben Bieger ist Dozent Johannes Rüegg-Stürm eines der bekanntesten Beispiele. Rüegg-Stürm und der gesamte Verwaltungsrat der Raiffeisen waren wegen des Falls Vincenz heftig in die Kritik geraten. Die Finanzmarktaufsicht Finma wirft dem Gremium vor, den ehemaligen Geschäftsführer Pierin Vincenz quasi unbehelligt geschäften haben zu lassen.

Rüegg-Stürm trat bereits im März als VR-Präsident der Raiffeisen zurück. In der Folge kamen Fragen auf, was aus seiner Tätigkeit als HSG-Professor wird, die er weiterhin ausübte. Im Juni gab die HSG bekannt, dass Rüegg-Stürm eine Auszeit nimmt. «Professor Rüegg-Stürm hat sich entschieden, ab Herbst 2018 das von ihm aufgrund seines bisherigen Mandats bei Raiffeisen Schweiz bislang aufgeschobene Forschungsfreisemester zu beziehen», schrieb die Uni. Er werde daher nicht in der Lehre tätig sein.

Untersuchung wegen Spesen

Ebenfalls im Juni wurde Audi-Chef Rupert Stadler, der an der HSG eine Honorarprofessur innehat, wegen seiner Verstrickungen in die Dieselaffäre festgenommen. Kurze Zeit später informierte ein Sprecher der Uni St. Gallen: Es sei unklar, «ob die Voraussetzungen für eine Honorarprofessur von Rupert Stadler noch gegeben sind».

Daher habe die HSG «umgehend nach der Festnahme» dem Generalsekretariat von Stadler mitgeteilt, dass die Honorarprofessur «bis zum Abschluss des Verfahrens und der damit zusammenhängenden Klärung des Sachverhalts nicht mehr ausgeübt» werden könne. Dennoch gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Zudem gab die HSG im Sommer bekannt, dass sie gegen drei Personen eines nicht genannten Instituts ein Verfahren eröffnet hat. Der Grund sind mögliche massiv überhöhte Spesenbezüge.