Schweiz

Neue Ruag-Chefin Duca Widmer: zu Hause in der Männerwelt

Monica Duca Widmer an der gestrigen Medienkonferenz in Bern.

Monica Duca Widmer an der gestrigen Medienkonferenz in Bern.

Die Tessinerin Monica Duca Widmer wird Präsidentin der neuen Ruag-Beteiligungsgesellschaft. Die promovierte Chemieingenieurin politisierte viele Jahre für die CVP.

Zufall oder nicht. Just am Frauenstreiktag hat der Bundesrat einen wichtigen Personalentscheid zu Gunsten einer Frau gefällt. Die Tessinerin Monica Duca Widmer (59) wird Verwaltungsratspräsidentin der neuen Ruag-Beteiligungsgesellschaft. Sie soll die Entflechtung des staatlichen Rüstungskonzerns vollziehen.

Ab diesem Herbst wird Ruag in eine Beteiligungsgesellschaft mit zwei Subholdings umgemodelt. Eine davon, die MRO Schweiz, soll in den Händen des Bundes bleiben, die andere, Ruag International, soll als Luft- und Raumfahrttechnologieunternehmen schrittweise privatisiert werden.

«Frau Duca Widmer ist die ideale Person, um dem Verwaltungsrat dieses Unternehmens vorzustehen», meinte VBS-Chefin Viola Amherd an der gestrigen Medienkonferenz. Dabei lobte sie die Kompetenzen ihrer Parteikollegin, ohne allerdings die politischen Aktivitäten zu erwähnen. Duca Widmer war in ihrem Heimatkanton von 1995 bis 2011 CVP-Grossrätin, unter anderem auch Grossratspräsidentin. Doch 2011 beendete sie ihre politische Karriere nach dem Urnengang für die Nationalratswahlen, nachdem ihr Kollege Marco Romano die gleiche Stimmenzahl gemacht und per Losentscheid das Ticket nach Bern gelöst hatte.

Monica Duca Widmer an der gestrigen Medienkonferenz mit Bundesrätin Viola Amherd.

Monica Duca Widmer an der gestrigen Medienkonferenz mit Bundesrätin Viola Amherd.

   

Fokus auf berufliche Qualifikationen

Der Fokus lag gestern bei den beruflichen Qualifikationen von Duca Widmer, insbesondere ihre Erfahrungen bei der Auslagerung von Bundesaufgaben aus Unternehmungen. «Über eigene militärische Erfahrung verfüge ich nicht», antwortete sie auf eine Journalistenfrage. Doch immerhin: Seit elf Jahren sei sie Mitglied der Rüstungskommission. Zu Hause ist Monica Duca Widmer seit ihrem Studium allerdings in einer Männerwelt wie sie das Militär ist. Als sie 1978 an der ETH Zürich ihr Studium als Chemieingenieurin aufnahm, gab es nur zwei weibliche Studierende an der Fakultät. Sie promovierte später an der Universität Mailand und war in der Lebensmittelindustrie tätig, bevor sie 1992 mit der EcoRisana SA einen eigenen Betrieb mit dem Schwerpunkt Altlastensanierung gründete. Seit 2011 präsidiert sie den Verwaltungsrat der Cooperativa Migros Ticino.

Mandate, die zu möglichen Interessenkonflikten mit dem neuen Amt führen könnten, wird sie ablegen, hiess es. Darunter ihre Mandate als Vizepräsidentin der Rüstungskommission, des Ensi-Rates für Nuklearsicherheit und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW. Die Erwartungen an Frau Duca Widmer sind hoch, wie Amherd klarmachte. Dies betrifft auch Aspekte der Governance und Transparenz für einen bundesnahen Betrieb. Erst kürzlich war Ruag Aviation in Verdacht geraten, der Armee zu hohe Kosten verrechnet zu haben. Gelder sollen in Drittgeschäfte geflossen sein.

Sicher ist: Für Monica Duca Widmer, Mutter zweier erwachsener Söhne, ist die Ernennung durch den Bundesrat ein Höhepunkt in einer aussergewöhnlichen beruflichen Karriere. Zugleich ist es eine «grosse Ehre, Freude und Bürde», wie sie selbst sagte. Eine wichtige Voraussetzung bringt sie mit: Sie spricht alle drei offiziellen Landessprachen. Mit der deutschen Schweiz unterhält die Tessinerin schon lange intensive Kontakte, nicht nur beruflicher Art. Ihr Ehemann stammt aus Wil SG.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1