Reisefieber

Neue Analyse: Diese Passagier-Gruppen sorgen für den Boom am Flughafen Zürich

Das Reisefieber am Flughafen Zürich ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen.

Das Reisefieber am Flughafen Zürich ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen.

Eine Auswertung zeigt, dass vermehrt Frauen in den letzten zehn Jahren das Flugzeug als Verkehrsmittel wählten - und eine Bevölkerungsgruppe, die man vielleicht nicht erwarten würde.

Zu tausenden geht die heutige Jugend auf die Strasse, um gegen die Klimaerwärmung und die Vielfliegerei zu protestieren. Doch der Aviatik-Boom scheint nach wie vor keine Grenzen zu kennen. Auch nicht am Flughafen Zürich, wo die Passagierzahlen in den letzten zehn Jahren um 41 Prozent auf zuletzt 31 Millionen angestiegen sind. Eine neue Auswertung zeigt nun, wer besonders zum Wachstum in Kloten beigetragen hat.

Wie der Flughafen in einem Lobbying-Magazin schreibt, waren es zwischen 2008 und 2018 vor allem die weiblichen Lokalpassagiere. Ihre Buchungen legten am stärksten zu. Ihr Plus zwischen 2008 und 2018 beträgt 93 Prozent auf 10,2 Millionen. Die Mehrheit der Lokalpassagiere ist noch immer männlich mit einem Anteil von 54 Prozent. Ihr Wert stieg im gleichen Zeitraum aber nur 33 Prozent auf 12 Millionen Passagiere.

Die Geschlechterbalance über den Wolken ist damit beinahe hergestellt. Noch vor zehn Jahren betrug der Frauenanteil bei den Passagieren am Flughafen Zürich erst ein Drittel (CH Media berichtete). Reise-Experten erklären sich das starke Wachstum mit der veränderten Geschäftswelt, in der Frauen vermehrt in Führungspositionen eine Rolle spielen und entsprechend mehr geschäftlich reisen. Hinzu kommt, dass Frauen einkommensstärker werden.

Auch Julia Roberts spielt beim Boom eine Rolle

Laut Walter Kunz, Chef des Schweizer Reise-Verbands, hält ausserdem bei Frauen im höheren Alter das Reisefieber länger an. «Während es Männer aufs Alter hin oftmals gemütlich nehmen und eher zu Hause bleiben, scheuen sich ältere Frauen tendenziell weniger, längere Reisen anzutreten.»

Der weibliche Reiseboom ist auch international zu beobachten. Gemäss dem «Boston Globe» hatten auch Hollywood-Filme wie «Eat, Pray, Love» (2010) einen Einfluss. Darin bereist Julia Roberts’ Filmfigur nach ihrer Scheidung die Welt. Insbesondere Frauen der Millennial-Generation, die zwischen 1980 und 2000 geboren sind, gelten als reiseaffin. Sie sind bereits mit den Eltern als Kinder verreist oder haben im Ausland studiert und pflegen Freundschaften in verschiedenen Ländern.

Pikant: In Sachen Wachstum bei den Lokalpassagieren folgen gleich hinter den Frauen die jungen Reisenden im Alter von 16 bis 25 Jahren mit einem Plus von 91 Prozent. Also jene Altersgruppe, die besonders häufig an Klimaprotesten zu sehen ist.

Dreht der Wind bald?

Der Flughafen Zürich nutzt die Zahlen, um im Lobbyingheft für seine Ausbau-Anliegen gegenüber der Politik und Interessenvertretern zu bekräftigen: «Sämtliche Prognosen von Bund und Luftfahrtbranche gehen von einem Wachstum des Passagieraufkommens aus.» Der Druck auf die hiesigen Verkehrsinfrastrukturen werde weiter zunehmen. Noch nie habe der Hub Zürich so viele Spitzentage mit mehr als 100000 Passagieren erlebt als 2019. Bis 2040 rechnet der Flughafen mit rund 50 Millionen Passagieren.

Allerdings könnte der Wind drehen. Anzeichen dafür gibt es. Das Wachstumsziel für das laufende Jahr von 3 Prozent musste der Flughafen auf 2 Prozent korrigieren, wobei das Plus nach den ersten drei Quartalen nur 1,6 Prozent beträgt. Im Vergleich mit anderen deutschsprachigen Flughafen wie Basel (+9 Prozent), Frankfurt (+2,3), München (+4,4) und Wien (+19,5) ist dies deutlich weniger, wie «20 Minuten» kürzlich berichtete. Noch bemerkenswerter: Seit Juli sank die Zahl der Lokalpassagiere in Zürich. Ein Plus resultierte nur, weil mehr Transferpassagiere via Zürich reisten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1