Wirtschaft

Nächste Chance für Jeannine Pilloud

Jeannine Pilloud.

Jeannine Pilloud.

Die Beinahe-Migros-Präsidentin will die Technologiefirma Ascom endlich auf Erfolg trimmen.

Jeannine Pilloud ist eine Kämpfernatur, die sich von Niederlagen nicht entmutigen lässt. Nur drei Wochen nach der überraschend klaren Niederlage in der Kampfwahl um das Migros-Präsidium stellte sich die ehemalige Leiterin des SBB-Personenverkehrs im April als Präsidentin der Technologiefirma Ascom zur Wahl. Der bisherige Präsident Andreas Umbach gab sein Amt ab und ist nun gewöhnlicher Verwaltungsrat.

Im Gegensatz zur Migros errang Pilloud dieses Mal einen diskussionslosen Sieg – nicht nur, weil es keine Gegenkandidaten gab. Vielmehr geniesst die 55-jährige Managerin das Vertrauen der grössten Aktionäre, allen voran der Zürcher Beteiligungsgesellschaft Veraison, die man für ihren unzimperlichen Umgang mit Firmenchefs kennt.

Pilloud will das Tempo erhöhen

Schon Wochen vor der Wahl beklagte sich Veraison-Gründer Gregor Greber öffentlich über den Schlendrian bei den Zuger Spezialisten für Spitalkommunikationslösungen. Die operative Führung habe sein Vertrauen verloren, das Potenzial von Ascom werde nicht ausgeschöpft, schimpfte Greber in der Zeitung «Finanz und Wirtschaft».

Nun zieht Pilloud auch im Management die Fäden. Am Montag übernahm sie zusätzlich den Chefposten. Der Deutsche Holger Cordes musste Ascom nach drei Jahren als Chef verlassen. Die Entwicklung der Gruppe sei in die falsche Richtung gegangen, sagte die Zürcherin an einer Telefonkonferenz. «Deshalb mussten wir sofort reagieren.» An der strategischen Ausrichtung werde nichts geändert, «aber wir wollen das Tempo erhöhen». Ascom musste im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang um 4,2 Prozent auf 137 Millionen Franken hinnehmen. Während die Herstellung von schnurlosen Telefonen einen Einbruch um 30 Prozent erlebte, blieb auch das wichtigere Neugeschäft mit der Spitalkommunikation hinter den Erwartungen zurück.

Pilloud will jetzt grundsätzlich über die Bücher und Partnerschaften zur Stärkung des internationalen Vertriebs ausloten. Auf den Tisch kommt auch die Option, das ganze Unternehmen zu verkaufen. Über die Präferenz von Veraison, die einen Anteil von über fünf Prozent besitzt, wollte sich Greber auf Anfrage nicht äussern. Auskunftsfreudiger zeigte sich der deutsche Fondsmanager Ufuk Boydak, dessen Gesellschaft Loys Investment über drei Prozent der Ascom-Anteile besitzt. «Ascom ist ein super Übernahmeziel», sagt der Investor. Er zähle fest darauf, dass Pilloud einen guten Preis herausholen könne. Selber wollte sich diese gestern noch nicht konkret zur Verkaufsoption äussern.

Die Ungeduld der Ascom-Aktionäre hat einen einfachen Grund. Bei einem Kurs von knapp über 10 Franken notieren die Papiere auf einem Sechsjahrestief. Die schlechten Halbjahreszahlen liess die Aktien gestern um knapp 17 Prozent abstürzen. Ascom beschäftigt immer noch 1400 Mitarbeiter, davon aber nur noch knapp 100 in der Schweiz.

Autor

Daniel Zulauf

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