Wirtschaft

Nach Ausstieg aus Pensionskassengeschäft mit voller Kapitalgarantie: Für Axa hat sich der Wechsel gelohnt

Constance Reschke, Leiterin Berufliche Vorsorge bei Axa. (Bild: ZVG)

Constance Reschke, Leiterin Berufliche Vorsorge bei Axa. (Bild: ZVG)

Dank Neuausrichtung und Börsenboom kann Axa Rentenguthaben höher verzinsen. Doch nicht alle Kunden tragen den neuen Kurs mit.

Es war ein Paukenschlag: Der Versicherungskonzern Axa gab im Frühling 2018 überraschend den Ausstieg aus dem Pensionskassengeschäft mit voller Kapitalgarantie bekannt. Das heisst: Bei der Axa tragen neu Unternehmen und Versicherte das Anlagerisiko ihrer Pensionskassengelder selber, es gibt keine Garantien wie bei einer Vollversicherung.

Im Gegenzug stellte Axa den Versicherten dank dem Systemwechsel bis zu 40 Prozent höhere Renten in Aussicht – in den meisten Fällen zumindest ein Plus von 20 Prozent. Die Begründung: Ab Januar 2019 konnte der Versicherungskonzern die Pensionskassengelder riskanter anlegen und damit auf mehr Rendite hoffen. Dies, weil das teilausgelagerte Geschäft nicht mehr den strengen Kapitalvorschriften einer Versicherungsgesellschaft unterliegt. «Die von der Finma beaufsichtigte Vollversicherung muss mit risikogewichtetem Eigenkapital unterlegt werden, was meist zu einer defensiven Anlagestrategie zwingt», erklärt Simon Tellenbach, Leiter Firmenkunden vom VZ Vermögenszentrum. Der Aktienteil im Vollversicherungsbereich sei daher sehr tief. Er liegt bei den im Markt verbliebenen Anbietern zwischen 3 und 8 Prozent. Dominant im Portfolio sind in der Regel hochwertige Obligationen. Im letzten Jahr waren so die Renditeaussichten nicht sehr hoch.

Erwartungen dank gutem Börsenjahr übertroffen

Axa jedoch hat Anfang 2019 das Schweizer Vorsorgemodell radikal umgekrempelt und den Aktienanteil in der Anlagestrategie stark erhöht. Zahlen von November zeigen, dass sie 25 Prozent der Pensionskassengelder in Aktien hielt. Noch im vergangenen Frühling rechnete Axa, dass sie dadurch eine höhere Rendite erzielen dürfte und so die Vorsorgeguthaben mit 1,75 bis 2,5 Prozent Zins statt wie bisher mit 1 Prozent verzinsen kann. Nun zeigt sich: Dank des starken Börsenjahres – der Leitindex SMI der Schweizer Börse legte 2019 um 25 Prozent zu – liegen die Zinssätze gar noch höher. So bezahlt die Axa-Stiftung BVG für die Deutschschweiz im Obligatorium 3 Prozent Zins, im Überobligatorium sogar 3,75 Prozent Zins.

Zum Vergleich: Die Zinssätze bei den fünf verbliebenen Vollversicherern Swiss Life, Helvetia, Allianz Suisse, Bâloise und Pax liegen beim vom Bund vorgeschriebenen Minimalzins von 1 Prozent im obligatorischen Bereich. Im überobligatorischen schwankt bei ihnen der Zins zwischen 0,125 und 1 Prozent.

«Bereits nach dem ersten Jahr zeigt sich: Unser Wechsel in die Teilautonomie war der einzig richtige Schritt», sagt Constance Reschke, Leiterin Berufliche Vorsorge bei der Axa. Die rund 340'000 Versicherten profitierten 2019 von 600 Millionen Franken mehr Zins. «Das wäre uns im engen regulatorischen Korsett der Vollversicherung nicht möglich gewesen», sagt Reschke, die betont, dass der Deckungsgrad auch nach der Ausschüttung bei 111 liege. Stresstests hätten zudem ergeben, dass der durchschnittliche Deckungsgrad dank dem soliden finanziellen Polster selbst auf dem Höhepunkt einer neuerlichen Finanzkrise im Ausmass von 2008/2009 nie unter 99 Prozent fallen würde.

Auch im Vergleich mit den anderen Sammelstiftungen weist Axa einen hohen Zins aus: Bei der Asga etwa liegt der Zins für den obligatorischen und den überobligatorischen Bereich bei 2,75 Prozent. Bei der Groupe Mutuel liegt er für beide Bereiche bei 2 Prozent, für 2020 gar bei 3 Prozent – unabhängig vom Anlageergebnis. Die Sammelstiftung Vita verzinst die Altersguthaben ihrer Aktivversicherten für das Jahr 2019 mit einem maximalen Zins von 2,4 respektive 2,65 Prozent.

Den neuen Axa-Kurs tragen allerdings nicht alle Kunden mit – 10 Prozent der Firmen mit 17 Prozent der Versicherten setzen weiterhin auf die Vollversicherung und wechselten den Anbieter. Davon hat Platzhirsch Swisslife die meisten Kunden aufgenommen.

Autor

Roman Schenkel

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