Solarzulieferer

Meyer Burger braucht dringend einen Turnaround

Produktionsgebäude von Meyer Burger in Thun

Produktionsgebäude von Meyer Burger in Thun

Der Solarzulieferer Meyer Burger hat im ersten Halbjahr 2013 gemäss vorläufigen Ergebnissen 81,9 Mio. Franken Verlust eingefahren. Das Unternehmen konnte aber auch neue Aufträge an Land ziehen.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA weist ein Minus von 58,6 Millionen Franken aus, wie das Unternehmen aus Thun am Montagabend meldete. Der Umsatz habe sich auf 90,4 Millionen Franken belaufen.

Das Unternehmen informierte auch über den Gewinn von neuen Aufträgen im Wert von 22 Millionen Franken. Sie stammen von neuen Kunden in Asien.

Meyer Burger braucht dringend einen Turnaround. Im letzten Jahr waren Umsatz und Aufträge massiv zurück gegangen. Es gab einen Verlust von fast 116 Millionen Franken. Die liquiden Mittel halbierten praktisch. Im Frühling musste Meyer Burger seine Aktionäre um frisches Geld bitten.

Analysten zeigten sich skeptisch. Trotz der Aufträge habe Meyer Burger die «Durststrecke noch nicht überwunden», heisst es bei der Zürcher Kantonalbank ZKB. Laut den Analysten beim Broker Helvea bestehe mehr negatives als positives Überraschungspotenzial. Um auf das Jahresumsatzziel von 400 Millionen Franken zu kommen, müssten die Verkäufe in der zweiten Jahreshälfte mehr als verdreifacht werden. «Die Unsicherheit bezüglich der Prognose für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 bleibt hoch», heisst es auch im Kommentar der Bank Vontobel.

Kritik am CEO wächst

Am Markt wächst Kritik am Meyer-Burger-CEO. Peter Pauli habe spätestens seit 2011 den kommenden Einbruch des Geschäfts unterschätzt und nicht rechtzeitig Gegensteuer gegeben. Anstelle das Unternehmen im unbestritten extrem schwierigen Umfeld durch den Zyklus zu steuern, zeige sich Pauli hinsichtlich der längerfristigen Perspektiven für die Branche zu optimistisch. «Er macht keine gute Falle als Schlechtwetterkapitän», fasst ein Experte zusammen.

«Es wird gelegentlich nicht verstanden, dass wir das Unternehmen strategisch und nachhaltig so entwickeln, dass wir entlang der Photovoltaik- Wertschöpfungskette und auch hinsichtlich der Technologien optimal aufgestellt sind», sagt Peter Pauli im Gespräch mit der «Nordwestschweiz». Entscheidend sei gewesen, dass man sich rechtzeitig durch Zukäufe verstärkt hatte und heute als einziger integrierter Anbieter von Produktionsequipment ein Produktportfolio und Prozesswissen kontrolliere, mit der man am Markt bestehe.

Für Pauli ist es für das laufende Jahr vor allem entscheidend, «was an Aufträge hereinkommt und damit dem Unternehmen die erforderliche und nachhaltige Stabilität gibt».
Die Solarbranche habe die Talsohle erreicht. «Die Aktivitäten bei Projekten ist heute eine andere als noch vor sechs Monaten», sagt Pauli . Entscheidend sei die Frage, wer neue Projekte finanziert.

Dabei spielten neue Investoren, die aus dem Umfeld von Versicherungen oder Pensionskassen kommen, eine immer wichtigere Rolle. Diese Investoren suchen Infrastrukturprojekte, die auf Jahre stabile, wiederkehrende Einnahmen versprechen, als Ersatz zu den niedrigen Zinsen auf den Kapitalmärkten.
An der Börse stieg der Aktienkurs bis zum Abend um 8 Prozent.

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