Rohstoffhandel
Glencore: Neuer Chef und noch mehr Kohle

Beim Rohstoffkonzern übernimmt Gary Nagle das Zepter von Ivan Glasenberg – und das gleich mit der Akquisition einer Kohlemine.

Daniel Zulauf
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Gary Nagle übernimmt am 1. Juli den Chefsessel bei Glencore.

Gary Nagle übernimmt am 1. Juli den Chefsessel bei Glencore.

Luzerner Zeitung

Während 20 Jahren stand Ivan Glasenberg an der Spitze von Glencore. Der gebürtige Südafrikaner und Wahlschweizer hat aus dem von Marc Rich gegründeten Zuger Rohstoffhändler den weltgrössten privatwirtschaftlichen Kohleproduzenten gemacht. Nun hat der 64-jährige den Chefsessel für seinen 20 Jahre jüngeren Nachfolger Gary Nagle geräumt. Auch er ist ein Südafrikaner, der das Metier des Rohstoffhändlers im Kohlegeschäft erlernt hat.

Nagle wird Glencore aus dem Kohlegeschäft herausführen müssen, denn der Brennstoff ist für einen sehr bedeutenden Teil der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Und Glencore ist hinter den riesigen staatlichen Kohleförderkonzernen in Indien und China der grösste privatwirtschaftliche Kohleproduzent weltweit.

Zwei Tage vor Abgang: Noch mehr Kohle zugekauft

Nur zwei Tage vor der Stabsübergabe macht der scheidende CEO diese schwierige Hinterlassenschaft noch etwas grösser. So macht sich Glencore nun auch zur Alleineigentümerin des kolumbianischen Kohleproduzenten Cerrejon, an dem die Zuger bislang nur mit einem Drittel beteiligt waren. Am Dienstag hat Glencore bekannt gegeben auch die Anteile ihrer bisherigen Jointventure-Partner BHP aus Australien und Anglo American aus Grossbritannien zu übernehmen. Die kolumbianische Mine hat 2019 im Tagbau rund 26 Millionen Tonnen Kraftwerkskohle gefördert und ist damit eine der grössten Förderstätten ihrer Art weltweit. Glencore produzierte 2019 rund 140 Millionen Tonnen Kohle.

Ironischerweise hat Glencore zeitgleich mit der gestrigen Ankündigung des Zukaufs in Kolumbien die eigenen Klimaziele erhöht. Die Firma will ihren CO2-Fussabdruck bis 2035 neuerdings um 50 Prozent statt wie bisher um 40 Prozent reduzieren. Für Glasenberg ist das kein Widerspruch. In einer Medienmitteilung betonte er vielmehr die Überlegenheit der eigenen Klimastrategie: «Der Verkauf fossiler Rohstoffvorkommen ist nicht die Lösung. Die Rohstoffe werden so nur zum Thema von jemand anderem und es kommt absolut gesehen zu keiner Senkung der Emissionen.»

Doch Glasenberg scheint in der Flucht seiner Konkurrenten aus der Kohle auch geschäftliche Opportunitäten zu wittern. Die Kosten für den Kauf der zusätzlichen Cerrejon-Anteile seien durch die Einnahmen aus der Mine in nur zwei Jahren wieder eingespielt, teilte Glencore weiter mit.

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