Wirtschaft

Mehr als Crypto Valley: Das sind die besten Zentralschweizer Start-ups

Auf der Liste der hundert vielversprechendsten Start-ups der Schweiz befinden sich fünf aus Zug und zwei aus Luzern. Sie haben während der Coronakrise millionenschwere Finanzierungen abgeschlossen.

Selbst die Coronakrise hat die dynamische Start-up-Welt nicht zum Erliegen gebracht. 763,4 Millionen Franken Risikokapital wurden im ersten Halbjahr in Schweizer Jungfirmen investiert. Das ist zwar deutlich weniger als die 1,2 Milliarden Franken im gleichen Zeitraum des Rekordjahrs 2019, aber auch deutlich mehr als die 456,1 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2018, wie der jüngst veröffentlichte Swiss Venture Capital Report zeigt.

Jan Brzezek, Gründer des Zuger Finanztechnologieunternehmens Crypto Finance.

Jan Brzezek, Gründer des Zuger Finanztechnologieunternehmens Crypto Finance.

Grosse Finanzierungsrunden gab es in den letzten Monaten auch in der Zentralschweiz. Der in Zug ansässige Spezialist für Krypto-Anlagen Crypto Finance hat im April 14 Millionen Franken erhalten. Mit dieser Finanzierung steigt das bisher aufgenommene Kapital des Jungunternehmens auf insgesamt 36 Millionen Franken. Das vor drei Jahren gegründete Start-up bietet eine Reihe von Finanzdienstleistungen für institutionelle Kunden an.

Peter Nestorov, CEO des Surseer Start-ups Scailyte.

Peter Nestorov, CEO des Surseer Start-ups Scailyte.

Weiter konnte auch das Surseer Softwareunternehmen Scailyte während der Coronakrise 3,1 Millionen Franken einsammeln. Die Firma entwickelt eine Software, mit der sich die Analyse von Millionen einzelner Zellen beschleunigen lässt. Damit sollen Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer früher erkannt werden können. Der Zuger Babybreihersteller Yamo erhielt Anfang Juli 10 Millionen Euro und just am Mittwoch gab das Zuger Bildkomprimierungs-Start-up Dotphoton bekannt, eine Finanzierung in siebenstelliger Höhe abgeschlossen zu haben.

Das Team des Zuger Babybrei-Start-ups Yamo.

Das Team des Zuger Babybrei-Start-ups Yamo.

Diese vier Jungfirmen gehören zu den aktuell erfolgreichsten in der Region Zentralschweiz. Sie figurieren denn auch im Ranking der hundert besten Start-ups des Landes, das am Mittwochabend zum zehnten Mal veröffentlicht worden ist. Die «Top 100 Swiss Startup Awards» werden seit 2011 jährlich vergeben. Hinter der Veranstaltung steht das Programm Venturelab, das Schweizer Startup-Talente fördern und für Investoren bereit machen will. Die meisten Start-ups auf der Liste stammen aus den Kantonen Zürich und Waadt. Sieben sind in der Zentralschweiz zu Hause. Von diesen sieben stammen wiederum fünf aus dem Kanton Zug und zwei aus Luzern:

  • 16. Platz: Crypto Finance, Krypto-Anlagen, Zug
  • 20. Platz: Yamo, Babybrei, Zug
  • 32. Platz: Dotphoton, Bildkomprimierung, Zug
  • 51. Platz: Guuru, Chat-Support, Hünenberg
  • 71. Platz: Scailyte, Einzelzellanalyse, Sursee
  • 72. Platz: Altoida, Alzheimer-Risiko-App, Luzern
  • 77. Platz: Instimatch Global, Plattform für Geldmarktprodukte, Baar
Finanzexperte Maurice Pedergnana.

Finanzexperte Maurice Pedergnana.

«Die Region Zentralschweiz muss sich nicht verstecken», konstatiert Maurice Pedergnana. Der Finanzexperte ist Geschäftsführer der Investorenvereinigung Seca, die zusammen mit anderen Vereinigungen und Firmen die Top-100-Liste ermittelt. Laut Pedergnana ist es bemerkenswert, dass der verhältnismässig kleine Kanton Zug mehr Vertreter auf der Liste hat als Basel-Stadt. Die Region Zentralschweiz profitiere davon, dass sie zentral gelegen sei und auch eine gute Lebensqualität biete. «Ein Start-up-Unternehmer will nahe am Zentrum sein, er braucht aber auch Rückzug, um sein Geschäftsmodell in Ruhe zu entwickeln.»

«Der Standort Zentralschweiz wird für Start-ups immer wichtiger», sagt auch Isabelle Mitchell von Venturelab. In der Zentralschweiz sei vor allem Zug ein Hotspot, welcher über die Grenzen des Crypto Valley hinausgehe und verschiedene Industrien abdecke. Aber auch Luzern mit der dortigen Hochschule trage dazu bei.

Das Zuger Unternehmen Authena (vormals Acatena) hat dieses Jahr die Publikumsabstimmung gewonnen. «Dieser Sieg zeigt, dass die Start-ups der Region im Ökosystem eine wichtige Rolle spielen», so Mitchell. Authena hat eine Technologie entwickelt, welche die Rückverfolgung von Produkten vom Standort bis zum Verbraucher ermöglicht und so zur Verhinderung von Fälschungen und Betrug beiträgt.

9’553 Arbeitsplätze geschaffen und 5,4 Milliarden Milliarden erhalten

Doch wie viel ist die Platzierung in dem Ranking wert? «Die Jury besteht aus hundert Experten, welche tagtäglich mit Start-ups arbeiten und daher das Schweizer Start-up-Ökosystem sehr gut kennen», erklärt Isabelle Mitchell von Venturelab. Jedes Jurymitglied wählte zehn Start-ups aus und vergab zehn Punkte für den ersten Platz und einen Punkt für den zehnten Platz.

«Die Erfolge der Top-100-Start-ups in den vergangenen Jahren zeigen, dass die Experten die nötige Erfahrung haben, um das Potenzial der Start-ups gut einschätzen zu können», so Mitchell. In den letzten zehn Jahren wurden insgesamt 435 Start-ups ausgezeichnet, die 9’553 Arbeitsplätze geschaffen und 5,4 Milliarden Franken von Investoren erhalten haben. Mitchell: «47 Exits und drei Börsengänge runden die Leistungen dieser Gründerinnen und Gründer ab.»

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