Zuckerwaren

Lifestyle-Zeltli für die Chinesen made in Beinwil am See

14 Anbieter von industriell gefertigten Süssigkeiten gibt es in der Schweiz. Der Konkurrenzkampf ist hart. Trotzdem behauptet sich die Firma Halter Bonbons AG mit Sitz in Beinwil am See.

Sie zergehen auf der Zunge, kleben an den Zähnen oder zerfallen, sobald wir auf sie beissen: «Zeltli» oder «Dääfeli». Ganze 3,3 Kilogramm werden hierzulande pro Kopf und Jahr gelutscht. Es ist ein hart umkämpftes Geschäft: In der Schweiz buhlen 14 industrielle Zuckerwaren-Hersteller um die Gunst der Konsumenten. 2014 setzte die Branche 353 Millionen Franken um, ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Am Ergebnis beteiligt ist, neben dem wohl bekanntesten Zuckerwaren-Hersteller Ricola, auch die Halter Bonbons AG mit Sitz in Beinwil am See. Die Firma mit 30 Mitarbeitenden behauptet sich seit bald 110 Jahren.

Zeltli mit Wirkung gewünscht

Reichen die Kassenschlager, wie etwa Haschi und Halter Caramel, um sich gegen die Konkurrenz zu wehren? Nein, nicht wenn man sich weiterentwickeln will, sagt der Verwaltungsratspräsident von Halter, Christoph Richterich. Nur mit Innovationen und neuen Geschmacksrichtungen gelinge es, mitzuhalten. Denn: «Die Bedürfnisse haben sich geändert.» Während ein Bonbon früher einfach nur süss sein musste, würden Konsumenten heute Zusatznutzen verlangen. Etwa, dass es mit Vitaminen oder sonstigen Nährstoffen angereichert ist.

Um diesem neuen Kundenbegehren gerecht zu werden, hat Halter im letzten Jahr drei sogenannte Lifestyle-Bonbons lanciert. Das sind Zeltli mit spezieller Wirkung, auf die der Konsument zurückgreifen soll, wenn er in die Gänge kommen möchte. Möglich machen dies Zutaten wie Aloe Vera, Folat, Kollagen und Vitamine. Wie weit sich die Neuheiten auf das Ergebnis auswirken, gibt Richterich nicht bekannt. Halter veröffentliche generell keine Geschäftszahlen, sagt er. Nur so viel: «Wir wachsen im einstelligen Prozentbereich.»

Mehr Einblick in die Zahlen gibt der Kräuterbonbons-Hersteller Ricola mit Sitz in Laufen BL. 315,9 Millionen Franken setzte das Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern im vergangenen Jahr um. 90 Prozent im Ausland.

Genau umgekehrt ist es bei Halter: Drei Viertel des Umsatzes wird in der Schweiz generiert. Das Exportgeschäft sei deshalb nicht unbedeutend, macht Richterich klar. Heute sei man in 23 Ländern präsent, unter anderem in Amerika, Frankreich und Brasilien, seit Januar auch in China. «In Zukunft wollen wir die Partnerschaften ausbauen», so der 53-Jährige. Und dies trotz Frankenstärke. Halter habe zu spüren bekommen, dass die Ausfuhren nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zurückgegangen seien. Dennoch habe man weder Preise erhöhen noch Mitarbeitende entlassen müssen.

Dass der starke Franken Auswirkungen auf die Firmen gehabt hat, zeigen die Zahlen des ersten Quartals: Die Branche habe eine deutliche Umsatzeinbusse im Export verzeichnet, sagt der Direktor des Verbands Biscosuisse, Urs Furrer. Auch im Inland sei ein leichter Umsatzrückgang zu verzeichnen. «Der Druck durch billige Importware nimmt zu.» Nun gelte es, die Effizienz zu erhöhen und die Qualität hervorzuheben, meint Furrer.

Kundenloyalität stärken

Der Firma Halter kommt zugute, dass sie als Schwesterunternehmen des Zuckerwaren-Herstellers F. Hunziker über ein gemeinsames Entwicklungsteam verfügt und einen Teil der Zeltli in deren neuen Anlage produzieren kann. «Auf diese Weise können wir die Effizienz steigern», sagt Richterich. Zudem versuche Halter, den Aufbau der Märkte ausserhalb des Euro-Raums voranzutreiben, etwa im Fernen Osten. Dasselbe tut auch Ricola, vor allem in Amerika und Asien. Und wie sieht es mit dem Heimmarkt aus? Es gelte, die Loyalität der Kunden zu stärken, sagt Richterich. Zudem wolle man die Lifestyle-Bonbons erfolgreich platzieren, den Vertrieb in den Verkaufskanälen ausweiten und neue Produkte entwickeln.

Ziel sei es natürlich, das Ganze profitabel zu führen. Der VR-Präsident ist sich sicher, dass es klappt: «Wir haben gute Leute, wir haben die Infrastruktur. Wir sind parat.»

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