Kommentar
Quarantäne-Skandal: Der CS-Präsident entlarvt sich selbst

António Horta-Osório, der mit grossen Worten angetreten war, den Ruf der Credit Suisse wiederherzustellen, hat mehr als nur einen Fauxpas begangen. Wenn er seinen Job trotzdem behalten kann, liegt das vor allem daran, dass die Grossbank zurzeit schon an zu vielen Fronten kämpft.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Kann er sich im Amt halten: António Horta-Osório, seit April 2021 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.

Kann er sich im Amt halten: António Horta-Osório, seit April 2021 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.

Ben Stansall / AFP

Nach seiner Wahl zum neuen Credit-Suisse-Präsidenten sprach António Horta-Osório zu den Aktionären: «Einen guten Ruf kann man über viele Jahrzehnte erwerben, aber über Nacht wieder verlieren.»

Horta-Osório meinte damit die Bank, deren Reputation unter den Archegos- und der Spitzelaffären gelitten hat. Doch nun fällt die Aussage auf ihn selbst zurück.

Der 57-jährige Banker hat gegen die Quarantänepflicht verstossen. Er flog aus dem Omikron-Risikogebiet Grossbritannien in die Schweiz und jettete dann drei Tage später weiter in den Süden. Obwohl eine Abklärung ergeben hatte, dass auch für ihn, den von der englischen Königin zu Ritter geschlagenen Bankpräsidenten, die zehntägige Quarantäne gilt.

Das ist mehr als ein Fauxpas bei jemandem, der höchste Ansprüche an andere stellt. So sagte er in der erwähnten Rede:

«Wir müssen eine risikobewusste Kultur fördern und das Augenmerk auf die persönliche Verantwortung und Rechenschaft legen.»

Gemessen an den eigenen Worten, müsste Horta-Osório, der gern von «Führung durch Vorbild» spricht, jetzt zurücktreten.

Freiwillig wird er das kaum tun, und ob ihn die Verwaltungsratskollegen dazu drängen, ist eher unwahrscheinlich. Denn die CS steckt in grossen Problemen, sie kann sich eine weitere personelle Baustelle – ganz oben – kaum leisten. Doch auch wenn Horta-Osório sich im Amt halten sollte: Seinen Ruf und seine Ehre hat er verloren.