Coronakrise

Keine Kapazitätsbeschränkung für Skigebiete – Gondeln und Co. dürfen aber nur zu zwei Dritteln gefüllt sein

Ansteckungsgefahr beim Anstehen vor dem Sessellift: Ein Polizist kontrolliert in Verbier VS, ob die Schutzkonzepte eingehalten werden.

Ansteckungsgefahr beim Anstehen vor dem Sessellift: Ein Polizist kontrolliert in Verbier VS, ob die Schutzkonzepte eingehalten werden.

Damit Skigebiete über die Feiertage nicht zu Corona-Hotspots werden, hat der Bundesrat die Auflagen verschärft. Eine von den Berglern befürchtete Einschränkung wurde nicht beschlossen.

Der Wintersport war diese Woche das Thema Nummer 1. Aufgrund der immer noch hohen Fallzahlen wurde viel über zusätzliche Corona-Massnahmen in den Bergen über Weihnachten und Neujahr spekuliert. Vertreter der Bergkantone wehrten sich gegen weitere Verschärfungen – teilweise mit Erfolg, wie der Beschluss des Bundesrats vom heutigen Freitag nun zeigt. Die befürchtete Kapazitätsbeschränkung der durchschnittlichen Besucherzahl auf 80 Prozent wurde nicht beschlossen. Für den Betrieb über die Feiertage gelten nun folgende Regeln:

  • In allen geschlossenen Transportmitteln, also Zügen, Gondeln und Seilbahnen, dürfen nur zwei Drittel der Plätze besetzt werden. Das gilt für Sitzplätze und Stehplätze.
  • Die Skigebiete brauchen für den Betrieb neu eine Bewilligung des Kantons. Der Kanton kann diese Bewilligung nur erteilen, wenn dies die epidemiologische Lage im Kanton erlaubt und die Kapazitäten im Contact Tracing, in den Spitälern und beim Testen vorhanden sind.
  • Der nötige Abstand zwischen den Personen muss immer eingehalten werden können. Wer ansteht, muss ausserdem eine Maske tragen. Eine Maskenpflicht gilt auch auf allen Bahnen und Skiliften.
  • Restaurants in Skigebieten können geöffnet bleiben. Die Gäste dürfen nur ins Restaurants gelassen werden, wenn für sie ein Tisch frei ist. Die Restaurants dürfen bis 17.30 Uhr Gäste einlassen.
  • Neu müssen auch die Wintersportorte selber Schutzkonzepte erarbeiten, um die Risiken des grossen Besucheraufkommens zu minimieren. Unter anderem sind Après-Ski-Aktivitäten im Dorf zwingend zu vermeiden.

«Das Ziel ist, die Skigebiete auch über die Feiertage offen zu halten», sagte Bundesrat Alain Berset. Wie bereits an der letzten Medienkonferenz machte der Gesundheitsminister aber deutlich, dass der Betrieb der Wintersportorte für den Bundesrat nicht das wichtigste Thema sei. «Es geht um die Bekämpfung der Pandemie. Die momentane Situation ist besorgniserregend. Wir wollen vermeiden, dass sie aus dem Ruder läuft.»

Auch für die Skigebiete wurden die Bedingungen deshalb verschärft, wenn auch nicht so stark wie von einigen erwartet. «Wir haben uns für diese Option entschieden. Im ganzen Land sollen ausserdem die gleichen Regeln gelten», sagte Berset. Wollen die Skigebiete über die Feiertage geöffnet haben, müssen sie bis zum 11. Dezember eine Bewilligung beim Kanton beantragen. Dieser muss sich bis am 22. Dezember dazu äussern.

Auch Skigebiete, die bereits geöffnet haben, müssen eine Bewilligung beantragen. «Die Umsetzung der Schutzkonzepte muss streng kontrolliert werden. Werden die Massnahmen nicht eingehalten, muss der Kanton die Bewilligung wieder entziehen», betonte Berset. «Es ist keine einfache Situation, aber wir sind immerhin offener als andere Länder.»

Tourismusgebiete schlagen zahme Töne an

In den Wintersportorten nimmt man die neuen Restriktionen relativ erleichtert zur Kenntnis. «Wir sind froh, dass es keine generelle Kapazitätsbeschränkung gibt», sagt etwa ein Sprecher der Titlis Bergbahnen in Engelberg. «Wir sagten immer, wir würden es nicht verstehen, wenn eine Gondel anders behandelt würde als ein SBB-Zug.» Die verhängten Massnahmen seien nun jedoch sinnvoll. «Wir müssen unsere Schutzkonzepte dadurch nicht wesentlich anpassen, weil wir die Kapazitäten in den Gondeln bereits freiwillig reduziert haben.»

Einen zahmen Ton schlagen auch die Tourismusorganisationen Wallis und Graubünden an: «Wir begrüssen den heutigen Entscheid des Bundesrates. Er verpflichtet alle Tourismus-Partner in unserer Region, Verantwortung zu übernehmen», heisst es aus dem Wallis. Ebenso aus Graubünden: «Wir unterstützen die Beschlüsse und tragen diese selbstverständlich mit. Aus touristischer Sicht ziehen wir zudem Massnahmen zum jetzigen Zeitpunkt gegenüber neuen Regulierungen mitten in der Hochsaison vor.»

Der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff, der sich im Vorfeld kritisch zu weiteren Verschärfungen geäussert hatte, sagt auf Anfrage: «Ich bin zwar erleichtert, dass es keine generelle Kapazitätsbeschränkung gibt. Die Beschränkung in den Transportmitteln erachte ich aber als problematisch. Sie könnte die Platzverhältnisse im Wartebereich verschärfen.» Insgesamt könne er jedoch mit den Restriktionen leben. Graubünden müsse die Corona-Fallzahlen ohnehin runter bringen. Denn: Stand jetzt würde Graubünden die Auflagen des Bundes wohl nicht erfüllen und den Skigebieten keine Bewilligung erteilen können.

Autor

Gabriela Jordan

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