Kommentar

Jeden Tag gibts in der Schweiz 2000 neue Arbeitslose - wie lange verhindert Kurzarbeit amerikanische Verhältnisse?

Eine Grafik der "New York Times" zeigt die Dramatik der Arbeitslosen-Zunahme in den USA: 6,6 Millionen in nur einer Woche.

Eine Grafik der "New York Times" zeigt die Dramatik der Arbeitslosen-Zunahme in den USA: 6,6 Millionen in nur einer Woche.

In den USA explodieren die Arbeitslosenzahlen, in der Schweiz steigen sie ebenfalls, dank Kurzarbeit jedoch viel langsamer. So wertvoll dieses Instrument ist: Es wirkt nur kurzfristig. Um Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden, muss die Wirtschaft langsam wieder öffnen können. Ein Kommentar.

In dieser Coronakrise ist heute schon vieles beispiellos, historisch einmalig, nie dagewesen. Das gilt in erster Linie für die rasante, globale Ausbreitung des Virus und die Art und Weise, wie dieses unser Leben auf den Kopf gestellt hat. Das gilt jedoch auch für den Arbeitsmarkt.

Mittlerweile sind 1,2 Millionen Menschen in der Schweiz von Kurzarbeit betroffen, also fast jeder vierte Erwerbstätige. Sie alle arbeiten gar nicht oder mit vermindertem Pensum. Wobei ihnen der Staat 80 Prozent des Lohnes weiterbezahlt, mit etwas Glück – wenn sie einen grosszügigen Arbeitgeber haben – erhalten sie weiterhin den vollen Lohn.

Wenn die Zwangsschliessung weiter Teile der Wirtschaft länger andauert, könnte bald ein Drittel, vielleicht sogar die Hälfte aller Beschäftigten auf Kurzarbeit gesetzt sein.

6,6 Millionen neue Arbeitslose in einer einzigen Woche

Wie wichtig das Instrument der Kurzarbeit ist, um Jobs zu retten, zeigen die Länder, die es nicht kennen. In den USA, wo seit jeher eine «Anstellen und Feuern»-Mentalität herrscht, haben innerhalb einer einzigen Woche 6,6 Millionen Menschen ein Gesuch auf Arbeitslosenentschädigung eingereicht.

Lag die Arbeitslosenquote in Amerika noch im Februar bei rekordtiefen 3,5 Prozent (also ähnlich tief wie in der Schweiz), so schnellte sie nun auf über 10 Prozent, und Ökonomen gehen davon aus, dass sie sich im Nu der 20-Prozent-Marke annähern wird. Einen extrem flexiblen Arbeitsmarkt hat Israel. Dort explodierte die Arbeitslosenquote innert weniger Wochen von 4 auf 24,9 Prozent. All das ist beispiellos, historisch einmalig, nie da gewesen.

So hilfreich Schweizer Kurzarbeit ist, um Entlassungen zu vermeiden, so begrenzt ist ihre Wirkung. Sie ist dazu da, vorübergehende Arbeitsausfälle zu überbrücken. Doch was heisst «vorübergehend» in einer Zeit, wo keiner weiss, wie lange die Pandemie anhält?

Dass trotz bundesrätlicher Erleichterungen bei der Kurzarbeit auch hierzulande 26000 neue Arbeitslose registriert wurden – und das innert nur zwei Wochen –, ist ein Alarmsignal. Das entspricht etwa 2000 Arbeitslosen pro Tag. Um Massenarbeitslosigkeit abzuwenden, muss die Wirtschaft behutsam, schrittweise wieder geöffnet werden. Sonst drohen wirtschaftliche und auch gesundheitliche Schäden, die beispiellos, historisch einmalig, nie da gewesen sind. Auf lange Zeit.

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