«Die Wohnmieten in der Schweiz bleiben stabil oder sinken gar», sagt Donato Scognamiglio, Geschäftsführer von IAZI, einem Beratungsunternehmen im Immobiliensektor: «Mieter müssen keine Angst vor steigenden Mieten haben.» Das sind gute Nachrichten für die 65 Prozent der Schweizer, die kein Eigenheim besitzen. Auch Büroflächen werden günstiger, sagt der Immobilienexperte: «Hier ist der Boden noch nicht erreicht.» Denn die Leerstände sind hoch: Sie beliefen sich 2014 auf 0,6 Prozent im Kanton Neuenburg bis auf 10,4 Prozent im Kanton Solothurn.

Scognamiglio stellte gestern in Zürich die wichtigsten Kennzahlen des Markts für Renditeliegenschaften des vergangenen Jahres vor. Das sind von institutionellen Anlegern wie Versicherern, Fonds oder Pensionskassen gehaltene Wohn- und Büroliegenschaften. Eine Trendwende bei den Mieten ist hier nicht in Sicht. Anders bei Wohnliegenschaften, so der Experte:

Die tiefen Hypozinsen lassen keine Mieterhöhungen zu. Dann riskiert der Besitzer nämlich, dass er Mieter verliert. Für diese lohnt es sich dann um so mehr, ein Eigenheim zu kaufen.

Das Mietrecht setzt einen Riegel: Erhöhungen sind nur möglich, wenn die Hypozinsen steigen oder die Teuerung anzieht. Beides ist momentan nicht der Fall. Im Gegenteil: Der aktuell gültige Referenzzinssatz, der Durchschnittswert aller Hypothekarzinsen, werde laut Scognamiglio im Sommer von 2 auf 1,75 Prozent sinken. Das führt dazu, dass Mieter bis zu drei Prozent weniger für ihre Wohnungen zahlen müssen. Nur wer eine 40 Jahre alte Liegenschaft total saniert, kann danach höhere Mieten einfordern.

Der Nachfragedruck nimmt ab, weil die Zuwanderung sinkt.

Es gibt in vielen Regionen mehr Wohnungen, die leer stehen. Den höchsten Wert hatte 2014 der Kanton Solothurn mit 7,2 Prozent. Im Kanton Aarau sind es
6, im Kanton Zürich 2,6 Prozent. In den Kantonen Basel und Baselland sind die Leerstände hingegen zurückgegangen – auf 3,6 respektive 2,1 Prozent.

Im Bereich der Büroliegenschaften ist der Leerstand 2014 in vielen Kantonen rückläufig. Dieser Rückgang sei allerdings nur auf Kosten sinkender Mieten möglich geworden, sagt Scognamiglio. Die Preise sind regional stark unterschiedlich: In Basel kostete ein Quadratmeter gut 40 Prozent mehr als im Baselbiet. Auch in der Stadt Zürich finde man heute relativ günstige Angebote, wenn man bereit sei, seine Büros nicht im Zentrum zu mieten. Wer jetzt etwas sucht, muss einfach gut verhandeln. Scognamiglio sagt: «Unternehmen können heute viel rausholen, wenn sie mit den Vermietern über den Preis von Büroflächen diskutieren.» Das gelte auch für die Konditionen beim Endausbau.

Ausschlaggebend für die Prognosen von Scognamiglio ist die von den IAZI-Experten berechnete Entwicklung der Mieten im vergangenen Jahr:

In den meisten Kantonen stagnierten die Quadratmeterpreise, die für Mietwohnungen bezahlt werden müssen, oder sanken gar leicht. Das gilt auch für die Kantone Aargau, Baselland und -stadt, Solothurn und Zürich.

Am meisten zahlen Mieter in den Kantonen Genf und Zug. Der Quadratmeter für voll vermiete Liegenschaften, die sogenannte «Sollmiete», kostete im Schnitt 228 Franken. Das ist der Medianwert: Die Preise der Hälfte aller statistisch erfassten Wohnliegenschaften liegen über respektive unter diesem Wert. Dazu kommen die Nebenkosten. Am günstigsten wohnen Mieter im Kanton Wallis. Hier lag der Quadratmeterpreis bei
154 Franken.

Die günstigsten Wohnungen finden sich in der Nordwestschweiz im Kanton Solothurn. Hier zahlen Mieter im Schnitt
178 Franken pro Quadratmeter. Eine durchschnittliche Dreizimmerwohnung mit 65 Quadratmetern kostete pro Monat also rund 1000 Franken, eine Vierzimmerwohnung mit 85 Quadratmetern 1260 Franken. In den Kantonen Baselstadt und Zürich belief sich der Quadratmeterpreis auf 212 respektive 225 Franken. Im Kanton Aargau sind es 198 Franken. Das entspricht einer Monatsmiete für 65 Quadratmeter von rund 1100 Franken, für 85 Quadratmeter von 1400 Franken.

Die billigsten Büroflächen finden Unternehmer im Kanton Solothurn, die teuersten in Genf. Hier kostet der Quadratmeter 447 Franken, was mehr als doppelt so teuer ist wie im Kanton Solothurn. Im Kanton Aargau liegen sie bei 249, in Basel bei 319 und in Zürich bei 349 Franken. Die Preise stagnieren meist oder befinden sich in diesem Bereich ebenfalls im Sinkflug.