Wirtschaft

Homeoffice wird für Bankmitarbeitende zum Dauerzustand

Der Paradeplatz in Zürich ist seit Ausbruch der Coronapandemie deutlich weniger belebt.

Der Paradeplatz in Zürich ist seit Ausbruch der Coronapandemie deutlich weniger belebt.

Zwei bis drei Wochentage von zu Hause arbeiten, so sieht der Bankenverband die Zukunft nach der Corona-Zeit.

«Wir sind gerüstet.» Nach Ansicht des Bankierpräsidenten Herbert Scheidt können die Schweizer Banken der nächsten Digitalisierungswelle mit Zuversicht entgegensehen. Den Corona-Test habe die Branche jedenfalls bestanden, befand Scheidt auf der Medienkonferenz seiner Vereinigung zum traditionellen Bankiertag.

Während des zweimonatigen Lockdowns hätten die Banken ihren Betrieb in kürzester Zeit fast vollumfänglich in die Homeoffices der Mitarbeitenden verlagert und gleichzeitig die Abwicklung des umfangreichen KMU-Kreditprogramms sichergestellt. Nun gehe es darum, auch längerfristig die Umstellung zu schaffen und das Denken in neuen Arbeitsformen zuzulassen, meinte Scheidt.

Auch in diesem Prozess sind die Banken in den vergangenen Monaten offensichtlich einen grossen Schritt weitergekommen. Noch immer arbeiten im Mittel rund die Hälfte der rund 90'000 Bankmitarbeitenden von zu Hause aus. Zwar gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten, aber die Spannweite liegt gemäss Scheidt zwischen 40 Prozent und 60 Prozent.

Sind Kundendaten im Homeoffice genügend geschützt?

Einige Banken haben inzwischen damit begonnen, ihre Mitarbeitenden wieder verstärkt ins Büro zurückzubeordern. Doch im Durchschnitt werde sich der Homeoffice-Anteil bei zwei, vielleicht sogar bei drei Wochentagen pro Vollzeitangestellten einpendeln, meint der oberste Schweizer Bankier.

Das sind erstaunliche Prognosen für eine Branche, in der Diskretion und die Sicherheit von Kundendaten immer noch eine Schlüsselrolle spielen. Doch für Balz Stückelberger vom Arbeitgeberverband der Banken in der Schweiz sind sie nicht ganz so überraschend wie für aussenstehende Beobachter. Schon vor der Coronakrise hätten viele Banken ihren Angestellten einen Tag pro Woche im Homeoffice zugestanden. Dass eine Aufstockung auf zwei Tage mehr Vorteile bringe, sei inzwischen weitgehend Konsens in der Branche, weiss er.

Bei einem Anteil von über 50 Prozent Homeoffice sieht der Verband aber vor allem Nachteile. Eine allzu grosse soziale Distanz unter den Mitarbeitenden behindere etwa die Entwicklung einer Unternehmenskultur, gibt Stückelberger zu bedenken. Zudem würden auch Sicherheitsfragen wieder relevanter. Für viele Berater, die jetzt noch von zu Hause aus auf die Daten ihrer Kunden zugreifen könnten, werde sich dieser Kanal in nächster Zeit wieder schliessen. Sie müssten häufiger oder ganz zurück ins Büro. Doch zurzeit seien alle Banken intensiv mit der Entwicklung von neuen Arbeitsplänen beschäftigt. Vieles werde sich ändern.

Muss Arbeitgeber Kosten des Homeoffice mittragen?

Wenn die Banken dereinst auch die Zahl der Büroplätze für ihre Angestellten reduzieren, werden sich vermehrt auch rechtliche Fragen stellen. Unlängst befand das Bundesgericht in einem Urteil, der Arbeitgeber sei verpflichtet, einen Anteil an die Kosten des Homeoffice beizusteuern, wenn er dem Angestellten keinen festen Büroplatz mehr biete. Zurzeit drehen sich die Diskussionen zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern im Homeoffice noch eher um Fragen rund um die Gesundheitsschutzpflichten des Arbeitgebers. Manche Banken sind gemäss Stückelberger schon freiwillig dazu übergegangen, ihre Angestellten bei der ergonomischen Einrichtung des Homeoffice zu beraten und zu unterstützen.

Der Trend zum Homeoffice ist übrigens kein spezifisches Bankenthema. Das am Dienstag veröffentlichte Manpower Arbeitsmarktbarometer hat im Rahmen einer Umfrage festgestellt, dass 57 Prozent der Firmen in der Schweiz mehr Arbeit im Homeoffice zulassen oder gar fördern wollen. 17 Prozent der befragten Arbeitgeber wollen sogar eine vollständige Verlagerung ins Homeoffice zulassen.

Die Arbeitsmarktsituation beurteilt das Manpower-Barometer übrigens zuversichtlicher als noch vor drei Monaten. Zwar gehen die befragten Arbeitgeber in nächster Zeit von einer Zunahme der Stellenverluste aus. Doch immerhin glauben 42 Prozent, dass man das Einstellungsniveau von vor der Krise binnen eines Jahres wieder erreichen könnte. Ein Viertel der Befragten meint sogar, bereits bis Ende Jahr dort anzukommen.

Autor

Daniel Zulauf

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