200'000 Franken durchschnittlicher Jahreslohn, sechs Wochen Ferien und die Option auf Frühpensionierung mit 56 sind manchen Fluglotsen des Bundesbetriebes Skyguide offenbar nicht genug. Rund 190 Mitarbeiter drohen ab Montag, 23. Juli, mit einem fünftägigen Streik. Sie fordern eine jährliche Lohnerhöhung von 1,8 Prozent und mindestens 125 Ruhetage pro Jahr.

Zum Streik aufgerufen haben die Mitglieder von Skycontrol, einer von vier Gewerkschaften bei Skyguide. Wenn in den für Dienstag geplanten Gesprächen zwischen Skyguide und Skycontrol keine Einigung gefunden wird, wären ab dem 23. Juli täglich rund 50 Flüge und mehr als 3500 Flugbewegungen über der Schweiz betroffen.

Zu Verspätungen und Ausfällen käme es primär am Flughafen Genf sowie auf den Flugplätzen Sion, Bern, Lugano, Emmen und Grenchen, obwohl die Grenchner Fluglotsen nicht mitstreiken wollen.

Unzufrieden sind die Fluglotsen primär wegen der zunehmend knappen personellen Ressourcen, mit denen sie ihre Aufgabe wahrnehmen müssen. Die Engpässe bei der Flugsicherung sind laut Schweizer Flugexperten einer der Hauptgründe für die zunehmenden Verspätungen im Flugverkehr, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Kritik aus Zürich

Derzeit hat in Europa jedes fünfte Flugzeug rund 20 Minuten Verspätung. In den Sommermonaten, wenn viele Europäer traditionellerweise in die Ferien fliegen, könnte die durchschnittliche Verspätung gar auf bis zu 35 Minuten anwachsen, befürchten Experten. In bis zu 60 Prozent der Fälle seien diese Verspätungen mit den personellen Engpässen bei den Fluglotsen zu erklären.

Diese müssen ein immer stärker wachsendes Flugaufkommen am Himmel im Auge behalten. Ende 2018 werden rund ein Drittel mehr Flugzeuge über den europäischen Himmel fliegen als noch vor fünf Jahren.

Trotzdem stossen die Skyguide-Mitarbeiter, die ab kommendem Montag streiken wollen, nicht überall auf Verständnis. Sonja Zöchling, Kommunikationschefin des Flughafens Zürich, liess auf Twitter verlauten: «Wenn 200'000 CHF, 35-Stunden-Woche und Pensionierung mit 56 nicht grosszügig sind, verstehe ich die Arbeitswelt nicht mehr.»