Fall Hildebrand

Hansueli Raggenbass ist kein Freund des Mikrofons

Bankratspräsident Raggenbass will bis 2013 im Amt bleiben. keystone

Bankratspräsident Raggenbass will bis 2013 im Amt bleiben. keystone

Als er noch Nationalrat war, attestierte man Hansueli Raggenbass, transparent zu politisieren. Diese Fähigkeit scheint ihm als Bankratspräsident abhandengekommen zu sein.

Als Brückenbauer über Parteigrenzen hinweg, als einer, der es versteht, eine transparente Politik zu betreiben: So beschrieben Parlamentskolleginnen und -kollegen von Hansueli Raggenbass ihn im Jahr 2003. Damals trat der CVP-Politiker nach insgesamt 12 Jahren in Bern aus dem Nationalrat zurück. Als Mitglied zuerst der Finanzkommission und später der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) kreisten seine insgesamt 33 Vorstösse um Steuerfragen, Finanzaufsicht, Finanzdienstleistungen der Post und um das Gesundheitswesen. (Raggenbass ist VR-Präsident des Krankenversicherers Swica.)

2001 wurde der Thurgauer Rechtsanwalt und Steuerexperte in den Bankrat gewählt, welcher die Aufsicht und Kontrolle über die Geschäftsführung der Schweizerischen Nationalbank ausübt. Der Bundesrat wählte ihn dann 2002 zum Bankratspräsidenten.

Wohl fühlt sich Hansueli Raggenbass als stiller Schaffer im Hintergrund. So meldete er sich während 12 Jahren im Nationalrat bloss 36-mal zu Wort. Dass Raggenbass den Auftritt am Mikrofon nicht unbedingt sucht, zeigte sich auch vergangene Woche an der gemeinsamen Pressekonferenz mit Philipp Hildebrand, wo sein Untergebener durch die Veranstaltung führte. Wie ein «Dorfpolitiker» habe Raggenbass gewirkt, kritisierte in der Folge der «Sonntag».

Für Medien unerreichbar

Der Bankratspräsident, der für seine Arbeit rund 150000 Franken vergütet erhält, findet sich im «Fall Hildebrand» auch nach dem Rücktritt des SNB-Chefs mitten im ungeliebten Scheinwerferlicht wieder. Und dort machte er bis anhin nicht unbedingt eine gute Figur: Für Medien war er unerreichbar; erst unter grossem Druck veröffentlichte er das SNB-Reglement über Eigengeschäfte der Direktionsmitglieder und verkündete eine verstärkte Kontrolle deren Eigengeschäfte.

Am Montag gestand der zweifache Vater Kommunikationsfehler ein. Doch im Raum stehen weiterhin durch die Medien erhobene Vorwürfe des Filzes und der Intransparenz an die Adresse des 63-jährigen Rotariers.

Der Auftritt des ehemaligen WAK-Mitglieds vor der WAK am Montag überzeugte nicht alle Anwesenden. Raggenbass will aber erst 2013 zurücktreten. Dann muss er aufgrund der Amtszeitbeschränkung seinen Posten ohnehin räumen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1