Coronakrise

Grossaktionär macht Weg für Rettung von Lufthansa und Swiss frei

Grünes Licht für Staatsmilliarden aus Berlin? Sieht gut aus, weil Lufthansa-Grossaktionär Thiele den Weg frei machen will.

Grünes Licht für Staatsmilliarden aus Berlin? Sieht gut aus, weil Lufthansa-Grossaktionär Thiele den Weg frei machen will.

Kehrtwende im Poker um die Rettung der Lufthansa: Grossaktionär Heinz Hermann Thiele will trotz Bedenken über den geplanten Staatseinstieg auf der Hauptversammlung des Konzerns am Donnerstag grünes Licht geben für das milliardenschwere staatliche Finanzpaket.

"Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen", erklärte der Münchner Unternehmer Thiele gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Er hatte die Lufthansa und die Öffentlichkeit auf die Folter gespannt, weil er auf der ausserordentlichen Versammlung mit seinem Anteil von mittlerweile 15,5 Prozent den Plan hätte zu Fall bringen können.

Gegenüber der FAZ hatte Thiele vergangene Woche den mühsam ausgehandelten Rettungsplan vor allem kritisiert, weil er gegen den Staatsanteil von einem Fünftel an der Lufthansa ist. Seine Entscheidung hatte er offen gelassen, zugleich aber erklärt, nichts blockieren zu wollen. Der Milliardär befürchtete, dass die Politik bei der Lufthansa eine notwendige Sanierung erschweren würde.

Thiele war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, und die Lufthansa wollte den Vorgang nicht kommentieren. Lufthansa-Aktien legten in Reaktion auf Thieles Einlenken deutlich zu.

Aufatmen bei der Swiss: Aktionäre stimmen Lufthansa-Rettungspaket zu

Aufatmen bei der Swiss: Aktionäre stimmen Lufthansa-Rettungspaket zu

Die Aktionäre der Lufthansa sagen Ja zum Rettungspaket der deutschen Regierung. Die Airline erhält Kredite in der Höhe von 9 Milliarden Euro, im Gegenzug bekommt die deutsche Regierung eine 20 Prozent-Beteiligung an der Airline. Vor allem diese Beteiligung und die mögliche Einflussnahme der Politik auf die Lufthansa sorgten bei den Aktionären für Unmut. An einer virtuellen Aktionärsversammlung musste die Lufthansa-Führung über mehrere Stunden zahlreiche kritische Fragen beantworten. Mit der Annahme des deutschen Rettungspakets werden auch die Kredite für Swiss und Edelweiss in Höhe von 1,5 Milliarden Franken freigegeben. Der Bundesrat machte die Annahme zur Bedingung für die Schweizer Kredite.

Thiele fordert zügige Restrukturierung

Gegenüber der FAZ erklärte der Grossaktionär weiter: "Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann." Solche Verhandlungen laufen derzeit noch.

Die Gewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter hatten erklärt, zusammen rund eineinhalb Milliarden Euro Personalkostensenkungen auf mehrere Jahre verteilt angeboten zu haben. Doch bis zum Mittwochabend war die von der Lufthansa noch vor der Hauptversammlung angestrebte Einigung nicht gelungen.

Die deutsche Regierung in Berlin hatte Thieles Forderungen nach Nachverhandlungen zurückgewiesen. Bei einem Spitzengespräch Thieles mit Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier erläuterten die Minister und ihre Staatssekretäre Thiele den vereinbarten Pakt. Dieser sieht 5,7 Milliarden Euro Stiller Einlagen des Staates vor, das Aktienpaket für rund 300 Millionen Euro sowie bis zu drei Milliarden Euro Kredit von der staatlichen Förderbank KfW.

Der für den Staatseinstieg notwendigen Kapitalerhöhung, an der die Aktionäre nicht teilnehmen dürfen und die ihre Investments verwässert, müssen sie mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Bei einem Scheitern wäre die Lufthansa nach Angaben des Vorstands womöglich in Insolvenz gegangen, weil ihr nach wenigen Tagen aufgrund der Corona-Krise das Geld ausgehen würde.

Geld für die Swiss liegt bereit

Das Einlenken Thieles dürfte auch in der Schweiz mit grosser Erleichterung aufgenommen werden. Denn eine Insolvenz der Muttergesellschaft Lufthansa könnte auch die Swiss und die Edelweiss in die Tiefe reissen. Der Bund hätte mit Blick auf die bereits Anfang Mai für die Swiss und ihre Schwester Edelweiss in Aussicht gestellte Nothilfe in Höhe von 1,275 Milliarden Franken über die Bücher gehen müssen.

Dieses Geld liegt bereit, ist aber aufgrund der Verzögerungen in Deutschland noch nicht geflossen. Auf ein allfälliges Scheitern der Lufthansa-Rettung haben sich eigenen Angaben zufolge sowohl die Swiss als auch der Bund vorbereitet. Einzelheiten zum Plan B wollten die Akteure allerdings nicht publik machen.

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