Bereits im Vorfeld häuften sich die Gerüchte, Google wolle eine Streaming-Plattform für Videospiele lancieren. Diese bewahrheiteten sich gestern. In einer rund einstündigen Pressekonferenz wurde der Dienst Stadia präsentiert, welcher noch dieses Jahr online gehen soll. Die Plattform ermöglicht es, Spiele auf Googles Servern laufen zu lassen und direkt auf verschiedene Geräte der Nutzer zu übertragen, sei es am Laptop, Smartphone oder direkt am Fernseher. Die Leistungsfähigkeit des Geräts spielt dabei keine Rolle. Die Wiedergabe-Qualität ist einzig vom Bildschirmtyp abhängig. Die Spiele werden in hoher 4K-Bildauflösung verfügbar sein, zu einem späteren Zeitpunkt soll das noch schärfere 8K folgen.

Da keine Hardware nötig ist, sollen Nutzer ihre Spiele möglichst simpel und ohne Wartezeiten abrufen können. Downloads und Updates sollen der Vergangenheit angehören. Auf PC und Smartphones soll man die Controller dafür verwenden können, die man bereits besitzt. Für das Gamen am Fernseher präsentierte Google gestern einen eigenen Controller. Das Design ähnelt denjenigen der Konkurrenz, neu sind zwei Knöpfe mit besonderen Funktionen: Einer aktiviert Googles Sprachassistent, der Spielern mit Tipps hilft, sollten sie im Game nicht weiterkommen. Der andere überträgt Spieleaufnahmen direkt auf Youtube. Googles Videoplattform soll nämlich eine zentrale Rolle einnehmen: Ziel sei es, dass man beim Zuschauen eines Spielers direkt ins gleiche Spiel einsteigen kann. Auch Speicherstände sollen austauschbar sein.

Preismodell noch unbekannt

Daher rührt auch der Name Stadia, die Mehrzahl von Stadium: Die Plattform soll Zuschauen und Spielen vereinen. Damit greift Google gleich mehrere Konkurrenten an. Einerseits Amazon mit seiner Live-Streaming-Plattform Twitch, die monatlich rund 140 Millionen Zuschauer verzeichnet. Andererseits auch die beiden Konsolenhersteller Sony und Microsoft. Deren Konsolen, Playstation 4 und Xbox One, wurden als die «vorherige Generation von Konsolen» bezeichnet.

Googles Ansage, die Zukunft des Gamings sei da, überzeugte gestern aber nur wenige. Dafür liess der Tech-Gigant zu viele Fragen offen. Das Geschäftsmodell blieb etwa unerwähnt. Handelt es sich um ein Abo, oder werden die Spiele einzeln bezahlt? Auch die Spieleauswahl wirkte etwas dünn. Google gab bekannt, ein eigenes Entwicklungsstudio gegründet zu haben. Als einziger externer Partner wurde der französische Spieleentwickler Ubisoft erwähnt. Zusätzlich ist noch nicht klar, was für eine Internetverbindung nötig ist, um die Spiele flüssig spielen zu können. Gerade bei Spielen, in denen die Verzögerungszeit zwischen Eingabe und Ausführung entscheidend ist, muss Stadia beweisen, dass der Dienst mit Konsolen mithalten kann.