Der Milliardenkonzern Facebook gerät immer stärker unter Beschuss. Am Montag brach der Aktienkurs um fast sieben Prozent ein, am Diensttag ging die Rutschpartie weiter: Die Titel verloren zeitweise über fünf Prozent. Die heftigste Kurskorrektur seit Jahren liess den Unternehmenswert um über 50 Milliarden Dollar abschmelzen. Die Aktien des Google-Mutterkonzerns gaben ebenfalls nach.

Die Börsen reagieren so stark, weil Politiker in den USA, aber auch in Europa Firmen wie Facebook oder Google härter an die Kandare nehmen wollen. Sie wollen abklären, ob diese Datenkolosse den Zugriff auf Benutzerprofile genügend schützen. US-Senatoren wollen Hearings veranstalten und etwa Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vorladen. Auch das britische Parlament und der Präsident des EU-Parlaments wollen Zuckerberg anhören. Zudem wurde am Dienstag bekannt, dass die mächtige US-Handelskommission gegen Facebook aktiv geworden ist.

Wähler zu Trump getrieben?

Der Social-Network-Gigant muss sich vorwerfen lassen, dem dubiosen Unternehmen Cambridge Analytica leichtfertig Zugang zu 50 Millionen Facebook-Profilen verschafft zu haben. Die Daten-Analyse-Firma soll Benutzerdaten wie Name, Adressen und Vorlieben genutzt haben, um mittels Microtargeting unentschlossene Wähler zu bewegen, ihre Stimme Donald Trump zu geben.

Verdeckte Recherchen von britischen Journalisten haben weitere, möglicherweise illegale Methoden enthüllt. Videoaufnahmen zeigen den CEO, wie er sich damit brüstet, mit Geheimdienstmethoden politische Gegner zur Strecke zu bringen. In einem fingierten Verkaufsgespräch sprach er davon, «Mädchen» in Villen von Politikern zu schicken, sie zu filmen und das Material über Social-Media-Kanäle zu verbreiten. Am Dienstagabend wurde der Manager suspendiert. Das Unternehmen soll auch in der Brexit-Kampagne mitgemischt haben. Unklar ist, wie gross die Wirkung von Cambridge Analytica und des Microtargetings tatsächlich ist. Auch Schweizer Werbetreibende sollen schon die Dienste genutzt haben.

Facebook reagiert ausgesprochen nervös auf die Enthüllungen. Sicherheitschef Alex Stamos hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt, nachdem er Tweets zu den Berichten gelöscht hatte. Schon früher setzte er sich für grösstmögliche Transparenz ein, indem er dazu drängte, die Umstände über die Einflussnahme Russlands in den US-Wahlkampf sauber aufzuarbeiten. Mit seinem Engagement soll er indessen für «Konsternation» bei seiner Vorgesetzten, der Vorzeigemanagerin Sheryl Sandberg, gesorgt haben, wie die «New York Times» berichtete.

Für Nervosität sorgt, dass Firmen wie Facebook zunehmend in Verdacht geraten, «computer-gestützte Propaganda und Massenmanipulation» zu betreiben, wie die «Financial Times» kommentierte. Die Enthüllungen sind somit sehr ernst zu nehmen, denn sie sind ein Schlag gegen den Kern des Unternehmens: Für Facebook, aber auch für Google oder Twitter sind Nutzerprofile die Grundlage sprudelnder Werbeerlöse, die zumindest Facebook und Google zu den wertvollsten Unternehmen des Planeten gemacht haben.

Uber-Unfall dämpft Tech-Euphorie

Ebenfalls in die Schlagzeilen geraten ist der Fahrdienst Uber. Ein autonom fahrendes Auto in Arizona fuhr eine Frau an, die kurz darauf im Spital verstarb. Uber stellte per sofort alle Tests ein, wie Firmenchef Dara Khosrowshahi mitteilte. Wie die örtliche Polizei meldete, treffe Uber wohl keine Schuld, da ein Unfall auch von einem Menschen am Steuer kaum hätte verhindert werden können. Autofirmen versprechen, mit autonomem Fahren die Zahl der Todesfälle auf der Strasse drastisch senken zu können. Auch für Arizona steht viel auf dem Spiel, der Staat erliess amerikaweit die liberalsten Gesetze, um Tests für autonomes Fahren überhaupt zu ermöglichen. Der Todesfall wirft die Frage auf, wie fortgeschritten die Technik tatsächlich ist.

Uber behauptete grossspurig, dass bereits in fünf Jahren schon fliegende Taxis Pendler durch die Lüfte transportieren würden. Die Technologie-Euphorie scheint in diesen Tagen einen Dämpfer erlitten zu haben.