Banken

Geplatzte Grossmachtträume: Bei UBS und Credit Suisse ist Knochenarbeit angesagt

Da war noch Expansion angesagt: Die CS modernisiert 2006 ihr Logo.

Da war noch Expansion angesagt: Die CS modernisiert 2006 ihr Logo.

Handwerk statt Glamour: Die neuen Bankchefs widerspiegeln einen Wandel.

Ganze 15 Monate hat der UBS-Verwaltungsrat nach einem neuen Chef gesucht. Doch der Name des Mannes, den das Gremium schliesslich gefunden hat, ist selbst fleissigen Lesern der Wirtschaftspresse nicht geläufig. Dabei ist Ralph Hamers eigentlich kein Nobody. Der 53-Jährige steht seit 2013 der niederländischen ING Gruppe vor und diese ist gemessen an ihrer Bilanzsumme immerhin die zehntgrösste Bank Europas – vor UBS und Credit Suisse.

«Betrachten Sie die Berufung zum CEO von UBS als Beförderung?», fragte ihn eine Journalistin, als er sich den Medien vorstellte. Hamers windet sich ein bisschen, bis er schliesslich doch noch ein «Ja» hervorbringt. Ein Chefposten am Zürcher Paradeplatz bedeutet längst nicht mehr für jeden Banker die Krönung seiner Karriere.

Bei der Credit Suisse regiert seit zwei Wochen Thomas Gottstein. Für ihn war 2015 schon die überraschende Beförderung zum Leiter des Schweizer Geschäfts ein so grosser Schritt, dass er darob in Sorge geriet, wie er bei der Verabschiedung seines Chefs Tidjane Thiam freimütig bekannte. Im Bankerleben des 55-jährigen Zürchers dürfte der Aufstieg an die Spitze der Alfred-Escher-Bank tatsächlich der finale Höhepunkt sein.

Marcel Ospel verdiente einst 25 Millionen Franken

Doch zu Gottsteins Vorgängern gehören Bankergrössen wie der Amerikaner John Mack, der 2001 in einem Machtkampf um die Führung der mächtigen Wall-Street-Bank Morgan Stanley unterlegen war und in der CS eine attraktive Ausweichmöglichkeit sah. Vier Jahre später holte ihn Morgan Stanley zurück nach New York – mit einem Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar.

Gleich viel verdiente zu jener Zeit ein gewisser Marcel Ospel, der die UBS an die Spitze der Wall Street führen wollte. Noch heute beziehen Schweizer Grossbankchefs Löhne in zweistelliger Millionenhöhe, die nach den Schrumpfkuren der Banken kaum erklärbar sind. Aber die astronomischen Saläre von damals gehören der Vergangenheit an.

Der Name Hamers steht sinnbildlich für diesen Wandel. Der Mann, der sein gesamtes Berufsleben im beschaulichen Amsterdam für die vormalige niederländischen Reichspostbank im Sold gestanden hat, soll nun bei der UBS die Fäden ziehen. Branchenkenner attestieren dem niederländischen Institut zwar durchaus beachtliche Erfolge. Aber wie lässt sich das Kleinkundengeschäft von ING mit den Ambitionen eines Schweizer Finanzplatzes in Einklang bringen, der sich immer noch gerne in direkter Konkurrenz zu der globalen Finanzkapitale London sieht?

Zwölf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise hat das grosse Feld der international tätigen Banken die beiden Schweizer Flaggschiffe eingeholt. Deren Versuche, in die Weltspitze vorzustossen, sind trotz enormer finanzieller Anstrengungen gescheitert.

20 Jahre sind es her, als die Eidgenossen in New York zum grossen Angriff ansetzten. 11,5 Milliarden Dollar legte die Credit Suisse im November 2000 für den Kauf der Investment Bank Donaldson, Lufkin Jenrette auf den Tisch. Drei Jahre zuvor hatte die Bank, die ihren Ambitionen nicht mehr angepasste, Bezeichnung «Schweizerische Kreditanstalt» gegen den heutigen, auch für ausländische Zungen aussprechbaren, Namen eingetauscht. Es war das Jahr, als die Credit Suisse die Winterthur Versicherung einverleibte, um ein weltweit führender Finanzdienstleister zu werden.

Teure Expansion in die USA – und ihr Ende

Die UBS, die 1998 aus der Fusion des Bankvereins und der Bankgesellschaft hervorgegangen war, stand ihrer ehrgeizigen Rivalin in nichts nach. Ebenfalls im November 2000, als der irrationale Überschwang der Börsen unmittelbar vor dem Höhepunkt stand, leistete sie sich den prestigeträchtigen aber nicht mehr ganz fitten US-Broker Paine Webber. Preis: 11 Milliarden Dollar. Das grosse Geld sass den Schweizer Banken in jenen Jahren locker in der Tasche. Die Einnahmen aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft sprudelten mehr denn je. Im Wissen, dass die goldenen Zeiten des Bankgeheimnisses irgendwann zum Ende kommen würden, bauten sie mit Milliardeninvestitionen Filialnetze in ganz Europa auf.

2003 kam das böse Erwachen für die Credit Suisse. Die Winterthur riss mit ihren Kapitalanlagen einen Jahresverlust von 3,4 Milliarden Franken in die Rechnung. Fünf Jahre später war es auch um die UBS geschehen. 45 Milliarden Franken verlor die Bank beim Versuch, über das Geschäft mit amerikanischen Hypothekenanleihen die Platzhirsche der Wall Street auszubooten.

Wie viel die gescheiterten Ausbruchversuche der Grossbanken aus dem goldenen Schweizer Käfig insgesamt gekostet haben, weiss niemand so genau. Es sind Summen, die so hoch sind, dass man nur staunen kann, dass die Banken immer noch existieren.

Für halsbrecherische Strategien ist längst nicht mehr genügend Geld vorhanden. Solides Handwerk ist angesagt. Dafür stehen auch die beiden neuen Chefs, deren unprätentiöse Auftritte im starken Kontrast zum Glamour der Chefs vom Typus Ospel stehen.

Autor

Daniel Zulauf

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